Portrait des Autors Falko Löffler

Falko Löffler

Falko Löffler wurde 1974 in Lauterbach/Hessen geboren. Er studierte Literatur- und Medienwissenschaft in Marburg und arbeitete danach einige Jahre als Autor bei einem Videospieleentwickler.

Seit 2003 ist er freier Autor von Romanen, Drehbüchern und Computerspielen. Löffler lebt inzwischen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wieder im Vogelsberg in der Nähe seiner Geburtsstadt.

Interview

Was fasziniert Sie an Krimis – als Leser und als Autor?

Als Leser und Autor bin ich in mehreren Genres zu Hause, aber Krimis mochte ich schon immer besonders. Die Krimis, die mich ansprechen, konzentrieren sich auf eine packende Handlung, sind direkt und schnörkellos. Wenn man in ihre Geschichten eintaucht, will man einfach nur wissen, was hinter allem steckt, wie es ausgeht. Man liest sie atemlos, gierig.

Für einen Autor ist es ein dankbares Genre. Die Handlung lebt von Überraschungen, die Charaktere dürfen an ihre Grenzen getrieben werden, es gibt weniger Bedarf nach Ausschmückung. Das heißt aber auch, dass das Schreiben besondere Herausforderungen mit sich bringt – mehr als in anderen Genres muss berücksichtigt werden, was der Leser zu bestimmten Zeitpunkten erfährt, wie er durch die Handlung geführt wird. Genau das macht letztlich den Reiz von Krimis aus.

In Ihrem Krimi ›Im Funkloch‹ geht es um psychische Gewalt (Mobbing) unter Jugendlichen, die sich immer weiter zuspitzt. Was hat Sie an diesem Thema gereizt?

Glücklicherweise habe ich selbst keine Erfahrung mit schlimmerem Mobbing machen müssen, aber gerade in der Schulzeit ist jeder irgendwann einmal Zielscheibe von Hohn, Spott oder Schlimmerem. Als Schüler lebt man in einem ständigen Zustand der Verunsicherung – über die Wahrnehmung von sich selbst und dem Bild, das andere von einem haben. Und wer mit sich selbst nicht im Reinen ist, tendiert dazu, die die Aufmerksamkeit auf Defizite der anderen zu lenken. Das ist ein zutiefst menschliches Verhalten, bei dem sich Abgründe auftun können. Kombiniert man so etwas mit einer außergewöhnlichen Situation – in meiner Geschichte ist es eine Klassenfahrt, die die Figuren aus ihrem Alltag herausbringt – kann das Mobbing schnell härter werden. Schlimm am Mobbing ist, dass man nicht einfach herauskommt, dass es zu einer Spirale werden kann – und dass eigentlich Unbeteiligte sich früher oder später für eine Seite entscheiden müssen. Unschön im realen Leben, für eine Geschichte natürlich eine dramatische Steilvorlage.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, in einer Krimiserie im Fernsehen mitzuspielen, wer wären Sie dann gerne?

Da hätte ich einen eindeutigen Favoriten: Columbo. Dessen Fähigkeit, alles zu durchschauen, aber es nicht zu zeigen, kann auch im Alltag sehr nützlich sein. Weniger identifizieren kann ich mich mit den alteingesessenen deutschen Kommissarfiguren – die sind mir zu dröge. Davon abgesehen bin ich mit einem Leben ohne allgegenwärtige Kriminalität sehr zufrieden und bin froh, nicht jede Woche ein Verbrechen aufklären zu müssen, sondern mir ab und an welche auszudenken ...

Was macht einen guten Krimi aus?

Für mein Empfinden vor allem zwei Dinge. Zum einen der Rhythmus. Die Schlagzahl bei einem Krimi ist höher als in anderen Genres, die Szenen müssen schneller auf den Punkt kommen. Und wie bei einem zusammenfallenden Kartenhaus tritt dabei eine Kettenreaktion ein. Fast genauso wichtig sind für mich lebendige Charaktere. Krimis wurzeln in der Realität, und je griffiger eine Figur wird, desto eher sind wir bereit, Zeit mit ihr zu verbringen. Krimis schildern nicht unbedingt das wahre Leben, aber sie spitzen Teile davon zu.

Wenn Sie nicht gerade Krimis schreiben, dann…

... schreibe ich andere Sachen, beispielsweise Geschichten und Dialoge für Computerspiele. Oder jogge durch den heimischen Wald und denke mir neue Kriminalfälle aus. Wahrscheinlich wundern sich Spaziergänger und Eichhörnchen, wenn ich beim Joggen heimtückisch kichere ...

Interview: Stephanie Schweyer / dtv

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