Portrait des Autors Diane Brasseur

Diane Brasseur

Diane Brasseur, 1980 geboren, ist in Straßburg aufgewachsen und hat einen Teil ihrer Schulzeit in Großbritannien verbracht. Nach ihrem Filmstudium in Paris begann sie als Script Supervisor zu arbeiten, unter anderem für bekannte Regisseure wie Albert Dupontel und Olivier Marchal. Diane Brasseur lebt in Paris.

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Diane Brasseur: Der Preis der Treue
Die Geschichte einer Dreiecksbeziehung aus der Perspektive eines vierundfünfzigjährigen Mannes - gefühlvoll und menschlich!
 
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Diane Brasseur

Der Preis der Treue‹ ist der Debüroman der französischen Schriftstellerin Diane Brasseur – und sogleich die brilliante Momentaufnahme eines emotionalen Themas: Untreue. Der Roman gibt den inneren Monolog eines 54-jährigen, verheirateten Anwalts wieder, der sich in die deutlich jüngere Alix verliebt hat.

Frau Brasseur, wie würden Sie das Buch in einem Satz zusammenfassen?

Es ist die Geschichte eines Mannes, der zwei Frauen liebt, aber Liebe ist es trotzdem.

Wie ist es Ihnen gelungen, sich in einen Mann hineinzuversetzen, der zudem deutlich älter ist als Sie?

Es ist typisch weiblich, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, auch in Männer. Wir tun es immerzu. Das war also nicht allzu schwer. Eine größere Herausforderung war der Altersunterschied. Mein Erzähler ist zwanzig Jahre älter als ich, und ich wollte nicht, dass er unreif wirkt.

Das Verstreichen der Zeit beschäftigt uns alle, sogar ganz junge Leute. Was das Verhältnis des Protagonisten zur Zeit angeht, habe ich mich bemüht, möglichst realistisch zu sein, und wenn ich etwas nicht wusste, habe ich es als Frage formuliert, wie zum Beispiel hier: »… mein Alter macht mir nicht zu schaffen, jedenfalls bisher nicht. Die einzige Frage, die ich mir im Laufe der Jahre immer wieder gestellt habe, lautet: ›Womit ist es jetzt endgültig vorbei?‹«

In dem Roman gibt es eine Menge Fragezeichen, das ist gewollt, denn ich bin davon überzeugt, dass Fragen wichtiger sind als Antworten.

Der Protagonist verletzt beide: seine Frau, indem er sie betrügt, und Alix, weil er seine Ehefrau nicht verlässt. Seine Frau weiß nicht einmal, dass er sie betrügt, und Alix ist sehr geduldig. Warum zieht er sich also plötzlich in sein Arbeitszimmer zurück, um nachzudenken?

Mein Erzähler ist in einer schwierigen Lage, weil es nicht seine Art ist, seine Frau zu betrügen. Ab dem ersten Kapitel macht er sich mehrmals täglich bewusst, dass er fremdgeht, er sagt laut, dass er untreu ist, um sich selbst davon zu überzeugen. Er fühlt sich nicht wohl mit seinem Doppelleben, das geht sogar so weit, dass er nicht mehr weiß, wen er eigentlich mit wem betrügt.

Dieser Mann liebt seine Frau und das Familienleben, er steigt gern am Freitagabend ins Flugzeug nach Marseille, er begleitet seine vierzehnjährige Tochter gern zu ihren Reitturnieren.

Dieser Mann liebt aber auch seine Geliebte, und vor allem ist ihm Treue wichtig. Ein einziges Mal spricht er mit Alix, seiner Geliebten, über ihre Situation. Innerhalb eines Jahres ist das sehr wenig. Und genau deshalb kommt es überhaupt zu diesem inneren Monolog. Der Mann zieht sich ein paar Stunden, bevor er mit seiner Familie über Weihnachten nach New York fliegt, in sein Arbeitszimmer zurück, um eine Entscheidung zu treffen: Soll ich meine Frau oder meine Geliebte verlassen?

Er hat Angst: »Worauf warte ich? Dass mir die Entscheidung abgenommen wird? Oder dass es mit einem Drama endet?« Weil er selbst nicht redet, verbringt er viel Zeit damit, sich zu fragen, was in den Köpfen der anderen vorgeht – im Kopf seiner Geliebten, seiner Frau, seiner Tochter, seines Vaters. Das kann natürlich widersprüchlich wirken, und darum habe ich diesen Mann auch mit seinen Widersprüchen konfrontiert. Er stellt sich vor, wie seine Tochter ihm in zehn Jahren im Restaurant verkündet, dass sie in einen verheirateten Mann verliebt ist. Was könnte er seiner Tochter sagen, ausgerechnet er, der doch selbst Alix und seine Frau in eine solche Situation bringt? Was würde er von einem Mann halten, der so etwas seiner Tochter zumutet?

Der Protagonist erwähnt, wie gern er den Vornamen Alix ausspricht. Tatsächlich ist es der einzige Name, den der Leser erfährt. Warum gerade der Name der Geliebten?

Am Anfang war Alix namenlos. Ich habe den ganzen Roman geschrieben und ihren Namen immer durch ein X ersetzt. Dieser Buchstabe, der für Anonymität, aber auch für Pornographie und das Unbekannte steht, hat mir gefallen. Die ganze Melodie des Romans basiert auf dem Buchstaben X, und selbst als ich das Manuskript im Verlag abgegeben habe, war Alix noch X. Bestimmt hatte ich das Bedürfnis, dieser Figur nicht gleich einen Namen zu geben, um Distanz zu schaffen.

Eines Tages habe ich dann die Schauspielerin Emmanuelle Devos im Radio erzählen hören, die letzte Rolle, die sie in einem Kinofilm gespielt habe, sei die einer gewissen Alix gewesen. Mir war sofort klar: Das ist genau der richtige Vorname. Vor jedes X fügte ich »Ali« ein, und alles griff ganz wunderbar ineinander. Der Satz: »Das X ist der Buchstabe von Alix’ Namen, den ich am liebsten mag«, ist eine Hommage an diesen Buchstaben, der mich beim Schreiben begleitet hat und den ich schließlich fallen gelassen habe. Normalerweise wird die Geliebte geheim gehalten. Ich finde es interessant, dass in ›Der Preis der Treue‹ gerade sie die Einzige ist, die einen Namen trägt.

Welcher Satz aus dem Roman ist Ihr Lieblingssatz?

Ich liebe meine Frau und war nicht unglücklich, als ich Alix kennenlernte.

Das Interview führte Patricia Breu / dtv, aus dem Französischen von Bettina Bach

NEWS

dtv in den Medien
22.06.2015
Jetzt nachhören: ›Der Preis der Treue‹ von Diane Brasseur auf Radio SRF1
Am 21. Juni 2015 wurde ›Der Preis der Treue‹ von Diane Brasseur in der Sendung Buchzeichen auf Radio SRF1 besprochen.

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2 Titel
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Diane Brasseur

Leidenschaft ist doch nicht alles

Roman

Das innere Drama einer jungen Frau, der nach und nach bewusst wird, dass es bislang nur einen Mann in ihrem Leben gegeben hat, dem sie die Treue hielt: ihren Vater.

Erhältlich als: Premium, E-Book

Diane Brasseur

Der Preis der Treue

Roman

In einem mitreißenden inneren Monolog, der kein Argument ausspart, spielt er das Für und Wider durch – die brillante, präzise Bestandsaufnahme eines Seitensprungs.
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