Alexandra Burt ist in Fulda geboren und zog nach einem Studium der Betriebswirtschaft in die USA. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Texas und schreibt auf Englisch. Dies ist ihr erster Roman.

Mehr zur Autorin unter www.alexandraburt.com.

Der richtige Ort: das Schreiben

Ich kneife mich und spüre Schmerz. Es ist alles real: Verträge, Agenten, Verlage, mein erstes Buch. ›Remember Mia‹ erzählt von einem verschwundenen Baby, vom Muttersein, von Fehlern und Einsamkeit. Aber niemand erzählt Geschichten so wie das Leben, und meine eigene Reise an diesen Ort, mein Weg als Autorin war im Grunde mehr als unwahrscheinlich.

Ich wurde in Deutschland geboren, in einer hessischen Kleinstadt. Die Gegend dort ist voller Wälder und Berge – wie aus einem Märchen der Brüder Grimm. Ich war eine leidenschaftliche Leserin, das hatte ich mit meiner (inzwischen verstorbenen) Mutter gemeinsam, und ich möchte gerne von meiner Lieblingserinnnerung an sie erzählen. Es gab keine Buchhandlungen in unserer Stadt und ich war zu klein, um allein mit dem Bus in die nächstgrößere Stadt zu fahren. So ging ich immer in die Bücherei im Untergeschoss des Rathauses. Ich las mich innerhalb weniger Jahre durch den gesamten Bücherbestand und von da an war ich abhängig von den Büchern der Menschen um mich herum. Oft sah ich meiner Mutter, die genauso gerne las wie ich, beim Lesen zu und wartete ungeduldig darauf, dass sie endlich ausgelesen hatte. Beeil dich, lies schneller, wie lange brauchst du noch, bist du bald fertig, sagte ich zu ihr. Eines Tages hatte sie mein Drängeln satt, nahm ein Taschenbuch und riss es entzwei. Sie gab mir die erste Hälfte und las in der zweiten weiter. Endlich hatten wir unser Dilemma gelöst und von da an waren unsere Regale voller zerrissener Bücher. Viele Besucher unserer Wohnung, die verstohlen unsere Bücherregale betrachteten, dachten wahrscheinlich, dass die Buchrücken von uns mutwilligen Kindern oder von Haustieren zerstört wurden. Wir haben nie jemandem erzählt, was es wirklich damit auf sich hatte.

Ich habe Englisch in der Schule gelernt und im Gymnasium ein paar englische Klassiker gelesen, aber sonst immer auf Deutsch gelesen. Als ich nach Texas zog, habe ich als freiberufliche Übersetzerin gearbeitet und angefangen, englische Romane zu lesen. Ich wollte literarische Übersetzerin werden, aber daraus wurde nichts, und so beschloss ich, selbst zu schreiben. Ich besuchte Kurse in Creative Writing und veröffentlichte schließlich ein paar Kurzgeschichten.

Doch bis dahin vergingen mehrere Jahre, schwierige Jahre. Sie waren nicht einfach, weil ich meine Tage mit Konzepten verbrachte, die ich nicht wirklich verstand; es gab ganz pragmatische Dinge wie die Handlung, die Geschwindigkeit und die Perspektive, aber auch schwer fassbare Dinge wie die Erzählstimme, Stimmung und Atmosphäre oder der Erzählton, und vieles ergab nicht ohne weiteres Sinn.   

Mein Weg zur Autorin war, so unwahrscheinlich das auch klingen mag, vorprogrammiert. Ich liebe die englische Sprache und das, was Dorothy L. Sayers ihre »trügerische Einfachheit« nannte. Ich erinnere mich ganz genau an die Nacht, in der ich anfing,  ›Remember Mia‹ zu schreiben. Ich erinnere mich, wie ich auf die Idee von einer Frau kam, die mit einer postpartalen Depression kämpft und von einem Psychiater dazu gebracht wird, das Verschwinden ihres Babys aufzuklären, die Geschichte einer Mutterschaft und von Fehlern und Einsamkeit, und es fühlte sich an wie nach Hause zu kommen.

Ich habe schon an vielen Orten gelebt, aber als ich anfing zu schreiben, wusste ich, dass das mein Zuhause ist. Genau das will ich tun, für den Rest meines Lebens. Ich werde hier bleiben, dies ist der richtige Ort für mich: das Schreiben.

Alexandra Burt

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