Ali Mitgutsch mit Ingmar Gregorzewski: Herzanzünder

Eine Empfehlung von Rosemarie Mailänder, dtv Lektorat Sachbuch

Ali Mitgutsch: Herzanzünder
Ali Mitgutsch, Jahrgang 1935, ist ein Kriegskind. Damals hat ihm die Fantasie geholfen, später kam der Humor dazu. In ›Herzanzünder‹ blickt er zurück auf seine Erfahrungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. Wie in einem Wimmelbild sind in diesem berührenden Lebensrückblick viele traurige und komische Geschichten zu einem großen Bild vereint. Sie wurden aufgeschrieben von seinem Freund Ingmar Gregorzewski.

Von oben hat man den schönsten Blick: Menschen laufen über den Platz, kommen zu Gruppen zusammen, lösen sich wieder auf, Kinder jagen hintereinander her, ein Mann zieht einen voll beladenen Karren, eine Frau kauft Obst an einem Stand, eine andere hat ihre Einkaufstasche fallen gelassen und sammelt nun den Inhalt der Tüten ein, zwei Mädchen werfen sich einen Ball zu, ein Junge klettert einen Laternenpfahl hinauf – alles passiert gleichzeitig in diesem unglaublichen … Gewimmel, das der kleine Ali Mitgutsch vom Riesenrad aus registriert und das später, als er seine unverwechselbaren Bilderbücher kreiert, zu seinem Markenzeichen werden soll.

Ali Mitgutschs Schreibtisch
Hier entstehen die Wimmelbücher: Ali Mitgutschs Schreibtisch

Nun hat uns Ali Mitgutsch zu seinem 80. Geburtstag ein ganz besonderes Wimmelbild geschenkt, eines, in dem er die unterschiedlichsten Erinnerungen an seine (Kriegs-) Kindheit vor uns ausbreitet und all das lebendig werden lässt, was seine Phantasie einst beflügelte: Mutters »G’schichterln« etwa, die über die langweiligen Wallfahrten hinwegtrösten sollten, die täglichen Spiele in den unterirdischen Kellerlandschaften Schwabings oder in den Schuttbergen und zerbombten Häusern, bei denen ihm allerlei gruselige Fundstücke (zwanzig Glasaugen, fein säuberlich in ein Kästchen gebettet) oder haufenweise Mutterverdienstkreuze in die Hände fielen, die er dann geschäftstüchtig bei amerikanischen Soldaten (»Hau du ju du?«) gegen Bitterschokolade und Kaugummi einzutauschen wusste, oder das unverhofft aufgetauchte Malzbonbon, das so begehrt war, dass er es mit anderen teilen musste. Wie? Nun, er lutschte ein paar Mal genüsslich daran, »wusch« es dann im Schnee und gab es an den Nächsten weiter.

Ali Mitgutsch bein Zeichnen
Ali Mitgutsch bein Zeichnen – der Damenwelt aus seiner Jugend sei Dank

Nein, an Phantasie fehlte es Ali Mitgutsch gewiss nie, und so machte er einmal mehr aus der Not eine Tugend – als Legastheniker mit einer »saumäßigen Orthografie« musste er, der 14-jährig noch immer ungeküsst war, sich schließlich etwas einfallen lassen, um bei der Damenwelt mit kunstvollen Liebesbriefen punkten zu können. Und tatsächlich sagten Blumenranken und andere hübsche Verzierungen mehr als tausend Worte: Hildegard, Thea und Ria begleiteten ihn, den Herzanzünder, nur allzu gern ins dunkle Kino …

Ein wunderbares, generationenübergreifendes, herzerwärmendes Wimmelbuch.

Herzanzünder ist als Hardcover und eBook erhältlich:

Ali Mitgutsch, Ingmar Gregorzewski
Herzanzünder
Ali Mitgutsch, Ingmar Gregorzewski
Herzanzünder

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