Edward Gibbon
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Edward Gibbon

Edward Gibbon wurde 1737 in Putney bei London (heute natürlich in London) als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren und war das einzige von sieben Kindern, das überlebte. Er war selbst als Kind sehr kränklich und verlor zudem früh seine Mutter. Eine fürsorgliche Tante kümmerte sich um ihn und führte ihn in die Welt der Bücher ein. Er erhielt die übliche Erziehung eines Gentleman. Was ihn jedoch schon früh auszeichnete, waren  sein ungeheurer Bildungshunger, seine Belesenheit und seine gründliche Auseinandersetzung mit den Klassikern und mit den Philosophen und Autoren seiner Zeit. Als er nach Oxford ging, hatte er »einen Vorrat an Bildung, der einen Doktor erstaunt hätte, und ein Maß an Unwissenheit, dessen sich ein Schuljunge geschämt hätte«.
Von Oxford (damals tatsächlich nicht gerade ein Hort der Gelehrsamkeit) war er abgrundtief enttäuscht, bekehrte sich zum Katholizismus und ließ sich heimlich taufen (damals nicht ungefährlich). Sein empörter Vater schickte den Abtrünnigen nach Lausanne zu einem calvinistischen Geistlichen, der wunderbar auf den störrischen (und unansehnlichen) jungen Mann einging. Fünf glückliche Jahre verbrachte er dort, in denen er u.a. perfekt Französisch lernte und beinahe eine junge Frau geheiratet hätte, die später als Gattin des Finanzministers Jacques Necker die Mutter von Madame de Staël wurde.

Mit 27 kam Gibbon auf der damals üblichen Kavalierstour nach Rom, von wo er beim Anblick der römischen Ruinen an seinen Vater schrieb: »Ich bin sicher, dass es solch eine Nation nicht wieder gegeben hat, und für das Glück der Menschheit hoffe ich, daß es sie nicht wieder geben wird.« Unschwer zu erraten, dass er dort den Entschluss zu seinem Werk gefasst hat, und im letzten Satz bereits unverkennbar die Gibbonsche Sicht, die Welt zu betrachten.

Er kehrte zurück nach England, beerbte schließlich seinen Vater, wurde Parlamentsmitglied, ein Weltmann, der mit den Künstlern und Berühmtheiten seiner Zeit verkehrte. Seine alten Tage verbrachte er wieder in der Schweiz. In seinen Memoiren schreibt er: »Wenn ich das gemeine Schicksal der Sterblichen betrachte, dann muss ich dankbar anerkennen, dass ich in der Lotterie des Lebens ein großes Los gezogen habe.«
Er war ein kleiner, dicker Mann mit großem Kopf und roten Haaren, einer Neigung zu übermäßig prachtvoller Gewandung und etwas affektierten Manieren. Als er 1794 starb, hinterließ er ein großes Dokument der europäischen Aufklärung und das vielleicht bedeutendste Werk der Geschichtsschreibung in der Neuzeit.

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