Portrait des Autors Elisa Albert

Elisa Albert

Elisa Albert, geboren 1978 in Los Angeles, hat an der Brandeis University, Massachusetts, und an der Columbia University in New York Literatur studiert. Ihre Texte erscheinen in verschiedenen Magazinen und Anthologien. Daneben ist sie als Lehrbeauftragte an der Columbia School of the Arts tätig. Für ihre Short Storys hat sie verschiedene Auszeichnungen erhalten, eine Auswahl erschien 2006 unter dem Titel ›Was ist in dieser Nacht so anders‹ (dtv 24749). 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, ›Das Buch Dahlia‹ (dtv 13949). Elisa Albert lebt mit ihrer Familie in Upstate New York.

Interview

Elisa Albert

Ihr Erzählband ›Was ist in dieser Nacht so anders?‹ endet mit einem glühenden Liebesbrief an Philip Roth. Hat er jemals darauf reagiert?

Leider hat mir Roth nie geantwortet. Eigentlich habe ich das auch gar nicht erwartet, ich weiß nicht einmal, wie ich dann reagieren würde! Falls er meinen Brief gelesen oder von ihm gehört hat, hoffe ich, er hat sich zumindest gut amüsiert.

Eine weitere Geschichte aus dem Buch spielt in Auschwitz. Die Erzählerin Shayna versucht, ihre Erlebnisse in ihrem Tagebuch festzuhalten, reißt aber eine Seite nach der anderen aus. Ist Ihnen das vertraut?

Oh ja, ich persönlich verbinde sehr viel mit Shaynas Dilemma, wie man die perfekte Ausdrucksform findet. Meistens ist das unmöglich, und wir müssen uns mit dem Bemühen darum zufriedengeben. Aber genau wie Shayna verzweifle ich, wenn meine Arbeiten anders ausfallen als geplant. Nie ist etwas »gut genug«. Ich sage mir dann selbst – und das würde ich auch Shayna gerne mitgeben –, dass die Perfektion an sich weit weniger bedeutet als all unsere unzulänglichen Versuche, sie zu erreichen.

Haben Sie auch immer was zu schreiben dabei?

Ich habe immer Notizbücher bei mir – und ich verwerfe weniger von dem, was ich aufgeschrieben habe, als ich sollte, aber mehr, als mir lieb ist.

Ihr nächstes Romanprojekt handelt von zwei jungen Reiseführer-Autoren. Wohin geht deren Reise?

Tja, aus diesem Stoff ist inzwischen eine Kurzgeschichte geworden. Ich habe gemerkt, dass mich eigentlich etwas anders beschäftigte. Das passiert häufig; was man sich vorgenommen hatte, entpuppt sich als Sackgasse und der echte »Stoff« findet sich woanders. Jetzt arbeite ich an einem Roman über die schwierige Freundschaft zwischen zwei jungen Müttern.

»Ein guter Roman ist eine lange Frage an den Leser, die er für sich selbst beantworten muss«, sagten Sie in einem Interview. Was macht eine gute Kurzgeschichte aus?

Ich glaube, das gilt genauso für eine Kurzgeschichte. Nur ist diese Form dichter, intensiver. Storys verlangen uns mehr ab, obwohl das seltsam klingt, sie sind ja viel kürzer als Romane. Aber sie zwingen uns zu einer anderen Form der Auseinandersetzung. In der Welt eines umfangreichen Romans können wir uns einrichten und ausruhen, aber hier wird uns einfach der Boden unter den Füßen weggezogen und augenblicklich müssen wir eine ganz neue Perspektive auf die Welt einnehmen.

Genau wie in Ihrem Roman ›Dahlia‹ sind die Protagonisten in ›Was ist in dieser Nacht so anders?‹

jüdisch. Wie wichtig ist das Judentum für Ihr Schreiben?Jüdisch zu sein gehört zu mir wie meine Schuhgröße: Ich bin es einfach. Und auch meine Wurzeln liegen dort. Ich werde mein Leben lang im Dialog mit dem Judentum bleiben. Manchmal steht es für mich im Mittelpunkt und dann rückt es eher wieder in den Hintergrund, aber präsent ist es immer.

Und wie definieren Sie Ihr Jüdischsein?

Die Bereitschaft, alles zu hinterfragen, und mich immer mit meiner Umgebung auseinanderzusetzen: Beides gehört für mich zum Jüdischsein. Fähig zu sein, zu widersprechen und zu bewundern, loszulassen und anzunehmen, und, ganz generell, zwei einander widersprechende Meinungen in einem Kopf unterzubringen – all das heißt Jüdischsein. Das hat viel weniger mit einer bestimmten Religion oder Glaubensrichtung zu tun als mit der ständigen Auseinandersetzung mit Grundfragen des Lebens.

Apropos Auseinandersetzung: Sie arbeiten auch an einer Anthologie über Geschwister. Was hat es mit dem Titel ›Freuds blinder Fleck‹ auf sich?

Die Arbeit an diesem Buch habe ich gerade abgeschlossen. Es handelt sich um eine Essaysammlung von Autoren, die viel Erfahrung mit dem Geschwisterthema haben. Der Titel ›Freuds blinder Fleck‹ geht auf eine Formulierung der US-amerikanischen Psychologin Jeanne Safer zurück, die über Geschwister forscht …

… und klingt recht kritisch …

Das stimmt, Sigmund Freud in allen Ehren, aber er ist nicht gerade bekannt für seine Erkenntnisse über die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen. Die Schlüsselrolle von Geschwistern in unserer psychischen Entwicklung und unserem Leben wird häufig übersehen. Ich finde es faszinierend, welche Psychodynamik zwischen Geschwistern entstehen kann; oder auch, weil keine Geschwister da sind. In den Staaten wird der Band im November veröffentlicht. Ich warte gespannt darauf – und ich bin auch stolz, denn die Autoren haben fabelhafte Essays geschrieben.

Die Zeit bis dahin verbringen Sie unter anderem am Netherlands Institute for Advanced Study nahe Amsterdam, wo Sie für ein halbes Jahr als Writer-in-Residence leben. Sind Sie erstmals in Europa?

Ich war schon in vielen Ländern Westeuropas, aber in Holland bin ich zum ersten Mal. Die Menschen sind reizend, der Gouda schmeckt köstlich, und es ist herrlich, mit dem Rad in der Gegend herumzufahren. Für mich ist das hier eine ganz besondere Zeit, so traumhaft und friedlich. Der ideale Ort, um zu lesen, nachzudenken – und einen neuen Roman zu schreiben.

Tina Rausch

Alle Bücher von Elisa Albert

3 Titel
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Elisa Albert

EINSCHNITT

Roman

»Geil, urkomisch, brandheiß und beglückend aufrichtig.« Karen Russell

Erhältlich als: Premium, E-Book

Elisa Albert

Das Buch Dahlia

Roman

Unsentimental, ungeschminkt und mit einer großen Portion schwarzen Humors: ein quicklebendiges Buch über das Sterben.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,90 €

Elisa Albert

Was ist in dieser Nacht so anders?

Erzählungen

Herrlich respektlos und alles andere als politisch korrekt sind diese zehn Erzählungen von Elisa Albert.

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