Portrait des Autors Daniel Friedrich Sturm

Daniel Friedrich Sturm

Daniel Friedrich Sturm, Dr. phil., geboren 1973, beschreibt seit vielen Jahren als Parlamentskorrespondent von ›Welt‹ und ›Welt am Sonntag‹ das (Innen-)Leben der SPD. Schon in seiner Dissertation befasste er sich mit der Sozialdemokratie. Sie wurde mit dem Willy-Brandt-Preis ausgezeichnet. Weitere Buchveröffentlichung: ›Wohin geht die SPD?‹ (2009).

Interview

Daniel Friedrich Sturm: ›Peer Steinbrück‹


Kann er Kanzler? Daniel Friedrich Sturm zeichnet in seiner Biografie ›Peer Steinbrück‹ ein differenziertes Bild des möglichen SPD-Kanzlerkandidaten. Im Gespräch mit dtv online beschreibt der ›Welt‹-Parlamentskorrespondent Sturm Steinbrück in drei Sätzen, spricht über die Entstehung des Buches und die Bedeutung der Kindheit für eine Politikerkarriere.


Wer ist Peer Steinbrück? Beschreiben Sie ihn in drei Sätzen!

Peer Steinbrück ist ein hoch intelligenter, origineller Mann mit Ecken und Kanten, kurzum: ein Typ. Er begeistert mit breit gefächerter Bildung, Humor und seinem Spaß an der deutschen Sprache. Zuweilen macht er fassungslos, etwa wenn er enge Verbündete brüskiert und Wohlmeinende vor den Kopf stößt.

Wie und wann entstand die Idee zu der Biografie?

Die Idee entstand im Herbst 2010, also bevor die Debatte begann, ob Peer Steinbrück Kanzlerkandidat der SPD wird. Im Sommer 2011 haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Sie erzählen erstmals von Steinbrücks Kindheit und Jugend. Er selber meint, dass es niemanden interessiere, »wie ich in kurzen Hosen durch die Gegend gelaufen bin oder wie meine Mutter Stullen geschmiert hat« …

Jeder Mensch wird durch die eigene Kindheit geprägt, von Elternhaus und Schule – ob er es will oder nicht. Steinbrücks mütterlichen Stullen habe ich mich weniger gewidmet, dafür ausführlich und ergiebig seiner mittelmäßigen Schulkarriere. Über seine zwei »Ehrenrunden«, die Fünf in Mathematik und diverse Schulwechsel spricht auch der mittlerweile 65-Jährige nur selten und eher ungern.

Was sagt es über den Politiker Steinbrück aus, dass er als Kind kein Anführer war, sondern eher in der zweiten Reihe stand?

Es korrigiert zumindest das Klischee, dass Spitzenpolitiker schon immer Klassensprecher waren und ihre Mitschüler anführten. Für Steinbrück gilt all das nicht, vielleicht lag das an seinen suboptimalen Schulnoten. Was mich irritiert: Ehrenrunden sind doch nicht ehrenrührig! Andere Sozialdemokraten würden aus der Schwäche in jungen Jahren eine Stärke machen – und sagen: Seht her, wie ich mich durchgebissen habe!

Nach Hunderten Gesprächen mit Weggefährten, (Partei-)Freunden, aber auch Widersachern zeichnen Sie ein sehr facettenreiches Bild der Person Steinbrück. Ist es für Sie stimmig?

Ja, auch wenn es Widersprüche offenbart. So geriert sich Steinbrück immer als der kühle, rationale Mann, dem Emotionen zuwider sind. Dabei argumentiert und agiert er zuweilen alles andere als rational. Hoch emotional attackiert er Parteifreunde oder erniedrigt zuweilen Mitstreiter, um sich selbst zu erhöhen. Und manche politische 180-Grad-Wende hat er auch schon vollzogen. Denken Sie nur an das Thema Finanzmarkt: Erst dereguliert er, nun will Steinbrück regulieren.

Aber haben Sie nicht doch manchmal mehr über den jeweiligen Interviewpartner erfahren als über Steinbrück?

Im Mittelpunkt stand stets Steinbrück. Und es ist für den Leser interessant, glaube ich, zu lesen, wie Schulfreunde, Uni-Dozenten, »frühe« Kollegen, Untergebene und Kabinettskollegen ihn sehen. Und was etwa Roland Koch oder Gerhard Schröder über ihn sagen.

Letzterem entlockten Sie als Erster die Aussage, dass er Steinbrück gerne als Kanzlerkandidaten sehen würde. Wie ist Ihnen das gelungen?

(Sturm lacht) Durch kluge Fragen und Nachfragen!

Auch Steinbrück stand Rede und Antwort. Haben Sie ihm das Buch vorab gezeigt?

Nein. Es handelt sich auch weder um eine Auftragsarbeit noch um eine autorisierte Biografie. Es ist ein unabhängiges, journalistisches Projekt, garniert mit etwas Zeitgeschichte.

Und gefällt ihm das Ergebnis?

Das müssen Sie ihn selbst fragen. Viele Gesprächspartner haben mir aber inzwischen gesagt oder geschrieben, für wie fundiert und zutreffend sie die Biografie halten.

Als er 2002 zum Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen gewählt wurde, glaubte Steinbrück eine Mischung aus »Tarzan, Einstein und Inge Meysel« abgeben zu müssen. Wie müsste er als Kanzler sein?

So verlässlich wie Frank-Walter Steinmeier, so geschickt der SPD gegenüber wie Sigmar Gabriel und so sympathisch wie Angela Merkel.

Steinbrück bezeichnet die SPD als »das bequeme, heimische Sofa voller Katzenhaare, Brandlöcher und Rotwein-Flecken«. Wie sehen Sie ihn in Bezug zu seiner Partei und als möglichen Kanzlerkandidaten?

Er muss der SPD und ihren Funktionären und Mitgliedern zeigen, dass er ihre Art zu arbeiten, schätzt. Nicht jeder kann, soll und muss so intelligent sein wie Peer Steinbrück. Und man kann auch mit einer anderen Attitüde als er Politik machen. Schnoddrigkeit ist kein Grundwert der SPD.

Sehen Sie Steinbrück nach der Arbeit an diesem Buch eher mehr oder eher weniger als Bundeskanzler?

Ich weiß es nicht … da bin ich unschlüssig.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Wie sich Steinbrück zuweilen selbst am meisten schadet. Als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat er sich fast täglich mit seinen grünen Koalitionspartnern gefetzt. Das zeigt die unpolitische und ungeschickte Seite Peer Steinbrücks.

Sie sind Parlamentskorrespondent der ›Welt‹ und der ›Welt am Sonntag‹ und beschäftigen sich nach Ihrem ersten Buch ›Wohin geht die SPD?‹ nun wieder mit einem Sozialdemokraten. Gehören Sie eigentlich einer Partei an?

Nein. Als politischer Redakteur verbietet sich das in meinen Augen.

Das Interview führte Tina Rausch, freie Journalistin

Alle Bücher von Daniel Friedrich Sturm

2 Titel
Ansicht
Christoph Hickmann, Daniel Friedrich Sturm

Sigmar Gabriel

Patron und Provokateur

Er kann begeistern, mitreißen, überzeugen – aber auch befremden, frustrieren, verstören. Wer ist dieser Mann, für den die SPD zur Ersatzfamilie und die Politik zum Lebensinhalt wurde?
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Daniel Friedrich Sturm

Peer Steinbrück

Biografie

Am 22. September 2013 findet die Wahl zum 18. deutschen Bundestag statt. Da entscheiden die Deutschen, wer sie künftig regieren wird.

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