Aidan arbeitet seit Jahren bei Sunny Jim Electronics. Jetzt will das Unternehmen seine Produktion nach Asien verlagern und das Werk in Wales schließen. Aidan beschließt, das nicht einfach hinzunehmen.
Eine Idee hat er schon: Er wird einen Sarg kaufen, sich in seinem Garten begraben lassen und nicht wieder herauskommen, bis er die Zusage von Sunny Jim hat, dass das hiesige Werk bestehen bleibt.
Als mit den Kumpels im Pub alles x-mal durchgesprochen ist (sie schaffen sich sogar jeder ein Mobiltelefon an - für den Notfall), kommt schließlich der große Tag. Aidan wird in seinem Sarg eingegraben. Natürlich lassen die Medien nicht lange auf sich warten. Und Aidan wird zwei Meter tief in seinem Garten zum Anziehungspunkt für alle möglichen Menschen mit denunterschiedlichsten Sorgen und Problemen …
Sehr skurril, sehr komisch und sehr britisch!
Ray French |
Ab nach unten
Roman | 416 Seiten | ISBN 978-3-423-24694-1
Deutsch von Martin Ruben Becker
Deutsche Erstausgabe
14,90 [D] 15,40 [A] sFr 25,80
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© Stewart Griffin
Ray French wurde in Newport, Wales, geboren.
Er war in der Behindertenarbeit tätig, hat Religionswissenschaften studiert und als Bühnenarbeiter, Cartoonist, Archivar und Bibliothekar gearbeitet.
Heute lebt er mit seiner Partnerin und seiner Tochter in Leeds, wo er Kreatives Schreiben unterrichtet.
Mehr über Ray French im Interview
Trailer
Pressestimmen aus Großbritannien
»Ein Buch, das bemerkenswert viel Herz (und Seele) besitzt. Von wohltuend altmodischer Sensibilität.« The Independent on Sunday
»Eine überwältigende Geschichte von Leben, Verlust, Hoffnung und Familie.« The Big Issue
»Eine herausragende, scharfsinnige moderne Satire, die es schafft, zugleich anrührend und komisch zu sein und nachdenklich zu stimmen.« The Herald
»Aidans Medieninterviews aus dem Grab machen ihn unerwartet zu einem Sexsymbol, einer Kummerkastentante und zu einem Emblem für den unbezähmbaren menschlichen Geist. Witzig und wichtig und besonders anrührend, wenn es um die Freundschaft zwischen Aidan und seinen Kumpels geht, die Machtkämpfe und die unbeholfene Zuneigung zwischen Männern der Arbeiterklasse, die noch nicht für die neuen Zeiten aufpoliert wurden.« The Daily Mail
Pressestimmen aus Deutschland
Mein Name ist Ray French, ich lebe in Leeds, Yorkshire, mit dem Zug gut zwei Stunden nördlich von London. Geboren wurde ich in Newport, South Wales. Meine Eltern waren Iren. Wenn ich in der Schule war oder draußen auf der Straße spielte, war ich eindeutig in Wales. Aber sobald ich ins Haus kam, betrat ich eine Miniaturausgabe von Irland. Immer waren irische Migranten bei uns, die nach Newport gekommen waren, um dort zu arbeiten, denn Irland war damals ein armes Land. Abends wurde der Fernseher ausgeschaltet und dann wurden stundenlang Geschichten von Irland erzählt. So wuchs ich in einer Tradition des mündlichen Erzählens auf. Bestimmt schreibe ich deshalb so gern Dialoge.
Wenn ich nicht schreibe, bin ich viel draußen auf dem Land und mache lange Spaziergänge. Dabei kann ich wunderbar alle Sorgen und Nöte vergessen, dort erlebe ich, dass es etwas Größeres gibt als die eigene Existenz, und das vermittelt mir eine Perspektive. Schriftsteller verbringen zu viel Zeit allein in einem Zimmer vor dem Computer, wo sie in einer Welt ihrer Vorstellung verharren. Es tut ihnen gut, hinauszukommen und sich daran zu erinnern, wie wunderschön die echte Welt ist.
In diesem Jahr will ich mir mehr Zeit für Filme nehmen – als Kind liebte ich die Atmosphäre der Kinos. Freunde haben mir vor kurzem eine Sammlung mit Filmen von Werner Herzog geschenkt, und die schaue ich mir jetzt an.
Seit ich als junger Mann seinen Film über Kasper Hauser sah - „Jeder für sich und Gott gegen alle“ -, bin ich von dem Regisseur Werner Herzog fasziniert. Es war einer der schönsten, sonderbarsten und bewegendsten Filme, die ich je gesehen hatte. Ich freue mich sehr über das offenbar neu erwachte Interesse an ihm in England. In den beiden letzten Jahren gab es zwei Dokumentarfilme über Werner Herzog im britischen Fernsehen.
Wie die meisten Schriftsteller brauche ich einen zusätzlichen Job. Ich habe sogar mehrere, an einigen Universitäten unterrichte ich Kreatives Schreiben. Wenn sich interessante Projekte ergeben, bin ich außerdem gern in meiner Stadt schriftstellerisch tätig. Vor kurzem habe ich zum Beispiel mit Flüchtlingen und älteren Briten gearbeitet. Es ging darum, die Erfahrungen zu vergleichen und darüber zu schreiben. Überall trifft man auf Menschen mit einer faszinierenden Geschichte. Es tut gut, außerhalb der akademischen Welt zu arbeiten und die „normalen“ Menschen zu erreichen.
Ich wünschte, … ich könnte schneller schreiben. Ich habe die Tendenz, zu lange über den Sachen zu brüten, und ich kann sehr selbstkritisch werden. Immer wenn ich nicht weiterkomme, gehe ich mit unserem Hund im Wald spazieren. Dort kommen mir oft die besten Gedanken.
Die Figur aus einem meiner Bücher, der ich nie begegnen möchte, ist Nigel Watkins, dieser Politiker, den Aidan in „Ab nach unten“ einstellt. Menschen wie er regieren heutzutage unser Land, Menschen, für die Politik nichts weiter ist als ein anderer Wirtschaftszweig, die ihre Entscheidungen ohne Idealismus und ohne jeden philosophischen Hintergrund treffen. Er ist kein schlechter Mensch, einfach nur schwach, oberflächlich, einer, der nicht viel denkt, einer, der eine machtvolle Stellung nicht verdient.
“Ab nach unten” ist die Geschichte eines ganz gewöhnlichen Mannes, der zum ersten Mal in seinem Leben etwas Außerordentliches tut, und wie sich das auf ihn, seine Familie (‚Dad ist verrückt geworden’) und seine Freunde auswirkt. Inspiriert hat mich dazu ein Ereignis in meiner Heimatstadt. In den Sechziger und Siebzigern, also in meiner Jugend, war Newport eine sehr lebendige Stadt mit hart arbeitenden Menschen. Eisen- und Stahlindustrie und die Werften versorgten Tausende mit Arbeitsplätzen. Aber dann ging die Produktion zurück und damit verloren die Menschen ihre Arbeit. Sie litten mehr und mehr unter der Situation. Obwohl ich den Roman in erster Linie in meiner Heimatstadt spielen lasse, könnte er im Grunde irgendwo in Europa angesiedelt sein, weil die Probleme von Newport denen anderer Städte, die unter dem Rückgang der Schwerindustrie und dem Abbau von Vollbeschäftigung litten, so sehr gleichen.
Lange Zeit schien über meine Heimatstadt in den Nachrichten nur Schlechtes berichtet zu werden. Wenn man Newport nur seinem Ruf nach kennt, rechnet man mit einem schrecklichen Ort, von dem nie mehr etwas Gutes zu erwarten ist, mit einer Stadt, die am Ende ist, die sich nie mehr erholen kann. Das machte mich wütend, weil ich wusste, dass dort so viele wunderbare, großzügige und hart arbeitende Menschen leben. Warum erzählt denn nie jemand ihre Geschichte? Also begann ich mir so einen netten, normalen Mann vorzustellen, vom Glück verlassen, der spürt, dass er alles verloren hat und der nicht weiß, was er noch tun soll. Ich wollte sehen, ob er nicht bis zum Ende der Geschichte langsam seine Würde und den Sinn im Ganzen wiederfinden kann.
… Mir ist, als müsste man heutzutage, wenn man sein Anliegen publizieren will, irgendetwas Auffälliges bringen, um die Aufmerksamkeit der Medien zu gewinnen. Was den Aktionen von Greenpeace so gut gelingt - Schiffe zwischen die Walfänger zu lenken oder in London auf den Big Ben zu klettern oder an der Tower Bridge ein Pamphlet zu entrollen. Diese Aktionen haben viele Nachahmer gefunden. So fuhren vor nicht allzu langer Zeit Bauern mit ihren Traktoren mitten in die High Street der Stadt, so dass aller Verkehr zum Erliegen kam. Als Aidan seine bizarre Aktion plant, liegt er also genau im Trend.
… Aidan, der sich selbst in einen Sarg legt – damit drückt er in einer Metapher seine verlorene Hoffnung aus und die verschütteten Emotionen, genau wie im Song der Smiths, der die Idee inspirierte. Als er seine Protestaktion startet, fühlt er sich unangenehm an die Worte seiner Frau erinnert: „Weißt Du, was dein Problem ist, Aidan? Du vergräbst alles in dir.“ Der Roman untersucht die Auswirkung der Globalisierung mit ihrer skrupellosen Gier nach immer größeren Profiten auf Beziehungen, also wieweit sie auf Kosten der Menschen geht.
… Die Vorstellung fasziniert mich, dass Aidan zum ersten Mal in seinem Leben in den Mittelpunkt des Interesses rückt, weil er ein Loch gräbt und hineinklettert, weil er sich unter der Erde versteckt. Der Philosoph Berkeley schrieb: „Sein bedeutet wahrgenommen werden“ – nach seiner Argumentation existieren Dinge erst dann wirklich, wenn Menschen ihnen ihre Aufmerksamkeit schenken. Als Beispiel nannte er den Baum, der im Wald umfällt. War niemand dabei, um es bezeugen zu können – wie können wir dann sagen, dass es tatsächlich geschehen ist. Ich dachte darüber nach, ob das nicht für große Bereiche der Gesellschaft gilt – wir sehen nicht, wie ihr Leben zerbricht, deshalb könnten sie für uns genauso gut auch unsichtbar sein. Aidan, fast schon überflüssig geworden, war unsichtbar, bis er sich in seinem Sarg selbst beerdigte und die Aufmerksamkeit der Medien erregte.
Paradox ist, dass sich Aidan unter der Erde viel mehr als Teil der Gesellschaft erlebt als damals, als er sein normales Leben führte, denn nun bekommt er so viel Aufmerksamkeit und Unterstützung. Ich wollte zeigen, dass die Hauptperson, ein Arbeiter mittleren Alters, ein ebenso reiches Innenleben, ebenso interessante Gedanken und tiefe Gefühle haben kann wie jeder der gebildeten und wohlhabenden Helden anderer Romane. Wie Albert Camus es ausdrückte: „Wir sind alle Sonderfälle.“
Ich wollte herausfinden, wie ein so zurückhaltender und bescheidener Mensch wie Aidan mit einem so intensiven und aufdringlichen Interesse an seinem Leben zurechtkäme. Menschen, die bisher auf der Straße an ihm vorbeigegangen waren ohne ihn eines Blicks zu würdigen, stehen jetzt Schlange, um ihm Glück zu wünschen und ihn um Rat zu fragen, so als verliehe plötzliche Berühmtheit tiefe Einsichten. Und er zieht nicht nur viele an, die ihm Glück wünschen, sondern auch etliche perverse Menschen, Exhibitionisten, Idioten. Das ist in der Welt von heute der Preis der Berühmtheit. Ich wollte über ein sehr ernstes Thema schreiben, aber auf witzige und unterhaltsame Weise. Ich wollte ein Buch schreiben, das Menschen wie Aidan selbst gern lesen würden. Er wurde sehr real für mich in den zwei Jahren, die es dauerte, über ihn zu schreiben. Deshalb fühlte ich mich auch so verantwortlich für ihn – ich erzählte seine Geschichte, und da konnte ihn doch nicht im Stich lassen, indem ich etwas tat oder sagte, das nicht stimmte.
Die beste Entscheidung meines Lebens traf ich vor zehn Jahren, als ich Vater wurde. Viele Jahre lang hatte ich gesagt, ich wollte nie Kinder haben. Ich kann mir ein Leben ohne meine Tochter überhaupt nicht mehr vorstellen. Es hat mir gezeigt, was im Leben wirklich wichtig ist, und ich bin demütig und ängstlich und gleichzeitig stolz und glücklich. In dem Buch ‚Four Fathers’ habe ich über meine Beziehung zu ihr und zu meinem Vater geschrieben. Ich hoffe, sie wird verstehen, wie es mir mit ihr geht, wenn sie das Buch liest.
Helden sind für mich Menschen, die Kompromisse ablehnen und die den Mut haben – und den Glauben –, für ihre Prinzipien um jeden Preis einzustehen. Held ist nicht gleichzusetzen mit Gewinner, viele der größten Helden waren sogar Verlierer. Aber viele Gewinner sind langweilig, während wahre Helden Menschen über lange Zeit hin anregen können, selbst wenn sie nicht das erreichten, was sie sich vorgenommen hatten.
… Einer meiner großen Helden ist Paul Robeson, ein schwarzer Amerikaner, ein Sänger und Aktivist. Er war ein warmherziger, inspirierender Mensch und hatte eine wundervolle Baritonstimme. Es gibt eine Geschichte, die oft von ihm erzählt wird und die ich gern glauben will, obwohl sie fast zu gut ist, um wahr zu sein. Im Spanischen Bürgerkrieg besuchte er die Front, um vor den Republikanischen Truppen zu singen.
Aber als er sang, unterbrachen beide Seiten, Republikaner und Nationalisten, ihren Kampf, um ihm zuzuhören. In den fünfziger Jahren zwang man ihn, vor Senator McCarthy und dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe zu erscheinen. Er verweigerte die Preisgabe irgendwelcher Namen, obwohl er wusste, dass damit seine Karriere ein Ende haben könnte. Er fand es notwendig, ein Beispiel zu geben, das war ihm wichtiger als der eigene Lebensunterhalt. Man nahm ihm seinen Pass ab, und er durfte viele Jahre lang nicht vor Publikum auftreten und singen. Aber er war gewillt, das alles auf sich zu nehmen.
… In Wales galt er als einer der ganz großen Helden. 1938 hatte er dort einen Film gedreht, “Proud Valley”. Damals kam er den Menschen vor Ort sehr nahe – sie vergaßen ihn nie. Jedes Mal wenn ich ihn ‚I Dreamed I Saw Joe Hill Last Night’ singen höre, bekomme ich Gänsehaut. Ich nahm in mein erstes Buch ‚The Red Jag & other stories’ eine Geschichte auf, die ich ‚I Dreamed I Saw Joe Hill Last Night’ nenne und die von einem zweitklassigen walischen Kabarettsänger handelt, dessen Held Paul Robeson war. Sie zeigt, wie inspirierend er war, aber auch wie verletzt und einsam. Dem enormen Druck standzuhalten und die Menschen nicht im Stich zu lassen, das war teuer erkauft.
Die originellste Protestaktion, von der ich gehört habe, fand vor einigen Jahren in Argentinien statt. Frauen, deren hoch verschuldete Farmen versteigert werden sollten, konnten das verhindern, indem sie die Auktionen stürmten und so lange lauthals die Nationalhymne sangen, bis die Auktion abgebrochen wurde. Bei manchen Gelegenheiten und um noch größere Verwirrung zu stiften, sangen sie rückwärts. Solch schöpferischer Erfindungsgeist verdient unseren Beifall – man sollte ein Musical daraus machen!
Demnächst beende ich meinen dritten Roman ‚Welcome To The Reservation’. Meine Agentin umschreibt ihn als einen Western. Das fand ich zunächst sehr komisch, aber ich weiß, was sie meint. Der Roman beginnt damit, dass ein großer, dunkler, mysteriöser Fremder in die Stadt kommt. Der Fremde ist ein
Native American, und die Stadt liegt in den Welsh Valleys, einer Abstimmung zufolge der übelste Ort von ganz Wales. Der Fremde ist gekommen, um die Einheimischen zu Aktionen anzuregen, sie sollen eine heilige Stätte vor der Zerstörung retten. Nur haben sich die Menschen so weit von ihrem kulturellen Erbe entfernt, dass ihnen nicht einmal bewusst ist, wie nahe an einer heiligen Stätte sie leben. Ich suche mir immer gern etwas Ungewöhnliches und Unvorhersagbares, worüber ich schreibe. Und wenn möglich bringe ich zwei Kulturen in einer Geschichte zusammen – das finde ich wirklich aufregend.
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