Alice Huth

Volontärin

Einundfünfzig Schritte

»Einundfünfzig Schritte über den Hof … Dreiundvierzig brauche ich zu der Schreinerei meines Vaters, noch lieber lief ich aber in die Küche zu meiner Mutter; hin brauchte ich nur halb so viele wie für den Rückweg.«

Ein Junge misst seine Schritte, beziffert seine Stunden und Erlebnisse. Seine schöne Mutter, die sich für den Kirchgang schminkt, nachts weint und unverständliche Worte murmelt, hat ihm dazu geraten. Das Maß seiner Schritte gibt dem Kind den Takt vor. Es hilft ihm, seine Welt zu ordnen, und die Distanz zur rätselhaften, unnahbaren Mutter zu bannen.

Christopher Kloebles meist kindliche oder noch junge Protagonisten eint die Erfahrung des »Anderen«, Fremden und Unverständlichen. Sie straucheln, kommen wieder auf die Beine und finden manchmal einen Weg – im Zählen, Schreiben oder Klavierspielen, – ihre Welt neu zu gestalten. Ihnen gelingt, was dem erwachsenen Leser schwierig vorkommen mag: das Unberechenbare in den Alltag zu integrieren.

Mit seinen Erzählungen ruft uns Kloeble ins Gedächtnis, wie geheimnisvoll die Welt zu sein schien: Damals, als Schritte- und Steine-im-Kopfsteinpflaster-zählen etwas Vertrautes war, Zeitvertreib und Schutzzauber.

Schön, dass es Autoren gibt, die Realitäten schaffen, in denen »jedes Wort ein Schritt ist, und jeder Schritt die Zeit bewegt«.

Alice Huth

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