1001 Nachtschichten

Buchempfehlung von Caroline Schneiderbauer, dtv Lektorat Klassik

Dass Migration in diesen Zeiten ein Thema ist, das uns alle in irgendeiner Form berührt, wissen wir nicht erst seit Thilo Sarrazin. Aber dass man sich der Materie auch mit einer ordentlichen Portion Humor nähern kann, überrascht nicht nur, sondern begeistert. Was Osman Engin in seinem achten Buch über Osman, den Vorzeigetürken – pardon! Bürger mit Migrationshintergrund –, aus dem Hut zaubert, macht neugierig auf »die andere Seite des Döners« (Die Welt):

Da gibt es zum Beispiel den ausbeuterischen Arbeitgeber Viehtreiber, der der Wirtschaftskrise entgegenwirken will, indem er alljährlich eine »Säuberungsaktion« in Halle IV durchführt und seinen Mitarbeiten eine »Abschiedsurkunde« überreicht. Dieses Mal soll Osman an der Reihe sein. Das hat ihm gerade noch gefehlt, denkt sich Osman, der nach einem Wochenende in einer ungemütlichen Schwerter Gefängniszelle zurück nach Bremen gekommen ist. Absurderweise war er unter Mordverdacht geraten – und dabei hatten er und seine Frau doch eigentlich nur die Tote in der Wohnung eines zufällig verreisten ehemaligen Arbeitskollegen gefunden! Sein Schicksal als Knastbruder und Hartz-IV-Empfänger scheint besiegelt. Doch just in dem Moment, als ihm seine Kündigung mitgeteilt werden soll, verplappert sich Osman und plaudert polizeiliche Ermittlungsergebnisse aus. Meister Viehtreiber kann es daraufhin kaum erwarten, die Lösung der Mordstory zu erfahren. Osman wittert seine Chance, der anstehenden Entlassungswelle zu entgehen: Wie Scheherazade aus Tausendundeiner Nacht verstrickt er seinen Vorgesetzten jeden Tag aufs Neue in eine spannende Geschichte – ohne ihm den Schluss zu verraten.

Eingebettet in Osmans Detektivarbeit und Mordermittlung – schließlich muss er den wahren Mörder finden! –  erfährt der Leser  nicht nur von seinen schrägen Nachbarn, die wie auf dem Laufsteg einen deutschen Stereotypen nach dem anderen vorführen, sondern auch von den alltäglichen Freuden und Leiden des Familienlebens bei den Engins und den Missverständnissen, mit denen er aufgrund seiner Herkunft laufend konfrontiert wird.

Osman Engin verarbeitet beispiellos Vorurteile, Klischees, Klamauk, Spannung und türkische-deutsche Zutaten in seiner »ironiedrallen Prosaküche« (Die Welt) zu einem wohlschmeckenden Eintopf und verführt dazu, mehr von unseren Nachbarn erfahren zu wollen als ein Rezept für Döner und Börek.

Wer dennoch auf den Geschmack gekommen, die fantasievollen Rezepte von Osmans Ehefrau zu probieren, der findet hier einige Anregungen.

Caroline Schneiderbauer, dtv Lektorat Klassik

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