Portrait des Autors Anton Aschenbrenner

Anton Aschenbrenner

Anton Aschenbrenner, geb. 1962 in der Oberpfalz, studierte Theologie und Philosophie. 1988 wurde er zum Priester geweiht. Er war als Gymnasiallehrer und Jugendseelsorger tätig. 1991 übernahm er seine erste Pfarrei in Niederbayern. 2003 wurde er von der katholischen Kirche suspendiert, seine erste Tochter kam zur Welt. Seit 2004 arbeitet er als freier Theologe. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Waldkirchen.

Interview

Warum wollten Sie Priester werden?

Der Mann am Altar hat mich als Kind total begeistert. Alle hörten ihm zu. Uns holte er zu sich hoch und wir Kinder waren dann im Mittelpunkt der ganzen Gemeinde. Der Mann war ein Vorbild. Solche Priester als Vorbilder habe ich oft erlebt: im Widerstand gegen die WAA, im Einsatz für Weltfrieden, als faire verständnisvolle Lehrer, als Meister der Meditation. Im Gegensatz zur »verlogenen« Politik und einer schwierigen Welt fand ich in Kirchenkreisen Heimat und die Idee, die Welt verbessern zu können.

Wie standen Sie zum Zölibat, bevor Sie Ihre jetzige Frau kennengelernt haben?

Ich war ein sexueller Spätzünder. Mitschülerinnen waren nett, vielleicht auch schön aber irgendwie unerreichbar. Und später wollte ich die Welt retten und meine Zeit nicht mit Flirts vergeuden. Die Zeit war knapp, die Welt schien mir am Abgrund. Kinder hatte die Welt fast zuviel um sie zu ernähren. Echte Helden, die alles geben, zu wenig. Also war klar, wo es lang ging. Dass diese kirchliche Verhaltensvorschrift nichts mit Jesu Idee der Barmherzigkeit zu tun hatte, war mir aber auch klar. Ich sah ja als Student, wie wenig Pfarrer sich daran hielten.

Als Priester eine Liebesbeziehung zu beginnen – geht das so einfach?

Liebe ist eine art schleichende Vergiftung, fast so wie wenn man Alkoholiker wird. Man kommt sich näher und näher, merkt wie gut das ist. Und irgendwann möchte und kann man nicht mehr von einander lassen, möchte immer mehr. Zum Glück zerstört Liebe nur den einen Beruf und nicht die Leber wie der Alkohol oder gar das Gehirn. Aber auch dafür hat es Jahre gedauert. Die Amtskirche duldet ja viel, solange der Laden läuft. Und die Pfarrei lief gut mit ihr an meiner Seite. Meine Frau war evangelisch und sah den Zölibat daher sowieso als sinnlos an. Ihr zählte der Mensch und nicht der Amtsträger. Und sie merkte, dass ich zu ihr stehe.

Was gab den Ausschlag dafür, die Liebe zu einer Frau entgegen der Vorgabe der Kirche zuzulassen?

Als ich Pfarrer wurde hat sich meine Lebenssituation sehr geändert. Statt Idealen der Weltverbesserung ging es nun um die Realität einer Gemeinde mit den Bedürfnissen konkreter Leute vor Ort, die alle in Familien leben. Die ersten drei Jahre haben mich da sehr geerdet zumal ich auf einem Bauernhof lebte, wo man dank meinem alten Vorgänger im Pfarramt sehr kritisch mit dieser weltfernen Regelung umging. Und am Gymnasium, wo ich unterrichtete wurde die Regel genauso ständig hinterfragt, für die ich auch keine logische Begründung hatte. Die innere Leere war der Nährboden für eine Sehnsucht nach Zweisamkeit.

Wie haben Sie als Priester in einem kleinen Dorf Ihre Beziehung gelebt?

Erstaunlicher Weise kann man in so engen Dorfmilieus keine Heimlichkeiten leben, das wäre grotesk. Also machten wir kein Geheimnis draus, zumal ich durch meinen Vorgänger ahnte, dass die Gemeinde kein Problem mit einer Partnerin des Pfarrers hat. Wir waren überall gemeinsam eingeladen und gern gesehen – nicht zuletzt bei vielen Hochzeitsbällen am Samstagabend.

Hatten Sie Gewissensbisse?

Nein. Oder ein bisschen der Gemeinde gegenüber: Ihr wollte ich beweisen, dass diese Frau nicht nur für mich, sondern auch für den Ort ein Mehrwert ist. Gott ist die Liebe – er hat sich sicher über uns gefreut – oder war in uns erfahrbar.

Was hätten Sie sich von der Kirche gewünscht bzw. würden Sie sich noch von der Kirche wünschen?

Ich wünschte eine Kirche, die weniger von Gesetzen her denkt, sondern vom Menschen her und auf ihn zu. So wie Jesus, der fragt: »Was kann ich dir Gutes tun?« oder der zur Sünderin sagt: »Auch ich verurteile dich nicht!« Paulus spricht von den Charismen, den Gnadengaben in der Kirche. Eine Kirche also, die Charme und Leichtigkeit zeigt, mit einem frohen Herzen, das hilft statt schilt. Klar braucht es auch eine Kirche, die mahnt, allerdings dort, wo es Not tut: Wo Menschen leiden und nicht, wo sie lieben.

Das Interview führte Marianne Bohl, dtv

Alle Bücher von Anton Aschenbrenner

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Anton Aschenbrenner

Ich liebe Gott (und eine Frau)

Ein Ex-Pfarrer erzählt

Anton Aschenbrenner hat sich bei der wahl zwischen Kirche und Familie für Frau und Kind entschieden.

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