Portrait des Autors W. Daniel Wilson

W. Daniel Wilson

Prof. Dr. W. Daniel Wilson, gebürtiger Amerikaner, ist Professor of German an der University of London. Er hat diverse Veröffentlichungen zu Goethe vorgelegt, in wissenschaftlichen Verlagen, aber auch bei dtv: ›Das Goethe-Tabu. Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar‹ (1999).

Veranstaltungen

Bayreuth, 05.11.2018

Lesung mit W. Daniel Wilson

W. Daniel Wilson »Der Faustische Pakt «
Datum:
Montag, 05.11.2018
Zeit:
19:00 Uhr
Ort:
Alexander-von-Humboldt-Kulturforum | Landrätesaal der Regierung von Oberfranken
Ludwigstraße 20
Weimar, 06.11.2018

Lesung mit W. Daniel Wilson

W. Daniel Wilson »Der Faustische Pakt «
Datum:
Dienstag, 06.11.2018
Zeit:
19:00 Uhr
Ort:
Goethe- und Schiller-Archiv
Jenaer Str. 1
Freiburg, 09.11.2018

Lesung mit W. Daniel Wilson

W. Daniel Wilson »Der Faustische Pakt «
Datum:
Freitag, 09.11.2018
Zeit:
18:00 Uhr
Ort:
Universität Freiburg | Kollegiengebäude | Hörsaal 1015
Platz der Universität 3

Interview

Unter Verdacht. Interview mit W. Daniel Wilson

Herr Wilson, Sie beschäftigen sich im ›Goethe-Tabu‹ mit der politischen Tätigkeit Goethes. Welche These steht im Mittelpunkt des Buches?


Es geht hier nicht nur um Goethe, sondern um den Staat Sachsen-Weimar-Eisenach, als Goethe neben dem Herzog der mächtigste Politiker war. In Weimar wurden nicht nur durch Goethe, aber auch durch ihn - Rede- und Meinungsfreiheit unterdrückt, potentielle Gegner eingeschüchtert und überwacht und Menschenrechte auf andere Weise verletzt. Es gab in Sachsen-Weimar viel mehr politische Konflikte, als bisher bekannt war. Das wurde aber durch das damals schon vorhandene und bis heute nachwirkende liberale Image des Herzogtums in der Öffentlichkeit verdeckt.

Wie wurden politische Konflikte von der Weimarer Regierung behandelt?

Die in Kommunen organisierten Bauern verteidigten am hartnäckigsten ihre Rechte und waren daher schwer einzuschüchtern, aber da sie nicht schriftgewandt waren, konnten sie hart bestraft werden, ohne daß die Sache in die Druckmedien gelangte (man griff auch zum alten Trick, den Schreiber ihrer Eingaben zu bestrafen). Die Intellektuellen hingegen, die Zugang zur Presse hatten, mußte man vorsichtiger und raffinierter behandeln: Man schüchterte sie auf lächerlich einfache Weise ein, so daß sie Selbstzensur ausübten.

Worin unterscheidet sich Ihr Buch von den bisherigen Veröffentlichungen zu diesem Thema?

Es gab bisher nur ganz wenige Artikel, die Teilaspekte des Themas von meinem Buch am Rande behandelt haben, aber eine richtige Untersuchung zu diesem Thema gab es bisher überhaupt nicht. Ich habe auf Grund von erschöpfender Archivarbeit neue Aspekte politischer Auseinandersetzungen und auch von Goethes Leben zu Tage gefördert.

Welches Quellen-Material haben Sie verwendet?

Ich habe hunderte von Akten aus der Arbeit des Geheimen Consiliums, dem Goethe angehörte, im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar durchforstet. Dort habe ich auch zahlreiche ungedruckte Briefe, Finanzunterlagen, Fourierbücher und dergleichen verwendet. Daneben habe ich Material aus anderen Archiven verwendet, auch dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Und schließlich habe ich vernachlässigte Druckquellen benutzt. In der Hauptsache stammt das Material jedoch aus dem Staatsarchiv.

Wolfgang Rothe hat bereits im vergangenen Jahr über den »politischen Goethe« ein Buch veröffentlicht. Kennen Sie das Buch?

Ich habe das Buch angelesen; es scheint eine begrüßenswert kritische Perspektive auf den Politiker Goethe zu enthalten, die längst überfällig ist. Aber Rothe behandelt - auf Grund von bekannten Druckquellen - nur Goethes politische Ansichten, nicht sein amtliches Handeln - oder dieses nur insofern es aus den publizierten amtlichen Schriften Goethes erschlossen werden kann, die aber weniger als 5 Prozent der dokumentarisch überlieferten amtlichen Tätigkeit Goethes in den neun intensivsten Jahren seiner Mitwirkung im Geheimen Consilium ausmachen. Und auch die gedruckten »Amtlichen Schriften« schöpft Rothe keineswegs aus. Ohne aus Archivstudium erlangte Kenntnis der politischen Konflikte in Sachsen-Weimar gelangt Rothe auch zu einseitigen Interpretationen dichterischer Werke mit politischen Inhalten - in diesen spielten die Unruhen und Konflikte in Weimar eine größere Rolle, als bisher bekannt war.

In der deutschen Presse wurde mehrfach im Zusammenhang mit dem ›Goethe Tabu‹ Goethe als »IM« bezeichnet. Ist dieser Vergleich zulässig?

Das geht auf die übliche Sensationalisierung durch die Medien zurück. Ich selbst habe Goethe nie so dargestellt.

Im Wallstein-Verlag ist gerade ein weiteres Buch von Ihnen erschienen. Wovon handeln die »Unterirdischen Gänge«?

Ich untersuche in diesem Buch zum ersten Mal ausführlich die frühe Freimaurertätigkeit Goethes (1780-1782) in ihrem Kontext. Darin untermauere ich meine schon früher aufgestellte These, Goethe und Herzog Carl August seien 1783 nur zum Zweck der Überwachung dem Illuminatenorden beigetreten. Ich vertiefe hier diese These durch Untersuchung der vielfältigen Verdachtsmomente, die auch schon bei der Aufnahme Goethes und des Herzogs in die Freimaurerei bestimmend waren. Damit ist eine eindeutige Strategie der Überwachung und Verfolgung von Geheimgesellschaften in Sachsen-Weimar von den 1760er Jahren - also noch vor Goethes Übersiedlung nach Weimar - bis ins 19. Jahrhundert nachgewiesen. Goethe war nie engagierter Freimaurer oder Geheimbündler, sondern sah sie grundsätzlich mit Mißtrauen und hatte fast ausschließlich im Sinne seines amtlichen Wirkens Kontakt mit ihnen. - Die Ergebnisse in »Das Goethe-Tabu«, zumal zur Überwachung mißliebiger Untertanen in Weimar, ergänzen und unterstützen diejenigen in »Unterirdische Gänge« und umgekehrt.

Alle Bücher von W. Daniel Wilson

1 Titel
Ansicht
W. Daniel Wilson

Der Faustische Pakt

Goethe und die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich

Eine umfassende Darstellung der Geschichte der wichtigsten deutschen Literaturgesellschaft im Dritten Reich.

Erhältlich als: E-Book, Hardcover

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