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Susanne Fritsche

Susanne Fritsche, geboren 1979 in Altenburg/ Thüringen, studierte Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar. Dieses Buch ist ihre Diplomarbeit, mit der sie den Studiengang abgeschlossen hat. Susanne Fritsche lebt in Weimar.

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Interview

»Ich glaube, dass ich als Kind schon ein Gefühl dafür hatte, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht.« - Susanne Fritsche im Interview mit Susanne Krones (dtv)

Die DDR ist Geschichte, Kinder und Jugendliche kennen sie nur noch vom Hörensagen. Was sollten junge Menschen trotzdem über sie wissen - und warum?

Junge Menschen sollten die Geschichte ihres Landes kennen, und für uns gehören eben auch die Entwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und die Geschichte der DDR dazu. Es ist wichtig, dass junge Menschen lernen, Ereignisse kritisch zu bewerten und eine Diktatur von einer Demokratie zu unterscheiden. Zum anderen ist es wichtig für die eigene Identitätsfindung, sich mit dem Land, in dem man lebt, auseinanderzusetzen.

In Ihrem Buch ›Die Mauer ist gefallen‹ verbinden Sie Ihre eigene Kindheit mit der Geschichte der DDR. War es schwierig für Sie, eine Balance zu finden zwischen der subjektiven, sehr persönlichen Erinnerung an Ihre Kindheit und dem Anspruch, die Geschichte eines Landes sachlich und objektiv abzubilden?

Die Struktur des Buches hat sich sozusagen von selbst ergeben, da ich gleichzeitig gestaltet und geschrieben habe, das Buch ist mehr oder weniger beim ›Machen‹ entstanden. Nach vielen Gesprächen und einigen Spaziergängen hatte ich die ungefähre Struktur im Kopf und fing an diese Gedanken umzusetzen. Während der Arbeit habe ich natürlich hinterfragt, wo ich welche Gedanken unterbringen möchte und wo das Gewicht liegen würde. So ist dann das fertige Buch entstanden. Eine reine Objektivität kann es nicht geben, da man schon allein durch Auswählen und Weglassen eine Richtung vorgibt. Ich habe jedoch versucht, mich nicht auf eine Sichtweise festzulegen und zum Nachfragen anzuregen, da sich das Bild der DDR aus vielen Fakten und Geschichten zusammensetzt.

Öffentliche Debatten über die DDR-Vergangenheit sind immer noch spannungsgeladen. Wie haben Sie die Reaktionen auf Ihr Buch erlebt?

Die Reaktionen auf mein Buch waren sehr unterschiedlich, was natürlich mit den verschiedenen Erfahrungen der Menschen zu tun hat. Ich finde es sehr spannend, da man merkt, dass jeder seine eigene Geschichte zu erzählen hat, welche jeweils mehr oder weniger von der Sicht auf die DDR geprägt ist. Am Ende muss sich jeder sein eigenes Bild über die DDR und heutzutage vor allem über die Unterschiede zwischen Ost und West machen. Diese Unterschiede, die ihren Ursprung in der Geschichte des geteilten Deutschlands haben, wird es noch eine Weile geben.

Kann man sich überhaupt objektiv erinnern? Gibt es die ›eine Wahrheit‹ über die DDR?

Man wird sich wohl nie objektiv erinnern, an kein Ereignis der Geschichte. Ich denke nicht, dass irgendjemand den Anspruch erhebt, die ›wahre‹ Geschichte der DDR zu kennen und zu erzählen. In meinem Buch versuche ich zu zeigen, dass es eine subjektive Erinnerung gibt, die sich stark an den Fakten der Geschichte orientiert. Ich versuche den Kindern und Jugendlichen Begriffe an die Hand zu geben, anhand derer sie Fragen stellen und sich so ihr eigenes Geschichtsbild erarbeiten können.

Ihr Buch ist reich bebildert: Alltagsgegenstände, Spielzeug, Pressebilder, Zeitungsausrisse und natürlich die Mauer gibt es zu sehen. Was waren Ihnen Bilder so wichtig für das Buch?

In meinen Lesungen haben mich die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel immer wieder gefragt, wie die Mauer aussah. Da konnte ich ihnen die Abbildung in meinem Buch zeigen. Oder manche ehemaligen DDR-Bürger haben ihre Pionierausweise, Halstücher und FDJ-Blusen und damit auch einen Teil ihrer Vergangenheit, damals entsorgt. Heute ist mancher froh, wenn er seinem Kind oder Enkelkind zeigen kann, wie das damals aussah. Diese Bilder und Gegenstände sind ein Teil der Erinnerung und versuchen, die DDR zu illustrieren.

Ein Rezensent bringt das Buch auf die Formel: »Diktatur bekommt ein Gesicht, Demokratie auch.« Wenn Kinder und Jugendliche zum ersten Mal diesen Begriffen begegnen, sind es für sie zuerst leere Worthülsen, abstrakte Begriffe eben. Sie waren zehn, als die Mauer fiel. Hatten Sie damals schon ein Gefühl dafür, wie fundamental der Unterschied zwischen den beiden Staatsformen, die sich nun ablösten, war? Oder hat erst die Recherche für das Buch und die Arbeit daran die Gesichter von Diktatur und Demokratie für Sie scharf gestellt?

Ich glaube, dass ich als Kind schon ein Gefühl dafür hatte, das hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, man hat schon eine gewisse Ahnung. Natürlich habe ich mich damals nicht bewusst mit Diktatur und Demokratie auseinandergesetzt, und ich habe im Alter von zehn Jahren auch noch nicht wirklich begriffen, dass da zwei deutsche Staaten mit unterschiedlichen Systemen nebeneinander existierten. Allerdings kann ich mich noch genau an die Bilder vom Herbst '89 im Fernsehen erinnern und noch heute habe ich ein komisches Gefühl im Bauch, wenn ich diese Bilder sehe. Die Wendezeit brachte sehr viel Unsicherheit mit sich. Verstanden habe ich erst später und aus meinem Gefühl ergab sich indirekt auch der Wunsch, ein Buch über das Thema DDR zu schreiben und selbst mehr zu erfahren. Für mich war es der richtige Ansatz, die Geschichte der DDR aus dem Blickwinkel des Vergleichs von Diktatur und Demokratie zu betrachten.

Ost-West-Gegensätze: Gibt es die noch in der Generation derjenigen, die zehn Jahre oder jünger waren, als die Mauer gefallen ist?

Ich bin geprägt von zehn Jahren Kindheit in der DDR und danach von der Entwicklung in Ostdeutschland. Natürlich gibt es da Unterschiede. In der Idee meines Buches steckt allerdings drin, dass ich diese Unterschiede auch als regional bedingt sehen möchte. Der Titel meiner Diplomarbeit war »Die Mauer stand irgendwo zwischen Norden und Süden«. So lange es die Bezeichnungen Ost und West gibt, werden sich die Menschen mehr oder weniger stark mit dem jeweiligen Teil identifizieren. Im Allgemeinen kann ich aber sagen, dass es in meinem Freundeskreis nicht wichtig ist, in welchem Teil Deutschlands man aufgewachsen ist, nur manchmal stellt man eben fest, welche Erfahrungen man gemeinsam gemacht hat oder nicht.

Was ist Freiheit?

Freiheit ist für mich Selbstbestimmung. Ich möchte frei entscheiden können, wie ich mein Leben gestalte.

Alle Bücher von Susanne Fritsche

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Susanne Fritsche

Die Mauer ist gefallen

Eine kleine Geschichte der DDR

Heutige Kinder und Jugendliche haben die DDR nicht mehr erlebt. darum muss man ihnen erzählen, wie sie gewesen ist. Die Geschichte der DDR aus der Sicht einer jungen Ostdeutschen, erzählt für junge Leser.

Erhältlich als: Taschenbuch
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