Portrait des Autors David Abbott

David Abbott

David Abbott wurde 1938 in London geboren und galt jahrelang als einer der bedeutendsten Experten der Werbebranche. Nach diversen Firmengründungen und einigen Jahren in New York gründete er ›Abbott Mead Vickers‹, eine der einflussreichsten englischen Werbeagenturen, die unter anderem Volvo und Chivas Regal betreute. In Anerkennung für sein Lebenswerk als Kreativer wurde David Abbott 2001 in die Creative Hall of Fame des ›The One Club‹ aufgenommen. ›Die späte Ernte des Henry Cage‹ war sein erster und einziger Roman und fand auf Anhieb internationale Anerkennung. David Abbott starb am 17. Mai 2014.

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Lesung: David Abbott

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dtv Bücher-Podcast: Die späte Ernte des Henry Cage

Interview

1. Wie sieht Ihre tägliche Routine beim Schreiben aus?

An jedem Werktag verlasse ich um acht Uhr morgens mein Zuhause und spaziere zu einer kleinen Wohnung, die mir als Büro dient. Sie liegt am Sloane Square ungefähr fünfzehn Minuten von zu Hause. Auf dem Weg dorthin gehe ich in ein Café um zu frühstücken. Dort verbringe ich ungefähr eine Dreiviertelstunde, und zwar immer mit einem Buch zum Lesen. Normalerweise sitze ich um Viertel nach neun an meinem Schreibtisch, rechtzeitig, um aus dem Fenster zu gucken, die Pflanzen in meinem winzigen Garten zu wässern, meine E-Mails durchzusehen, um meine Schuhe zu putzen, meinen Müll rauszutragen, ein paar Freunde anzurufen, ein Restaurant für den Lunch auszusuchen, meine Bücherregale zu durchstöbern und die Decke anzugucken – um mithin alles mögliche zu tun, womit sich das Schreiben hinauszögern lässt. Um etwa elf Uhr wird mein Schuldgefühl so stark, dass ich mich bis zum Lunch mit meinem Buch beschäftige. Normalerweise überarbeite ich das, was ich am Vortag geschrieben habe. Nachmittags schreibe ich bis um sechs Uhr, und dann gehe ich nach Hause. Nicht sehr aufregend.

2. Haben Sie irgendwelche festen Schreibgewohnheiten?

Wenn ich mit der Hand schreibe, dann benutze ich immer einen Artline 200 Fine 0.4 Pentel und immer blaue Tinte. Mit schwarzer Tinte kann ich nicht schreiben. Ich finde sie abstoßend. Auf dem Papier sehen Worte damit wie tot aus.

3. Schreiben Sie von Hand?

Wenn ich eine Szene entwerfe und nicht sicher bin, ob sie gelingt, ja. Auch in Hefte und wenn ich im Garten oder am Strand oder im Flugzeug schreibe. Wenn ich nicht mehr weiterkomme, tausche ich sogar in meinem Büro manchmal den Mac gegen Papier, denn dieser Wechsel kann für den Verstand oft sehr befreiend sein.

4. Was wollten Sie als Kind von Beruf werden?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich mich für irgendetwas begeistert hätte. Als ich zum Studium nach Oxford kam, hatte ich immer noch keine Ahnung. Ich studierte Geschichte, und ich nehme mal an, dass ich irgendwie beim Unterrichten gelandet wäre, wenn mein Vater nicht gestorben wäre, als ich im zweiten Semester war. Und so musste ich mir einen Job besorgen, und zufällig entdeckte ich, dass es eine Industrie mit der Bezeichnung ›Werbung‹ gab und dort einen Beruf namens ›Texter‹. Es hat sechs Monate gedauert bis ich da irgendwie hereinkam, aber nachdem ich drin war, habe ich vierzig Jahre lang als Texter gearbeitet.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich habe mich 1998, zwei Tage vor meinem sechzigsten Geburtstag, aus der Werbebranche zurückgezogen. In meiner Abschiedsrede habe ich vorschnell gesagt, dass ich unter anderem vielleicht versuchen würde, einen Roman zu schreiben. Doch um ehrlich zu sein, hatte das Schreiben nach vierzig Jahren Termindruck keine Priorität für mich, und ich habe mich in andere Projekte gestürzt. Auf dem Land habe ich eine alte Scheune umgebaut. Ich habe einen Garten angelegt. Meine Projekte waren physischer, nicht literarischer Natur. An dem Buch habe ich nur gearbeitet, wenn ich nicht gerade mit etwas anderem beschäftigt war. Die Jahre vergingen, und der Papierstapel wuchs, wenn auch langsam. Das Buch mit einer Länge von 63 000 Wörtern war im Sommer 2008 fertig. Das ergibt einen Durchschnitt von 146 Wörtern pro Woche, nicht gerade viel. (Einen Hinweis für den Verlag: Das nächste Buch kommt schneller.)

6. Welcher Autor/welches Buch hat Sie am meisten beeinflusst?

Ich mag so viele Schriftsteller, dass es für mich unmöglich ist, mich nur auf einen einzigen zu beschränken. Hier sind sechs Bücher, die mir sehr viel bedeuten: ›Light Years‹ von James Salter, ›The End of the Affair‹ von Graham Greene, ›The Sword of Honour Trilogy‹ von Evelyn Waugh, ›The Balkans Trilogy‹ von Olivia Manning, ›The Chateau‹ von William Maxwell und ›Home‹ von Marilynne Robinson. In meinem Roman teilt Henry Cage meine Begeisterung für Salter und Maxwell.

7. Welcher Autor harrt noch der Entdeckung?

Bei nyrb classics gibt es einen Roman mit dem Titel ›Stoner‹ von John Williams, der niemandem mit Verstand (oder Gefühl) entgehen sollte. Es fehlen Attribute um ihn angemessen zu beschreiben. Bitte, bitte lesen Sie ihn.

8. Welches Buch hat Sie in jüngster Zeit begeistert?

›The Last Talk with Lola Faye‹ von Thomas H. Cook. Von der Typographie sagt man, dass sie dann am besten ist, wenn sie dem Leser nicht auffällt. Und das gilt auch für den Aufbau von Romanen. Dieses Buch ist meisterhaft geschrieben, aber die Kunstfertigkeit wirkt mühelos. Eine wunderbare Lektüre mit einem tiefgreifenden und überraschenden Schluss.

9. Welchen Autor oder welches Buch würden Sie unbedingt noch lesen wollen?

Ich hoffe, dass jemand in einer verstaubten Schublade in den Redaktionsräumen des New Yorker ein noch unveröffentlichtes Meisterwerk des verstorbenen William Maxwell entdeckt.

10. Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich erfreue mich an der Lektüre von ›Art and Madness‹ von Ann Roiphe. Der Untertitel lautet: ›A Memoir of Lust without Reason‹. Es geht um die Geschichte eines Teenagers im New York der Fünfziger und Sechziger Jahre. Freimütig, charmant, weise und sehr empfehlenswert.

11. Wo lesen Sie am liebsten?

An einem Einzeltisch, und zwar in einem Restaurant, in dem die Tische weit auseinander stehen. Ich frage immer nach einer weiteren Gabel, die ich dann über die offenen Buchseiten legen kann, damit sie nicht verblättern. Auf diese Weise kann ich gleichzeitig lesen und essen. Ich passe immer auf, dass kein Essen an die Seiten kommt, doch gelegentlich nehme ich ein Buch aus dem Regal und finde einen Croissantkrümel zwischen den Seiten.

12. Wann legen Sie ein Buch zur Seite?

Wenn im Sommer im Garten die Sonne scheint, wenn meine Frau, oder Kind oder Enkelkind etwas von mir wollen, wenn ich höre, wie ein Korken gezogen wird und wenn der Schlaf kommt.

Bücher des Autors

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David Abbott

Die späte Ernte des Henry Cage

»Ein Glücksfall für uns Leser!« Peter Henning auf ›Spiegel Online Kultur‹

Erhältlich als: Taschenbuch, E-Book
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