Portrait des Autors Lorenza Gentile

Lorenza Gentile

Lorenza Gentile wurde 1988 in Mailand geboren. Ihre Leidenschaft für Literatur und für das Theater entstand schon in der Kindheit, die sie in Florenz und Mailand verbrachte. Sie studierte Drama und Theaterwissenschaften an der Goldsmiths University, London, und besuchte die internationale Theaterschule Jacques Lecoq in Paris. "Während meines Studiums nahm ich viele schlechte Gewohnheiten an, glücklicherweise aber gab ich eine gute, die ich hatte, niemals auf: das Schreiben."

'Teo' ist Lorenza Gentiles erster Roman. Er wurde bereits mit zwei Preisen ausgezeichnet: "Reghium Julii Opera Prima 2014" und "Fortunato Seminara Opera Prima 2014".

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2015 - Kritikerpreis

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Buchtrailer Teo

Interview

Teo‹ ist Ihr erster Roman. Neben dem Schreiben sind Sie vielfach künstlerisch begabt: Sie zeichnen, malen, spielen Theater, führen Regie und machen Jazz-Tanz. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und was ist für Sie das Besonderen am Schreiben?

Ich liebe es, mich in Worten auszudrücken. Beim Schreiben fühle ich mich von allen Zwängen befreit. Ich bin auf die Hilfe von niemandem angewiesen, es verursacht keine Kosten, wie z. B. eine Theaterproduktion. Ich kann meiner Fantasie freien Lauf lassen und in Gedanken durch fremde, imaginäre Länder reisen, Figuren erfinden … das ist grenzenlose Freiheit! Und außerdem war ich mir schon immer der Macht des geschriebenen Wortes bewusst. Einen schönen Satz zu formulieren, einen stimmigen Absatz zu schreiben, eine originelle Stimme zu finden – erfreut und befriedigt mich enorm. Ich mag es, den Leser auf immer wieder neue Art und Weise zu berühren. Das Romanschreiben ist wahrscheinlich die komplexeste Art des Geschichtenerzählens. Die Sprache ist dabei sehr wichtig, aber nicht nur, sondern auch die visuelle, die emotionale, intellektuelle und philosophische Seite des Erzählens.

Ihr Roman ›Teo‹ ist aus der Perspektive eines achtjährigen Jungen geschrieben. Wie ist es Ihnen gelungen, sich in einen Achtjährigen hineinzuversetzen?

Schon von klein auf war ich davon fasziniert, mich immer wieder in andere, in die verschiedenartigsten Menschen hineinzuversetzen. Ich könnte mir permanent neue Figuren und Geschichten ausdenken.
Obwohl es für die Kunst des Erzählens ja keine festen Regeln gibt, kann man sich gewisse Fertigkeiten aneignen, so wie ich es während meines Theaterstudiums getan habe. Beim Theaterspielen habe ich ständig versucht, mich in das Innerste der Figuren hineinzuversetzen. Dabei hat mir meine angeborene Neugier geholfen: Ich höre immer sehr genau zu, was man mir sagt und habe keine Angst davor, zu viele Fragen zu stellen. Die Menschen öffnen sich einem sehr viel leichter, wenn man sich für ihr Leben wirklich interessiert. Andere zu verstehen, hilft mir fremde Mentalitäten und Perspektiven zu begreifen. Wie bei allen anderen Autoren auch ist dies mein oberstes Ziel.
So war es auch, als ich ›Teo‹ geschrieben habe – da habe ich viel von den Kindern aus meinem Umfeld profitiert, aber hauptsächlich habe ich mich an meine eigene Kindheit erinnert, bin sozusagen in Kontakt getreten mit meinem jüngeren Ich – und dann schrieb sich der Text wie von selbst.

Sie sind in Italien aufgewachsen, haben in London studiert und sind in Paris auf eine Theaterschule gegangen. Gibt es irgendwo auf der Welt einen Ort, wo Sie sich ganz zu Hause fühlen?

Obwohl ich seit bereits seit acht Jahren im Ausland lebe, bin ich immer noch durch und durch Italienerin … dafür bin ich sehr dankbar!
Es gibt keinen speziellen Ort, von dem ich sagen könnte, da gehöre ich hin. Auch im Blick auf Italien könnte ich nicht sagen, ob ich mich in Florenz, wo ich meine Kindheit verbracht habe und ein Teil meiner Familie lebt, oder in Mailand, wo ich auf das Gymnasium gegangen bin, mehr zu Hause fühle. Für eine gewisse Zeit war auch Paris meine Heimat, die Stadt der Schriftsteller, und auch London, wo ich studiert habe.
Die Gewohnheit, von einem Ort zum anderen zu ziehen, ließ mich zu einer Nomadin werden, die sich von jeder Stadt nimmt, was sie bekommt, und sich dort zu Hause fühlt, wo sie gerade lebt … Ich bin neugierig darauf, immer wieder neue Städte und Kulturen kennen zu lernen, und überlege, wo ich demnächst leben könnte. Jeder Ort hat seine Vor- und Nachteile, jede Kultur öffnet neue Türen. Ich bin unwahrscheinlich glücklich, dass ich so viel reisen darf, und hoffe, dass das auch in der Zukunft so bleiben wird.

›Teo‹ ist ein modernes philosophisches Märchen, in dem ein kleiner Junge die großen Fragen des Lebens stellt. Ein ungewöhnlicher Gegenstand für das Debüt einer jungen Autorin. Wie sind Sie darauf gekommen?

Zuerst war es eine Kurzgeschichte, wie alles, was ich bis dahin geschrieben hatte. Als Teo begann sich in meinem Kopf breit zu machen, war er bereits eine fertige Figur – und hatte ein riesiges Problem: Er wollte Napoleon treffen, um die Ehe seiner Eltern zu retten. Teos Suche nach Napoleon berührte mich sehr und ich begann mir existenzielle Fragen zu stellen: Was ist der Tod? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wenn ja, wo wird das sein? Und wie wird es sein? In Windeseile wurde aus der Kurzgeschichte ein Roman. Im Grunde war ich es, die sich für die großen Fragen des Lebens zu interessieren begann, und die jetzt durch Teo die Welt aus einer ganz anderen Perspektive betrachten konnte. Er war es, der mir geholfen hat, Antworten zu finden, die ich allein nie gefunden hätte.

Welche Bücher und Autoren lesen Sie gerne bzw. haben Sie inspiriert?

Das hängt, wie so oft, von der jeweiligen Lebensphase ab, in der man sich befindet. Generell bevorzuge ich die klassische Literatur, weil ich ihre Zeitlosigkeit inspirierender finde, aber ich lese auch gerne Gegenwartsautoren.
Ich bin eine unorthodoxe Leserin: Wenn mich ein Buch nicht berührt, habe ich kein Problem, es beiseite zu legen. Manchmal greife ich dann Jahre später wieder zu demselben Roman – so etwas passiert. Wenn mich eine Geschichte in diesem Augenblick nicht packt, schafft sie es vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt. Es gibt außerdem so viel zu lesen, dass ich mich permanent für ein bestimmtes Buch entscheiden muss, - doch wenn ich mich auf jeder Seite zwingen muss weiterzulesen, dann lasse ich es lieber. Lesen sollte Vergnügen machen.
Autoren, die mich inspiriert haben bzw. mich immer noch inspirieren sind z. B. Lew Tolstoi, Vladimir Nabokov, Marguerite Yourcenar, Milan Kundera, Conan Doyle, Alejandro Jodorowsky, Italo Calvino, J. D. Salinger, Georges Simenon, Graham Greene, Raymond Queneau, Roald Dahl, Dante Alighieri, Gabriel José Garcia Márquez, Amélie Nothomb und Haruki Murakami.

Schreiben Sie bereits an einem neuen Buch und wovon handelt es?

Mein zweiter Roman ist bereits geschrieben! Ich will nicht zu viel verraten, kann aber sagen, dass beide Bücher, obwohl sie insgesamt gesehen sehr unterschiedlich sind, eine Gemeinsamkeit haben: mein Interesse für oberflächlich betrachtet schwache Menschen, deren Vielschichtigkeit und Mut ich aufzudecken versuche. Wie Teo lebt der Protagonist des neuen Romans am Rande der Gesellschaft, auf ganz andere Weise jedoch und in einem vollkommen anderen Alter.
Ich möchte meinen Lesern zeigen, wie unterschiedlich die Menschen im Blick auf ihr Gefühlsleben, ihre Würde, ihre Vielschichtigkeit sind, und wie blind wir oftmals für diese Nuancen sind; die Schwachen spielen in unserer Gesellschaft keine Rolle, solange wir ihnen keine Möglichkeit dazu geben. Ich will meinen Figuren die Chance geben, sich zu emanzipieren, - dann warte ich ab und schaue, was passiert.

Können Sie uns eine besondere Geschichte im Zusammenhang mit Ihrem Roman erzählen?

Als ich die Frage zum ersten Mal las, war ich davon überzeugt, dass es eigentlich keine besondere Geschichte über mein Buch zu erzählen gäbe, abgesehen von den unendlich vielen Rückmeldungen, die ich nach Erscheinen des Romans erhalten habe. Viele Leser haben mir geschrieben, viele habe ich auf meinen Lesungen getroffen, Teos Geschichte hat sie sehr berührt, viele wollten ihre eigenen Geschichten mit mir teilen.
Später, als ich die Frage dann ein zweites Mal las, erinnerte ich mich an eine Geschichte, die ich eigentlich schon vergessen hatte … Als ich anfing, den Roman zu schreiben, war ich erst 21 Jahre alt, ich studierte an der Universität und schrieb Geschichten just for fun. Daher fiel es mir manchmal schwer, eine Geschichte zu Ende zu bringen. Eines Tages war ich so frustriert, dass ich alles hinschmeißen wollte. Es war Sommer und ich ging an den Strand, um zu überlegen, wie es mit dem Schreiben weitergehen sollte. Als ich mich auf einen Felsen setzte, kam ein Hund und legte sich neben mich. Während ich ihn streichelte, bemerkte ich eine kleine Hundemarke an seinem Halsband, auf der stand: Teo. In diesem Moment hörte ich eine weibliche Stimme nach ihm rufen: »Teo, Teo!«
Ich weiß nicht, ob Zeichen eine Bedeutung haben oder wir ihnen eine Bedeutung geben …, aber das ist mir eigentlich auch egal, für mich war dieses Erlebnis Grund genug, an meinen Computer zurückzukehren und zu wissen: Du musst diese Geschichte jetzt zu Ende schreiben!

NEWS

PressemeldungenAktuellesPreise und Auszeichnungen
15.06.2015

Kritikerpreis 2015 der Jury der Jungen Kritiker für Lorenza Gentile

Die Schriftstellerin Lorenza Gentile erhält den Kritikerpreis 2015 der Jury der Jungen Kritiker für ihren Roman 'Teo'. Das Projekt wird von der Kulturabteilung der Stadt Wien und vom Bundeskanzleramt Österreich gefördert. Die Preisverleihung findet am 25. Juni 2015 statt.

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Bücher des Autors

1 Titel
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Lorenza Gentile

Teo

Eine glückliche Entdeckung aus Italien: charmant, warmherzig und klug. Lassen Sie sich verzaubern von Teos Welt!

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