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Marina Lewycka

Marina Lewycka wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind ukrainischer Eltern in einem Flüchtlingslager in Kiel geboren und wuchs in England auf. Sie lebt in Sheffield und unterrichtet an der Sheffield Hallam University. Ihr erster Roman ›Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch‹ wurde zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, eroberte die internationalen Bestsellerlisten, wurde in 33 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Marina Lewycka gilt als eine der wichtigsten und populärsten englischen Autorinnen der Gegenwart.

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Buchtrailer: Marina Lewycka: Die Werte der modernen Welt unter Berücksichtigung diverser Kleintiere

Interview

Interview mit der Übersetzerin Sophie Zeitz

Marina Lewycka: ›Das Leben kleben‹

Im Interview spricht die Übersetzerin der Romane von Marina Lewycka über die Figuren von ›Das Leben kleben‹ und ihre Recherche zu Klebstoffen, Dübeln und Co.

Das Leben kleben‹ ist nach ›Caravan‹ der zweite Roman von Marina Lewycka, den Sie ins Deutsche übertragen haben. Beschreiben Sie uns den Ton der Autorin!

Marina Lewycka hat sehr viel Humor und Sprachwitz – sogar wenn sie über ernste Dinge schreibt. Gleichzeitig ist die Sprache ihrer Romane klar und unprätentiös, die Abgründe zeigen sich erst im Zusammenhang. Das macht ihre Geschichten so flüssig und lesbar, ohne dass sie an Gehalt einbüßen. Beim Übersetzen ist eine klare Sprache eine besondere Herausforderung, denn ich muss auch im Deutschen ganz klar sprechen. Und gerade diese Herausforderung macht großen Spaß.

Nachdem Marina Lewycka in ›Caravan‹ mehrstimmig erzählte, ist sie zu einer Erzählerin zurückgekehrt: Georgie Sinclair erinnert ein bisschen an Nadia aus der ›Kurzen Geschichte des Traktors auf Ukrainisch‹ …

Ja, Georgie Sinclair ist eine Frau, die an sich voll im Leben steht, bis sich dieses auf den Kopf stellt, und sie sich neu sortieren muss. Es ist eine Situation, die sich uns immer wieder stellt – wir denken, wir hätten alles im Griff, aber alles ist im Fluss, die Gegebenheiten ändern sich: Kinder werden älter, Beziehungen gehen auseinander, Menschen tauchen auf, andere verschwinden.
Der Roman beginnt für Georgie mit einem unsanften Aufwachen aus der Routine, doch ihre große Gabe ist eine Offenheit im Umgang mit Umwälzungen. Durch diese Offenheit entwickelt sie ganz neue Fähigkeiten, auch wenn sie davon träumt, wie eine Muschel »fest am Fels zu kleben, während draußen die Wellen und die Gezeiten toben«.

Zum Thema Kleben hat Georgie eine spezielle Beziehung: Die Arbeit für das Online-Magazin ›Klebstoffe in der modernen Welt‹ verwandelt ihr Gehirn manchmal in Kleister. Haben Sie für die Übersetzung der Fachbegriffe aus der Welt des Klebens viel recherchiert?

Nicht nur zu Klebstoffen, auch zu Dübeln und Baustoffen musste ich recherchieren. Auch das ist ein Teil der Arbeit als Übersetzerin, der viel Spaß macht. Ich habe einiges über Hydroxygruppen und Sekundenkleber gelernt – die Tatsache, dass Muscheln über einen Kleber verfügen, der noch fester ist als die modernsten synthetischen Klebstoffe, beeindruckt mich tief.

Ein möglicher Buchtitel wäre auch ›Das Leben riechen‹ gewesen: Georgie freundet sich mit der alten Mrs. Shapiro an, die mit einigen Katzen in dem verwitterten Canaan House wohnt. Wie hält es Georgie dort aus?

Georgies Wahrnehmung der Welt ist sehr sinnlich. Gerüche, Geräusche, Geschmack bestimmen ihre Welt – vor allem ihr erster Eindruck von Dingen wird von ihrer Sinneswahrnehmung bestimmt. Canaan House verströmt einen »modrigen Geruch von Frömmigkeit«, Mrs. Shapiros Stimme klingt »braun und körnig wie Früchtebrot«.
Vielleicht sind es genau diese Sinneswahrnehmungen, durch die ich als Leserin mich mit ihr identifizieren konnte – weil ich beim Lesen Georgies Wahrnehmungen so gut nachvollziehen kann. Es stimmt, dass Georgie ein besonders dickes Fell gegenüber unangenehmen Gerüchen hat – schon im ersten Kapitel hinterlässt der Kater eine Marke an ihrem Bein, »ein stechender, klebstoffartiger Geruch«. Vielleicht ist die Botschaft: Im Vergleich mit der Not auf der Welt im Großen und im Kleinen sind schlechte Gerüche das geringste Problem.

Neben ihrer Arbeit fürs Klebstoff-Magazin versucht sich Georgie als Roman-Autorin. Wie lautet Ihr literarisches Urteil über ›Das verspritzte Herz‹?

Georgies Roman ›Das verspritzte Herz‹ soll eine Schmonzette werden, mit der sie Geld verdienen will – sie hat keinerlei literarischen Ambitionen. Ich finde es wunderbar, wie sie ihren Kummer und ihre Rachgelüste in Schmonzettenform verarbeitet, wie sie ihre Schwiegereltern, ihren untreuen Mann und die anderen Details ihrer eigenen Seifenoper verwurstet. Umso lustiger, wie sie sich immer wieder bei den Decknamen verheddert. ›Das verspritzte Herz‹ ist großartig – allerdings eher als Schreibtherapie für Georgie.

Hatten Sie während der Übersetzung Kontakt zur Autorin?

Marina Lewycka und ich lassen uns immer wieder herzliche Grüße ausrichten, aber beim Übersetzen des Romans hatte ich keine weiteren Fragen an sie. Solange keine größeren Verständnisfragen auftauchen, bin ich beim Übersetzen auf mich gestellt, denn Marina Lewycka spricht kein Deutsch. Und wenn ich mich intensiv mit dem Text beschäftige, bleiben bei einer guten Autorin wie Marina Lewycka auch keine Fragen offen.

Was gefällt Ihnen persönlich an ›Das Leben kleben‹ am besten?

Die Figuren, die Georgie begegnen, Mrs. Shapiro, aber auch Mr. Ali, Mark Diabello, Ms Baddiel und Chaim, sind so unterschiedlich und haben doch alle ihre Geschichte und ihre Würde. Obwohl es Georgies Geschichte ist, wird klar, dass sie nur ein Stück des großen Flickenteppichs ist, zu dem sich die Menschen zusammenfügen. So viele Menschen es gibt, so viele Perspektiven gibt es. Es tut gut, dass in Marina Lewyckas Roman Israelis und Palästinenser zusammen ein Barbecue organisieren, und dass sich am Ende alle im Supermarkt wieder sehen …

Das Interview führte Tina Rausch, freie Journalistin

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