Portrait des Autors Jonas Winner

Jonas Winner

Jonas Winner, geboren in Berlin, ist in Rom und den USA aufgewachsen. Nach einem Studium in Berlin und Paris und seiner Dissertation über die Spieltheorie arbeitet er fürs Fernsehen: Reportagen (u.a. ARD III, ZDF, arte) und Drehbücher (ZDF, RTL, SAT1).

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Trailer: Davids letzter Film

Interview

Jonas Winner: ›Davids letzter Film

1) Sie haben bisher Drehbücher geschrieben. Was unterscheidet das Drehbuchschreiben vom Schreiben eines Buches?

Es gibt zahllose Unterschiede, ich will nur zwei herausgreifen: Beim Drehbuchschreiben sind der Phantasie insofern Grenzen gesetzt, als es immer darum geht, sich auf das zu beschränken, was mit dem Budget der Filmproduktion auch realisiert werden kann. Und das kann problematisch sein: Wir sind es gewohnt, im Kino oder auch im Fernsehen Filme zu sehen, die mit den Millionen-Budgets Hollywoods produziert worden sind. Da ist es nicht ganz einfach, eine Geschichte zu erfinden, die dagegen ankommen kann, auch wenn sie nur mit einem Bruchteil des Geldes umgesetzt wurde. Das ist bei Büchern anders: Um ein Lese-Erlebnis hervorzurufen, stehen allen die gleichen Mittel zur Verfügung: Die Mittel der Sprache. Auf diesem Gebiet ist es also sozusagen kein Kampf David gegen Goliath um die Phantasie derjenigen, denen man etwas erzählen will.

Es gibt aber noch einen ganz anderen, für mich vielleicht noch wichtigeren Unterschied. In einem Film (für den ich ja das Drehbuch schreibe) kann ich nicht in die Köpfe meiner Figuren hineinschauen. Ich kann nur erzählen, was die Menschen machen (wozu ja auch gehört, was sie sagen), nicht, was sie fühlen oder denken oder träumen etc. Auf der anderen Seite hat der Film natürlich aber auch phantastische Möglichkeiten, die in einem Buch nicht zur Verfügung stehen. Ist ja klar, das weiß jeder, der schon mal das Gefühl hatte, von einem Film tief beeindruckt worden zu sein.

2) Sie haben während Ihrer Studienzeit unter anderem als Lektor bei Volker Schlöndorff gearbeitet und selbst mehrere 16mm-Filme inszeniert. Haben Sie auch experimentell gearbeitet?

Ja, habe ich. Aber das ist lange her. Ich kann es jedem, der sich für Filme interessiert, nur empfehlen. Heute ist es einfacher als jemals zuvor. In fast jedem Computer, jedem Handy ist eine Kamera integriert, mit der kann man anfangen zu drehen. Da sieht man sehr schnell, wie schwierig es ist, einen Film auf die Beine zu stellen.

3) Was ist das Besondere für Sie an der Filmbranche, dass Sie in diesem Milieu auch Ihr erstes Buch spielen lassen?

Ich war schon immer das, was man wohl einen Filmverrückten nennen kann. Filme haben mich von klein auf in den Bann geschlagen. Als Kind im Kino zu sitzen und einen neuen, großen Film über die Leinwand flimmern zu sehen, das war für mich ein Riesen-Erlebnis. Bis ich wissen wollte, wie das geht, wie man so einen Film macht. So bin ich auf Umwegen zum Drehbuchschreiben gekommen. Auf diesen Umwegen habe ich eine Menge von dem Milieu kennen gelernt, in dem Filme produziert werden. Und festgestellt, dass es ein faszinierendes Milieu ist, mit spannenden Menschen, die dafür brennen, ihre Vorstellungen, ihre Träume umzusetzen.

4) ›Davids letzter Film‹ berührt auch ethisch-moralische Fragen der Überschreitung von Grenzen und thematisiert das gefährliche Spiel mit Fakt und Fiktion. Gab es ein besonderes Ereignis, das Sie zu diesem Thema inspiriert hat?

Ein einzelnes Ereignis eigentlich nicht. Ich zögere ein bisschen, diese Frage zu beantworten, weil ich das Gefühl habe, wenn ich darauf eingehen wollte, müsste ich eigentlich schon zu viel von dem Buch verraten. Aber soviel kann ich doch wohl sagen: Das zu thematisieren, was Sie „Überschreitung der Grenzen“ nennen, halte ich schon für sehr wichtig. Dass darüber gesprochen wird, dass man sich darüber Gedanken macht, alleine und gemeinsam, dass das nicht vollkommen ausgeblendet wird.

5) David Mosbach ist ein Regisseur und ein Mensch, der keine Skrupel hat, Grenzen zu überschreiten. Warum haben Sie die Figur so angelegt?

Auch darüber könnte man viel sagen, aber im Grunde würde ich am liebsten antworten, dass die beste Antwort, die ich darauf geben kann, das Buch selbst ist. Kurz gesagt: Ich habe mir folgende Frage gestellt: Was kann man, wenn man alle Mittel zur Verfügung hat, die man sich wünscht, für einen Film machen wollen? Und dann ist mir sozusagen dieser David Mosbach, meine Figur, begegnet, die dieser Frage radikal und ohne Rücksicht auf Verluste nachgeht. Und sie hat einen Weg eingeschlagen, der mir, als ich mit dem Roman begonnen habe, so auch noch nicht klar war, der sich aber im Lauf der Zeit geradezu wie von selbst und zwingend ergeben hat.

6) ›Davids letzter Film‹ ist nicht nur ein rasanter Psychothriller, sondern auch ein tiefergehendes Buch, das zum Nachdenken über Freundschaft, Moral sowie Sein und Schein anregt. Ist das Genre Thriller für Sie ein Vehikel, um solche Fragen zu thematisieren?

Vehikel? Das klingt, als sei es eine Hülle, ein Trick, um das, was sich darunter verbirgt, worum es eigentlich geht, worauf man eigentlich abzielt, zu verbergen. So ist es nicht. Ich liebe Thriller, Psychothriller, ich liebe es, wenn ein Buch oder ein Film spannend ist. Ist es nicht das, was uns dazu bringt, weiter zu lesen, zu gucken: Die Spannung, die die Geschichte aufbaut? Vielleicht kann man sagen: Das Thriller-Genre ist nicht Mittel zum Zweck, Weg zum Ziel, der Weg ist auch schon selbst das Ziel. Oder ist das jetzt zu verwirrend ausgedrückt?

7) Das Setting bzw. die Filmszene in ›Davids letzter Film‹ ist sehr realistisch beschrieben. Gibt es die dunkle, morbide und gewaltbereite Filmszene wirklich in Berlin?

In Berlin gibt es auf jeden Fall alle möglichen Szenen, ich würde sogar behaupten, dass es in Berlin fast nichts gibt, was es nicht gibt. Ich lebe seit vielen Jahren hier, habe manche Nacht auf den Straßen und in den Clubs der Stadt verbracht und einiges dabei mitbekommen. Aber das ändert sich alles auch ständig. Ich kann nur jeden, den das interessiert, ermuntern, sich in Berlin selbst einmal nachts aufzumachen …

8) ›Davids letzter Film‹ liest sich wie ein literarisches Pendant zu den Filmen von David Lynch. Absicht oder Zufall?

Als ich ›Blue Velvet‹ 1986 zum ersten Mal gesehen habe, war ich sprachlos, das stimmt schon. Ich bin seither immer ein Fan von Lynch geblieben, muss aber auch sagen, dass ich bei seinen letzten Filmen nicht mehr so richtig mitgekommen bin. Aber der Regisseur, von dem ich erzähle, David Mosbach, hat mit dem Menschen David Lynch oder mit seinen Filmen nichts zu tun. Die Verbindung ist erst durch den Slogan »Ein Buch wie ein Film von David Lynch« vom Verlag hergestellt worden. Seitdem werden die beiden immer wieder in Verbindung gebracht, etwas, das ich selbst nie getan hätte. Aber es stört mich nicht: Lynch hat ein paar großartige Sachen gemacht.

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Jonas Winner

Davids letzter Film

Ein packender Thriller über die Macht der Bilder und der Illusion.

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