
- Interview
Wie würden Sie ›Ein Herzschlag bis zum Tod‹ in drei Zeilen beschreiben?
Die ganz kurze Beschreibung: Eine Frau rettet ein kleines Kind, von da an wird ihr Leben ganz schön auf den Kopf gestellt.
Aber in drei Zeilen: Eine alleinstehende Frau sieht, wie ein kleines Kind in einen kalten See geworfen wird, und springt ohne nachzudenken hinterher. Ihre Entschlossenheit, das Kind zu beschützen, führt sie weg von ihrem ruhigen Leben als Journalistin in einer kleinen Stadt in den Bergen hinein in die ungewohnte Welt der Reichen in Kanada, wo sie versucht, das Geheimnis dieser Kindsaussetzung zu lüften. Die Gefahren, die das mit sich bringt – und ihre unerwartete Bindung zu dem Kind – zwingen sie, alles, was sie bisher über sich selbst dachte, in Frage zu stellen.
Von der ersten Idee zu ›Ein Herzschlag für den Tod‹ bis hin zum fertigen Roman ist viel Zeit vergangen. Können Sie uns etwas über die Entstehungsgeschichte zu dem Roman erzählen?
Als ich die Adirondacks besucht habe und dort an einem riesigen See entlanggefahren bin, habe ich mir eine Frau auf dem Deck einer Fähre vorgestellt, die beobachtet, wie ein Kind von der entgegenkommenden Fähre ins Wasser fällt, und die sich im Bruchteil einer Sekunde dazu entschließt, hinter ihm her zu springen. Als ich mich hinsetzte, um einen Roman zu schreiben, wurde dies zur Auftaktszene. Ich habe das Buch schnell geschrieben – in ungefähr sieben Monaten – denn wenn ich innegehalten hätte, um nachzudenken, hätte ich mir selbst eingeredet, dass ich das nicht schaffen würde.
Aber der Mittelteil funktionierte irgendwie nicht, und ich hatte keine Ahnung, wie ich das hinbekommen sollte, und so lag der Roman tatsächlich jahrelang in der Schublade. Irgendwann hat mich ein Freund genötigt, zu einer Schriftstellerkonferenz zu gehen, bei der das Buch viel Aufmerksamkeit erhielt. Im darauffolgenden Jahr habe ich einen fünfwöchigen Haustausch in Sydney, Australien, organisiert und kurz bevor ich geflogen bin, habe ich mir den Fuß gebrochen und musste operiert werden – und es stellte sich heraus, dass dies die perfekte Formel zum Redigieren und Umschreiben ist: Man muss sich einfach völlig bewegungsunfähig in einem kalten, feuchten Winter in einem fremden Land befinden. Zurück zu Hause, habe ich mehrere Monate damit verbracht, zu redigieren und zu polieren, und dann war ich fertig.
Wie sieht Ihr normaler Schreibprozess aus?
Ich vermute, dass mein Schreibprozess sich nicht sehr von anderen unterscheidet: Ich stelle mir eine Auftaktszene vor, notiere einen groben Handlungsverlauf von der Länge einer Seite und los geht’s. Ich schreibe auf einem Laptop, drucke aber häufig Seiten aus, um sie zu lesen oder von Hand zu redigieren. Und dann lese ich Kapitel laut vor, anfangs mir selbst – ich glaube es war der Autor Mark Childress, der mir das als erster geraten hat – und inzwischen einem anderen Schriftsteller. Ja, das braucht Zeit, aber es ist erstaunlich hilfreich – man verfeinert seine n Stil auf eine Weise, an die das Arbeiten auf einer geschriebenen Seite nicht heranreicht. Wenn man laut vorliest, kann man die Schwachstellen nicht verpassen.
Was tun Sie im Falle einer Schreibblockade?
Wenn ich hänge, stimmt etwas mit dem, was ich gerade schreibe, nicht: die Handlung, die Charaktere oder der Rhythmus der Szene. Manchmal ändere ich die Schrift auf dem Computerbildschirm, damit das Manuskript anders aussieht, woraufhin ich es auch anders sehe. Manchmal höre ich auf und denke über die Geschichte nach und finde heraus, wie die Figuren reagieren würden. Dann lese ich den Abschnitt auf Papier und wenn ich immer noch nicht weiterkomme, schneide ich den ganzen Abschnitt heraus, speichere ihn separat ab und beginne den Abschnitt von neuem zu schreiben. Oder ich gehe mit meinen Hunden runter zum Fluss und wenn ich zurückkomme, kann ich klar sehen, was verkehrt war.
Sie sagten einmal, dass nicht Sie die Handlung entwickeln würden, sondern Ihre Figuren. Können Sie das ein bisschen genauer erklären?
Ich entwickle einen groben Plot, bevor ich beginne – ich wusste zum Beispiel immer, wie dieses Buch enden würde. Aber während ich schreibe, können sich die Charaktere auf eine Art entwickeln, die ich nicht vorhergesehen habe und Dinge tun, die ich nicht vorausgesehen habe. Die Person, die an der Tür klopft, ist nicht die Person, die ich erwartet habe. Ein Charakter, von dem ich dachte, er würde an einer bestimmten Stelle erscheinen, taucht erst später auf; einer, von dem ich dachte, er würde eine Hauptfigur werden, gleitet in den Hintergrund und ein anderer tritt in den Mittelpunkt.
Ich glaube, man muss das Unbewusste das Ruder übernehmen lassen, was wahrscheinlich der Grund ist, warum ich gerne früh am Morgen oder spät in der Nacht schreibe. Tagsüber können einem zu viele andere Dinge in die Quere kommen, wie Telefonanrufe, Besorgungen und Hausarbeit.
Sie haben viel gemeinsam mit Ihrer Hauptfigur Troy Chance: Sie haben als Sportredakteurin gearbeitet, Sie lebten sogar in demselben Haus, das im Buch beschrieben wird und hatten einen Hund namens Tiger. Sind Sie Troy Chance?
Ich vermute, wenn ich zugeben würde, wie sehr meine Hauptfigur mir ähnelt, dann würden mich die Leute für eine ziemlich faule Autorin halten! Aber mich als Roman-Debütantin war es am einfachsten, mit einer Person zu beginnen, die ich gut kenne – und das war ich. Ich habe Troy mein Haus gegeben (allerdings hat sie im Gegensatz zu mir ein eigenes Badezimmer), meinen Beruf, meine Interessen und meinen Hund. Sie hat Freunde und Mitbewohner, die auf eine Weise denen ähnlich sind, die ich hatte; viele ihrer Gedanken, Gefühle und Instinkte sind meine. Wir kommen beide aus Tennessee, wenngleich aus verschiedenen Städten. Aber ich bin niemals in meinem Leben von einer Fähre gesprungen! Und in gewissem Sinne sind alle meine Figuren ich, denn wenn man sich selbst nicht in jede einzelne hineinversetzt und sich vorstellt, was sie denken und fühlen, werden sie auf dem Papier nicht nachhallen können.
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