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Karoline Stürmer

Karoline Stürmer, 1967 in Aschaffenburg geboren, ist promovierte Biologin und arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Darüber hinaus ist sie Buchautorin. Karoline Stürmer lebt in Regensburg.

Interview

»Wir haben eine besondere Verantwortung für die Polarregionen.« - Karoline Stürmer im Interview mit Susanne Krones / dtv

Seit mehr als 200 Jahren unternehmen Menschen unter Einsatz ihres Lebens Expeditionen ins ewige Eis. Was fasziniert Menschen so sehr an dieser menschenfeindlichen Umgebung?

Was die Entdecker von damals getrieben haben mag, weiß niemand. Polare Ziele waren aber gerade aufgrund ihrer menschenfeindlichen Natur schon immer eine besondere Herausforderungen, nicht nur, weil sie damals Ehre und Ruhm versprachen.

Sie selber haben mit ›Pole, Packeis, Pinguine‹ ein Buch über das Leben im ewigen Eis geschrieben und selbst eine Reisen in die Arktis unternommen. Was fasziniert Sie besonders an dieser Gegend?

Die Kälte, der krasse Gegensatz zwischen Dunkelheit im Winter und Helligkeit im Sommer und dass sich so viele Lebewesen an diese Bedingungen, die uns lebensfeindlich erscheinen, perfekt angepasst haben.

Was hat Sie bei Ihrer ersten Reise ins Eis besonders überrascht?

Ich war im Mai 2006 in Spitzbergen und es war viel wärmer, als ich es erwartet hatte, man konnte draußen in der Sonne Kaffee trinken und ich hatte viel zu warme Kleidung und Schuhe dabei.

Wie passen sich Lebewesen in dieser Region an die Kälte an?

Es gibt unterschiedliche Strategien. Eisbären und Robben legen sich ein dickes Speckpolster zu. Denn Speck leitet die Wärme schlecht und verhindert so ein Auskühlen der Tiere. Außerdem ist Speck ein wunderbarer Vorrat für schlechte, nahrungsarme Zeiten im Winter und er hält auch im Wasser warm. Fell und Gefieder funktionieren dagegen vor allem an Land. Denn das eigentlich wärmende an ihnen ist die Luft, die zwischen Haaren und Federn eingeschlossen wird. Die Hitze, die ein Eisbär oder Pinguin abstrahlt, bildet auf diese Art ein wärmendes Luftpolster. Im Wasser entweicht diese Luft, so dass die Tiere dann stärker auf ihre Speckisolation angewiesen sind.

Welches der Lebewesen in den Polarregionen fasziniert Sie am meisten?

Am meisten fasziniert mich die arktische Flügelschnecke. Diese Schnecke besitzt kein Gehäuse – ganz ähnlich wie die Nacktschnecke, die jeder aus Garten und Grünanlagen kennt. Die Flügelschnecke kriecht allerdings nicht zwischen Salatpflanzen herum sondern schwimmt und schwebt im arktischen Meer. Das besondere aber ist, dass sie sehr wählerisch ist, was ihr Fressen angeht, und im Notfall fast ein Jahr lang ohne Futter auskommt. Das schaffen Eisbären nicht einmal wenn sie sich ein riesiges Speckpolster anlegen.

Haben wir für die Polarregionen eine ganz besondere Verantwortung?

Ja und sicher nicht nur, weil diese Regionen unser Klima entscheidend prägen. Viele Lebewesen dort sind besonders sensibel – sie sind so eng an ihren kalten Lebensraum angepasst, dass sie eine Erwärmung nicht überleben würden. Wir wissen aber noch viel zu wenig über die Zusammenhänge und verstehen nicht, welche globalen Auswirkungen es hat, wenn einzelne Tierarten in dem komplexen Gefüge aussterben. Auch deshalb haben wir eine besondere Verantwortung für diese Regionen.

Wie gefährdet sind die Polarregionen?

Das Eis im Nordpolarmeer schmilzt bereits und Wissenschaftler prognostizieren, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis die Arktis eisfrei sein wird. Eisbären sind schon heute bedroht, weil sie genügend Meereis benötigen, um beispielsweise mit ihre Jungen von der Wurfhöhle zu den Jagdgebieten zu wandern. Ohne Eis müssen die Tiere unter Umstände stundenlang schwimmen. Für die erwachsenen Tiere ist das kein Problem, für die Jungen allerdings schon, weil ihnen das wärmende Speckpolster fehlt. Naturschützer warnen außerdem vor einer Zunahme des Schiffsverkehrs, die Luft und Wasser zusätzlich mit Schadstoffen belasten werden.

Und die Antarktis?

Experten meinen, dass es in der Antarktis im Moment noch viel zu kalt ist für Abschmelzprozesse – selbst wenn es ein paar Grad wärmer werden würde. In diesem Fall würde es dort wahrscheinlich mehr schneien als bisher und das antarktische Eisschild würde sogar noch wachsen.

Wenn Sie Maßnahmen in der internationalen Klimapolitik durchsetzen könnten – welche wären es?

Am besten wäre es natürlich wenn es gelänge, Kohlendioxid in großen Mengen aus der Luft dauerhaft zu binden und so unschädlich zu machen. So lange das nicht möglich ist, können wir nur versuchen, so wenig Kohlendioxid wie möglich zu produzieren. Dazu gehört mit Energie sparsam umzugehen, alternativer Energiequellen zu nutzen und klimafreundliche Technologien zu entwickeln und einzusetzen, etwa was die Dämmung im Wohnungsbau angeht.

Alle Bücher von Karoline Stürmer

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Karoline Stürmer

Pole, Packeis, Pinguine

Leben im ewigen Eis

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008: Ein opulentes Sachbuch mit vielen spektakulären Fotos, Grafiken und Karten rund um die ›weiße Wildnis‹ und ihre Bewohner.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 14,95 €

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