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Erwin Grosche

Erwin Grosche wurde 1955 geboren. Er lebt heute als Kabarettist, Schauspieler und Autor in Paderborn. Neben seinen Kleinkunst- und Theaterproduktionen haben ihn vor allem seine Tonträger für Kinder bekannt gemacht. Seit einiger Zeit schreibt er auch Bücher für Kinder und Jugendliche, außerdem arbeitet er für Rundfunk und Fernsehen.

1996 erhielt er den Prix Pantheon und 1999 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kleinkunst. In der Begründung der Jury heißt es: »Damit zeichnet die Jury einen Künstler aus - nachdem er bereits 1985 den Förderpreis der Stadt Mainz erhielt, – der durch handwerkliche Perfektion und inhaltliche Konsequenz Qualität gegen Quote behauptet. In seinen unverwechselbaren Programmen hat er in versponnenen Geschichten voller Poesie Absurdität als Alltag entlarvt und dagegen stets Fantasie als einzig mögliches Überlebensprogramm gestellt.«

Ähnlich wie seine Bühnenproduktionen sind auch seine Kinderbücher geprägt von übermütigem, leicht absurdem Wortwitz, Freude an den kleinen Skurrilitäten des Alltags und überraschenden Schauplätzen. Auch die Handlung nimmt nicht selten unerwartete Wendungen. »Wenn ich eine Geschichte lese und ich merke, wie sie sich entwickeln wird, dann wird sie für mich langweilig«, sagt Grosche. Die Themen seiner Bücher sind trotz aller skurriler Fantastik, die seine Texte auszeichnet, dem modernen Alltag entnommen, nicht selten entstammen ihre Helden – natürlich in Grosche’scher Verfremdung – der unmittelbaren Umgebung des Autors: Den Schlafologen und Traumtüftler Dr. Seidensticker aus seinem Traumbuch ›Auf leisen Sohlen‹ (dtv junior 70558) gibt es zum Beispiel genauso wirklich wie den kleinen Peter, nur ist der in Wirklichkeit ein Mädchen.

Wenn Erwin Grosche schreibt, dann hat er keine bestimmte, eingegrenzte Zielgruppe vor Augen. Dass seine Texte für Kinder und Erwachsene gleichermaßen Überraschendes zu bieten haben, wird besonders deutlich, wenn er sie auf der Bühne liest und spielt. Er ist nicht nur für Erwachsene ein gefragter Bühnenkünstler, sondern inzwischen finden auch seine Produktionen für Kinder großen Anklang (wer sich für einen Auftritt interessiert, kann sich mit Ilona Ott, dtv, Tel: 089/38167-160 in Verbindung setzen).

Mit seinem Buch ›Der Schlafbewacher‹ (Gabriel Verlag) kam er 2001 auf die Ehrenliste zum Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur. Für seine Badewannenkapitän-CD erhielt er den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2003. Außerdem erhielt er für seine Werke die »KinderakadeMieze« der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Weitere Literatur zu Erwin Grosche:
Marcy, Claudia: »Ich gehe auf dem Kopf«. Der Kabarettist Erwin Grosche schreibt auch Kinderbücher. In: Eselsohr 2/2000, S. 6/7

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Interview

Ein Königreich für eine Badewanne


Wo er König ist, dürft ihr so lange in der Nase herumbohren, wie ihr wollt, und in seinem Reich gibt es keine Blockflöten: Erwin Grosche, Kabarettist, Torten- und Traumspezialist, König im Bäckerhemd mit Turnschuhen an den Füßen und Trompete in der Hand – und natürlich Autor. Anna, 11, hat ihm Fragen gestellt:

Wo sammeln Sie Ihre Ideen?
Manchmal bin ich nicht zu Hause und alles ist so neu für mich, dass ich darüber schreiben muss. Manchmal entdecke ich auch zu Hause etwas, das ich noch nie gesehen habe. Ehe ich begreife, dass dieses Neue doch nur ein altes Bügeleisen ist, habe ich schon ein Gedicht geschrieben über die Reise des Bügeleisens über eine Falte ...

Während Ihrer Lesungen rufen doch bestimmt auch Kinder ihre eigenen Vorschläge dazwischen. Berücksichtigen Sie manche davon?
Sehr oft entdecke ich zuerst mit den Kindern die mögliche Umsetzung eines Gedichtes, erst danach präsentiere ich meine Version. Manchmal, nach Schullesungen, schreiben die Kinder zusammen mit ihren Lehrern neue Gedichte und schicken sie mir. (Wenn über hundert Kinder vor mir sitzen, bekomme ich hundert Zwischenrufe gar nicht mit, denn dann ist das Chaos perfekt.)

Dürfte man aus Ihren Gedichten und Geschichten eine Schulvorstellung machen oder gibt es da rechtliche Probleme?
Sie sind dazu gemacht, um sie zu lesen, zu entdecken, weiterzuführen und vorzuspielen. Man bekommt deswegen eher menschliche Probleme, und zwar mit mir, wenn man es nicht so gut macht und es sich nicht lustig anhört!

(Bei Über Enten läuft mir das Wasser im Mund zusammen und ich denke an Entenbraten mit Knödel und Blaukraut und Familienfeiern. An was denken Sie?
Ich habe ein Gedicht über Enten geschrieben, weil es die ersten Tiere in Fluss und Teich sind, die Kinder wahrnehmen, füttern und nachahmen. Ich wollte darum diesen Tieren ein kleines Denkmal errichten. Gack, gack, gack!)

Wie ist das Gedicht Parkplatz entstanden?
Ich habe mal einen Parkplatz von oben gesehen. Das sah genauso aus, wie wenn man „AutoanAutoanAuto“ schreibt. Und wenn man es spricht, ist es genauso autoüberfüllt wie ein Parkplatz und trotzdem macht es Spaß, es vorzuspielen.

Wie tragen Sie es vor?
Weil auf dem Parkplatz viele Autos stehen, spreche ich es am liebsten mit allen Kindern gemeinsam. Einen Autoparkplatz spreche ich schnell und binde die Wörter dicht an. Einen DAMPFWALZENPARKPLATZ spreche ich aber ganz langsam und ganz tief. Man kann das Parkplatzgedicht auch als Theaterstück vorführen, indem man sich frei im Raum verteilt, um dann beim Sprechen zusammenzukommen und selbst diesen Parkplatz zu bilden. Als Ausgleich empfehle ich das Gedicht über die Stille zu flüstern, um danach zu schweigen.

Mussten Sie in der Schule auch mal nachsitzen?
Natürlich! Sonst hätte ich bestimmt nie angefangen Gedichte zu schreiben.

Träumten Sie davon, König zu sein?
Ich wollte immer Bäcker werden wie mein Vater. Zum Glück sind Kinderbuchschreiber auch ein wenig wie Süßigkeitenbäcker. Man hat sie gern und freut sich königlich auf sie.

Wann und warum haben Sie angefangen auf der Bühne zu stehen und zu schreiben?
Huch, das sind ja zwei Fragen, die ich nicht immer beantworten kann. Manchmal sage ich, dass alle, die keine Bäcker werden können, Künstler werden müssen. Manchmal erinnere ich mich auch, dass ich schon immer geschrieben habe. Und wer eine eigene Welt erschaffen will, braucht dazu eine Bühne.

Wen fragen Sie um Rat, ob etwas gut geworden ist oder nicht?
Wer Kindergeschichten schreibt, sollte die Kinder fragen, ob sie gut finden, was man so fabuliert. Natürlich geben auch meine Frau und meine Tochter gerne ihren Senf zu meinen Wurstgedichten dazu.

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