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Rita Süssmuth

Rita Süssmuth, geboren 1937, Prof. Dr. phil., war von 1985 bis 1988 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit (ab 1986 für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit) und von 1988 bis 1998 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Nach Eugen Gerstenmaier war sie damit die am zweitlängsten amtierende Bundestagspräsidentin. Neben diesen politischen Aufgaben war und ist sie bis heute vielfach für Vereine, Stiftungen und Institutionen tätig, unter anderem für die OSZE, und Trägerin zahlreicher Auszeichnungen sowie mehrerer Ehrendoktorwürden.

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Interview

Frau Süssmuth, Sie beschreiben in Ihrem Buch »Migration und Integration - Testfall für unsere Gesellschaft« die Aufnahme von Migranten und Migrantinnen als große Chance für die Aufnahmeländer; welche Chance meinen Sie damit?

Kofi Annan steht stellvertretend für viele in der Welt, dass nämlich wir die Migration so gestalten müssen, dass sie für Aufnahmeländer, für Herkunftsländer und für Migranten ein Gewinn wird. Wenn ich das konkretisiere, sind sie ein Gewinn für die Aufnahmeländer - das sehen wir in allen Ländern, die wissen, wir brauchen die Migranten - als Arbeitskräfte aber auch als Menschen. So zeigen uns viele Unternehmen von Migranten und Migrantinnen, dass sie Arbeitsplätze schaffen. Das wird in Deutschland viel zu wenig gesehen. Und sie zeigen uns aber auch, dass sie soziale Fähigkeiten, kognitive Fähigkeiten mitbringen, die wir brauchen. Und die Migranten, das wissen wir heute auch, schicken in großen Mengen Geld zurück an ihre Familien, damit sie bessere Ernährungsvoraussetzungen und bessere gesundheitliche Versorgung haben.

Das sind ja Dinge, die in Deutschland sehr wenig gesehen werden. In der öffentlichen Diskussion ist das Thema Zuwanderung mit Ängsten und Kosten besetzt. Woran liegt das?

Zunächst einmal haben die Menschen in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit große Ängste, verständlicherweise: Die Migranten nehmen uns die Arbeitsplätze weg. Hinzu kommt, dass wir auch Fehler in der Zuwanderung gemacht haben. Sie kosten uns nur, ist ein Hauptargument. Ja, wenn ich die Menschen nicht arbeiten lasse, Arbeitsverbote ausspreche, dann sind sie entweder in der Sozialhilfe oder auf dem Schwarzmarkt. Deswegen ist es wichtig, dass wir das verändern. Das andere, was wichtig ist, wir haben uns in all den Jahren sehr auf Flüchtlinge konzentriert. Und wir haben nicht gefragt, was brauchen wir. Und wir haben wenig Wert darauf gelegt, eine gute Mischung zu haben von Hochqualifizierten, von Selbstständigen und von Fachkräften, die wir dringend brauchen.

Zur Migration gehört natürlich auch Integration, das sagt auch der Titel Ihres Buches. Welche Rahmenbedingungen müssen vorhanden sein, um Integration in Deutschland zu ermöglichen? Wie muss ein politisches Konzept aussehen?

Da geht es um unser Zusammenleben miteinander, die Verständigung im Bereich der Sprache. Da geht es um Ausbildung und Arbeit. Da geht es um Zusammenleben im Wohnviertel bis hin zur politischen Beteiligung - Bürgerinnen und Bürger also Einbürgerung. Ich füge noch eine weitere Rahmenbedingung hinzu. Natürlich haben wir dabei auch deutlich zu machen, was sind die Werte. Was ist unser Vertrag im Zusammenleben im Bezug auf grundlegende Werte und Normen. Dazu gehört der Wunsch nach Zusammengehörigkeit. Aber auch die Bereitschaft auf beiden Seiten, weder sich selbst auszugrenzen, noch andere auszugrenzen.

Frau Süssmuth, Sie haben sich sowohl in nationalen wie in internationalen Kommissionen und Arbeitsgruppen für das Thema "Migration und Integration" engagiert; was bewegt Sie an diesem Thema, dass Sie sich so lange und intensiv damit beschäftigen?

Ein grundsätzliches Anliegen in meinem politischen Leben ist stets gewesen, wie vermeide ich Ausgrenzung. Ob das nun die Frauen sind oder ob das bestimmte Gruppen sind. Wie halte ich eine Gesellschaft zusammen? Die zentrale Frage für mich ist allerdings, wird es uns im 21. Jahrhundert gelingen, die Vielfalt der Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Ethnien in einem friedlichen Miteinander zusammen zu führen. Und das in Europa und außerhalb Europas zu leben. Oder enden wir im Gegeneinander, im "Kampf der Kulturen". Das ist ein Anliegen von lokaler, nationaler, europäischer und weltweiter Bedeutung.

Dieses Interview wurde von Klaus Fechner im Auftrag des Deutschen Taschenbuch Verlags im Dezember 2006 geführt.

NEWS

NEWS
19.06.2015
Rita Süssmuth im NDR Fernsehen
Rita Süssmuth wird am Freitag, 3. Juli, mit ihrem Buch "Das Gift des Politischen" (ISBN 978-3-423-28043-3) zu Gast in der Talkshow „Bettina und Bommes“ (NDR Fernsehen, 22 Uhr) sein.
Durch die Sendung führen Bettina Titjen und Alexander Bommes.

mehr zum Buch
dtv in den Medien
28.05.2015
26.5.2015: Rita Süssmuth zu Gast bei Volle Kanne (ZDF)
Am 26. Mai 2015 war Rita Süssmuth zu Gast bei Volle Kanne (ZDF).

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Alle Bücher von Rita Süssmuth

1 Titel
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Rita Süssmuth

Das Gift des Politischen

Gedanken und Erinnerungen

Die Autobiografie einer der profiliertesten Politikerinnen der Bundesrepublik und die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau.

Erhältlich als: Hardcover, E-Book

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