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Almud Kunert

Almud Kunert ist seit ihrem Studium der Malerei und Grafik freie Illustratorin. Für die Reihe Hanser hat sie Gedichte illustriert, darunter Manfred Mais Buch ›Es hüpft in meinem Kopf herum‹ (dtv 62313).

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Interview

Die Illustratorin Almud Kunert im Interview mit Susanne Krones / dtv

Gedichte für Kinder hat Manfred Mai in ›Es hüpft in meinem Kopf herum‹ gesammelt, Sie haben seine Sammlung illustriert. Welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht: Kann man Gedichte zeichnen?

Bilder für Gedichte zu finden, ist nicht ganz einfach. Gedichte lassen sehr viel offen, und meist ist sehr viel Aussage in sehr kurze Worte gefasst. Schwierig war, diesen kompakten Inhalt eines Gedichts in einem einzigen Bild sichtbar oder fühlbar zu machen ... Jedes Gedicht spricht von wieder einer anderen Welt, von anderen Gefühlen, ein ganzes Buch voller solcher Welten zeichnerisch zu »durchhüpfen«, das ist anstrengend, aber sehr abwechslungsreich und spannend. Da passiert es schon, dass mir gar nichts einfällt, und ich ein Gedicht länger in meinem Kopf »hin- und herhüpfen« lassen muss. Da hilft nur arbeiten, viel zeichnen, Entwürfe machen, das widerspenstig »weghüpfende« Gedicht vorerst beiseite lassen, einen Spaziergang machen, an Anderes denken, irgendwann taucht meist doch etwas auf.

Ihre Bilder illustrieren die Gedichte nicht nur, sie geben ihnen oft eine zweite Ebene – etwa wenn Sie bei »Ich träume mir ein Land« von Erika Krause-Gebauer um die Idylle des Gedichts die Schattenseiten der Wirklichkeit ins Bild holen. War es besonders reizvoll, auf die Suche nach dem zu gehen, was unausgesprochen hinter den Gedichten liegt?

Das kommt darauf an. Es kann auch sinnvoll sein, ein Gedicht mit einem ähnlichen, die Atmosphäre verstärkenden Bild zu begleiten. Aber wie sollte das Land in diesem Gedicht aussehen? Jeder hat da sein eigenes Land. Soll ich da meine Vorstellung zeigen? Da würde ich dem Gedicht und dem Leser etwas versperren. Mit der in dieser Illustration dargestellten tristen Welt dränge ich den Betrachter zwar im ersten Moment in eine unangenehme Alltags-Befindlichkeit, die jeder kennt, die man gerne schnell verlassen möchte, auch beim Betrachten der Zeichnung, aber dann merkt der Betrachter: Man kann »was machen«, es gibt einen Ausweg: Das Gedicht tröstet.

Die Bilder in ›Es hüpft in meinem Kopf herum‹ kommen mit zwei Farben aus, rot und blau. Ist es eine besondere Herausforderung, zweifarbig zu zeichnen?

Der Farbvorschlag kam ursprünglich vom Verlag, von Gabriele Leja, der Programmleiterin der Reihe Hanser. Ich finde, dass diese Reduzierung gerade zu Gedichten sehr gut passt. Ich fing an, grafischer zu denken, weniger in malerischen Nuancen. Es musste alles ein wenig kontrastreicher werden. Und genau das passiert ja auch in den Gedichten: Durch die erzählerische Verkürzung entstehen starke Kontraste. Durch die Farb-Reduzierung wird dieser Eindruck noch betont, und die Bilder wirken trotzdem sehr lebhaft und leicht.

Gedichte von Bertolt Brecht, Erich Fried, Josef Guggenmos, Peter Härtling, Heinrich Heine, Ernst Jandl, Günter Kunert, Peter Maiwald, Jutta Richter, Joachim Ringelnatz und vielen anderen hat Manfred Mai in seiner Auswahl versammelt. Ist Ihnen eines der Gedichte als Ohrwurm im Kopf geblieben?

Das Gedicht vom Reh aus Gips, es heißt ›Im Park‹, ist von Joachim Ringelnatz und fängt eine bekannte Erfahrung ein: Eine Sache fasziniert, und bei näherer Betrachtung erweist sie sich leider doch nur aus Gips. Welche Ernüchterung. Im wahrsten Sinne des Wortes: Man war nicht ganz in der Lage, wie der betrunkene Herr in meinem Bild, die Sache richtig zu beurteilen ... dann bleibt nichts anderes übrig als »stipsen« zu gehen (und viel »gestipst« haben heißt dann: Lebenserfahrung) … So lacht man mit dem Gedicht ein bisschen über sich selbst.

Sie haben an der Akademie der Bildenden Künste in München Malerei und Grafik studiert. Wie viel am Zeichnen kann man tatsächlich lernen, wie viel ist Talent?

Wer kein Talent oder keine Neigung zum Zeichnen hat, der fängt das Zeichnen gar nicht an. Das heißt nicht, dass es dann leichter wäre. Man muss das, was man sich vorstellt ja auch realisieren können, und das ist dann noch sehr viel Arbeit. Leider beschränkt sich die Vorstellung nicht nur auf das, was einem leicht fällt. Allerdings wachsen mit den größer werdenden Fähigkeiten auch die Ansprüche, und so ist man nie fertig mit dem Lernen und Arbeiten, und irgendwie immer ein bisschen unzufrieden.

Erinnern Sie sich an Ihre ersten Bilder? Was hat Zeichnen in ihrer Kindheit für Sie bedeutet?

Ich muss wohl gekritzelt haben, seit ich etwas in der Hand halten kann, daher erinnere ich mich an meine ersten »Werke« nicht mehr. Märchen haben mich als Kind sehr interessiert, und ich weiß, dass es mir geholfen hat, die oft unverstehbaren und äußerst merkwürdigen Geschichten zu verarbeiten, wenn ich gezeichnet habe. Es war für mich eine Art nachzudenken.

Konnten Sie sich damals schon vorstellen, Bilder zum Beruf zu machen? Und haben Sie heute als Illustratorin manchmal Sorge, dass Ihnen die Ideen, die Bilder im Kopf ausgehen könnten – oder ist die Welt voller Inspiration?

Lange Zeit wollte ich ganz andere Berufe lernen, wahrscheinlich, weil das Zeichnen für mich sehr selbstverständlich war. Das Zeichnen hat sich für mich erst später als Möglichkeit erwiesen, verschiedene Interessen miteinander zu verbinden. Die Akademie war dafür ein guter Ort, an dem ich viel Verschiedenes lernen und versuchen konnte. Es gibt so vieles, was ich noch ausprobieren möchte und es gibt noch so viele Geschichten, so gesehen ist die Welt voller Inspiration!

Sind bildende Künstler vor allem Menschen, die gut sehen können?

Es gehört zum Beruf des Künstlers, genauer hinzusehen; die Dinge vor allem anders zu sehen, als man es gewohnt ist, und das für den Betrachter wahrnehmbar zu machen. Vielleicht sollte man eher sagen, es sind vor allem Menschen die »anders« sehen können. Ob es dann gut ist, hängt von der Mischung aus Talent und Intelligenz ab, wie in allen Berufen.

Alle Bücher von Almud Kunert

Ansicht

Zwischen Nacht und Morgen

Eine Feengeschichte

Eine magische Geschichte, die Mut macht. Die Fee Seleja kommt in die Welt der Menschen, um Iris zu helfen.

Erhältlich als: E-Book, Hardcover

Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt

Eine Schreibwerkstatt für Kinder

Dieses Buch erklärt, wie man Geschichten erfindet und aufschreibt. Mit vielen berühmten Beispielen aus der Kinderliteratur.
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Taschenbuch
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Es hüpft in meinem Kopf herum

Gedichte für Kinder

Mit Gedichten ist es schon komisch: Jeder kennt welche, aber viele sagen, sie könnten damit nichts anfangen. Doch die meisten können wir lange, bevor wir überhaupt in die Schule kommen.

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