Spurensuche

Buchempfehlung von Agnes Hirschi und György Dalos

»Vergangenheit und Gegenwart werden miteinander verwoben: Die Geschichte, in der nach sechzig Jahren die dramatischen Ereignisse im Kriegswinter 1944/45 in Budapest wachgerufen werden, hat mich gerührt. Der Autor, damals vierzehn Jahre alt, schlägt sich mit seiner um zwei Jahre jüngeren Freundin unter Lebensgefahr und großen Entbehrungen durch. Er verknüpft seine persönlichen Erlebnisse mit der Geschichte seines Retters, des Schweizer Diplomaten Carl Lutz.«

Agnes Hirschi, die Stieftochter des damaligen Schweizer Vizekonsuls in Budapest Carl Lutz, zeigt sich tief beeindruckt von Iván Sándors Roman. Im Budapest von heute macht er sich auf die Suche nach Spuren der Vergangenheit: Als Jugendlicher floh er in der umkämpften Stadt vor den Suchtrupps der Pfeilkreuzler, der ungarischen Nationalsozialisten, um den todbringenden Märschen zum Arbeitsdienst nach Deutschland zu entgehen. Er verbarg sich in Kellern und suchte Zuflucht in sogenannten Schutzhäusern. Dass er auf seiner Flucht auch immer wieder Carl Lutz begegnete, wurde ihm erst Jahrzehnte später klar. Die Verknüpfung seiner bewegenden Erlebnisse mit dem Schicksal von Carl Lutz, der auf eigenes Risiko mehrere Zehntausend Budapester Juden vor der Deportation bewahrte, verleiht dem Roman historische Tiefe. Auch der ungarische Schriftsteller György Dalos hält Iván Sándors Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für ein wichtiges Zeitdokument:

»Iván Sándor gelingt es in diesem Roman, längst vergangene Zeiten mit einer Gegenwart zu verbinden, die sich scheinbar immer schwieriger einer der größten Katastrophen der modernen Geschichte, des Holocausts, vergewissern kann. Kindergesichter, Straßenecken. zerbombte Häuser, halbe Phrasen, Spuren der postmodernen Bautätigkeit – alles dient ihm dazu, die präzise und einprägsame Erinnerung gegen das wachsende Vergessen einzusetzen.«

Text: Hella Reese, Lektorin

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