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Bernhard Hagemann

Bernhard Hagemann ist 1956 in Bad Reichenhall geboren und im Chiemgau aufgewachsen. Nach kurzen Assistenzen bei verschiedenen Fotografen, arbeitet er seit 1982 freischaffend. Seit 1992 schreibt er auch für Kinder. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. Bei dtv junior ist er bereits mit mehreren Geschichten in verschiedenen Anthologien vertreten.

Interview

DIE PIZZA-STUDIE
Die Pisa-Studie kennt jeder, die Pizza-Studie nicht. Aber wenn ein Buch schon Pizza-Orakel heißt, dann spielt die italienische Leibspeise sicher eine Hauptrolle oder ist womöglich schuld an einem Zum-Verschlingen-Kinder-Krimi?
dtv junior hat nachgefragt. Hier bekommt ihr die Antwort serviert: Pizza-Deutung in Wort und Bild, original von Bernhard Hagemann – extra für euch!

„Ich wollte mal wieder ein Kinderbuch schreiben. Doch worüber? Ich hatte keine Idee, aber ich hatte Hunger. Der Ort, an dem ich Hunger am besten bekämpfen kann, ist die Pizzeria. Also ging ich dorthin und bestellte eine Pizza Margherita mit Oliven. Und während ich wartete, grübelte ich weiter. Da kam meine Pizza. Sie sah so aus:

(Foto Pizza 1. Mit Oliven, in einer Anordnung, dass man das Wort `ME´ lesen kann)

Messer und Gabel schon in der Hand hielt ich inne. Was war das? Die Oliven waren zu zwei Buchstaben angeordnet. Ein `M´ und ein `E´. Klar, dass ich stutzte (u.U. das Unterstrichene als Bildunterschrift?). Ich las die beiden Buchstaben als Wort. `ME´. Das ist Italienisch und heißt auf deutsch `mich´. Was sollte das bedeuten? War das eine Antwort auf meine Frage? Und überhaupt: Können Pizzas Fragen beantworten? Sollte ich ein Buch über mich schreiben?

Ich bin Bernhard Hagemann, Fotograf und Autor, wohne in der Nähe von München, fahre einen Volvo, habe einen alten Hund, bin 47 Jahre und esse gerne Pizza.

Dass das ein Kinderbuch hergeben würde, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
„Willst du mich auf den Arm nehmen?“, fuhr ich meine Pizza an. Wieder las ich das Wort: `ME´.
Womöglich meinte die Pizza ja sich selbst und wollte mir sagen, dass ich ein Kinderbuch über eine Pizza schreiben sollte. Die Speisekarte immer noch neben mir hatte ich eine Idee. Der Text, der mir zu Pizza einfiel, war ein Unsinn-Wortspiel-Text und ging so:

Pit sah Karl Zone und bekam so einen Artischock, dass ihm das Herz stehen blieb. Denn im Auto von Karl Zone saß Rita Marghe, in die Pit verliebt war. Pit hätte dem Karl Zone am liebsten eine Sardelle ins Autoblech getreten. Stattdessen öffnete er aber die Wagentür und zog Rita Marghe heraus. „Du kommst mit mir!“, sagte Pit streng. „Stellst dich an den Herd und kochst mir was.“
„Lass mich los!“, schimpfte Rita Marghe.
„Ich will nicht an deinen Herd. Sei nicht so ein Anchauvi.“

Damit war das Ende der Speisekarte erreicht. Und das Ende der Geschichte auch, wenn es denn eine sein sollte, was ich ja nicht glaubte: zu viele Wortspiele, die keiner versteht. Nein, so würde das nicht funghionieren.

Am nächsten Tag ging ich wieder in die Pizzeria. Bestellte Pizza Margherita mit Peperoni, Kapern und Ananas. Als die Pizza kam, traute ich meinen Augen nicht. Die Pizza sah nämlich so aus:
(Foto Pizza 2 Mit drei Playmobil-Figuren und einer Schatztruhe)

Auf der Pizza waren drei Playmobil-Männchen und eine Schatztruhe (u.U. das Unterstrichene als Bildunterschrift?). Sofort rief ich Giovanni, den Kellner, und fragte: „Was machen die Figuren auf meiner Pizza?“
„Haben Sie bestellt, Signore! Pizza mit Peperoni, Ananas und Kapern“, sagte Giovanni und zeigte der Reihe nach auf die Figuren. „Das ist Pepe, das ist Ronnie und das ist Anna, aber Anna ist nicht nass. Soll ich die Gießkanne holen?“
„Nein!“, sagte ich. „Keine Gießkanne. Und die Kapern?“ Giovanni öffnete die Schatztruhe. „Prego!“

Tatsächlich! In der Truhe tummelten sich Kapern. Da hörte ich auf zu reklamieren, denn vielleicht wollte mir die Pizza was Interessanteres sagen als nur `ME´. Vielleicht sollte ich ein Buch über drei Kinder schreiben, die einen Schatz finden. Gar nicht mal so schlecht. Aber auf einer Pizza? Nein, das wäre Quatsch. Ich wusste nicht weiter. Zum Trost aß ich meine Pizza. Sie war vorzüglich. Nur die Playmobil-Figuren und die Schatztruhe ließ ich am Tellerrand liegen.

Der nächste Tag brachte eine neue Pizza, das heißt: Giovanni brachte sie mir. Sie sah so aus:
(Foto Pizza 3 5 Figuren, Schatztruhe und Pflanzen)

Darauf waren die schon bekannten Figuren Pepe, Ronnie, und Anna, die Schatztruhe und dazu noch eine dicke Duplo-Figur, ein finsterer Lego-Geselle und ein paar Bäume und Sträucher (u.U. das Unterstrichene auch wieder als Bildunterschrift).
Und da geschah etwas Seltsames mit mir. Ich fragte mich nicht mehr, worüber ich ein Kinderbuch schreiben sollte. Stattdessen machten sich meine Gedanken selbstständig. Plötzlich waren die drei Playmobil-Figuren drei Kinder. Aus Pepe wurde Simon, aus Ronnie wurde Luis und aus Anna wurde Lara. Der dicke Duplo-Mann war ein Privatdetektiv und der Mann mit der Sonnenbrille ein Böser.

Und dann war sie da.

Die Idee
Die Idee für einen richtig guten Kinderkrimi. Ein Kinderkrimi, in dem sich endlich mal ein übergewichtiger, vertrottelter Privatdetektiv die Schulter auskugelt, so dass er ohne die tatkräftige Unterstützung von Lara, Simon und Luis total aufgeschmissen wäre. Er kann ohne die Kinder nicht Autofahren, keine Fremden beobachten und weil er im Kopf nicht ganz helle ist, kann er auch nicht kombinieren. Endlich einmal ein Kinderkrimi, in dem ein Fremder viele Löcher in der Flussau gräbt und in dem das Kennwort `Forelle´ eine Rolle spielt. Habt ihr schon mal so ein Buch gelesen? Nicht? Denk ich mir.
Hier ist es: Das Pizza-Orakel

Was ein Orakel ist? Ein Orakel ist so etwas wie eine Weissagung, Wahrsagung, Zukunftsdeutung. Ich habe die Geschichte Pizza-Orakel genannt, weil mich meine Pizzas auf die Idee zu dem Buch gebracht haben. Weil in dem Buch eine Pizza bei der Aufklärung eines Verbrechens hilft Und weil es das noch nie gegeben hat: ein Kinderbuch, das Pizza-Orakel heißt.

Wer die Geschichte illustriert hat? Philip Waechter natürlich! Denn niemand sonst kann dicke Privatdetektive mit ausgekugelter Schulter so gut zeichnen wie er. Davon solltet ihr euch unbedingt überzeugen – und den Rest selbst nachlesen. Zum Beispiel, was es mit der Bande der Schmittis auf sich hat oder was der geheimnisvolle Löchergräber in der Flussau sucht und in welcher Gefahr sich Lara, Simon und Luis befinden. Denn das alles ist so spannend wie die Peperoni scharf sind!
Bernhard Hagemann

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