›Alicia jagt eine Mandarinente‹ von Angelika Jodl

Persönliche Leseempfehlung

››Wenn ein Drache steigen will, muss er gegen den Wind fliegen.‹‹

(Altes chinesisches Sprichwort)

Alicia und Theo, Didi und Gregor, zwei befreundete Paare in den Vierzigern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als Gregor stirbt, verändert sich die Dynamik des Gespanns, denn insgeheim war er der Mittelpunkt der Gruppe – ein Charmeur und Hallodri. Im Andenken an ihn brechen die drei zu einer Reise nach China auf, jeder mit der eigenen Art und Weise, an die täglichen Herausforderungen heranzugehen.

Nach ›Die Grammatik der Rennpferde‹ folgt mit ›Alicia jagt eine Mandarinente‹ ein neuer, wunderschöner Titel von Angelika Jodl. Es geht dabei um eine Freundschaft, die sich verändert, als ein Gruppenmitglied, wenn nicht sogar DAS Gruppenmitglied, tödlich verunglückt. Auch in der Covergestaltung symbolisch umgesetzt: Gregor war das Zugpferd und hat die Gruppe zusammengehalten. Jeder der anderen drei hatte seine eigene, persönliche Geschichte mit ihm, die ihn aber stets als Charmeur und Hallodri darstellt. Deswegen ist die Reise durch China nicht nur ein Andenken an ihn, sondern auch ein Bewusstwerden über die Freundschaft, über die Beziehung zu Gregor und über sich selbst. Obwohl es eine Reise in die Ferne ist, ist es doch auch eine zu sich selbst. Das Buch wird aus der Sicht vieler Menschen beschrieben, den genannten Protagonisten, aber auch Menschen, die ihnen in China über den Weg laufen. Die kulturellen Unterschiede sind frappierend und lassen Alicia und ihre Freunde häufig straucheln. Das Aufeinanderprallen vermittelt aber auch ein Gefühl von elektrisierender Lebendigkeit, fast so, als könnte man in China zugleich alles und nichts sein. Auch wenn die Protagonisten suchen, finden sie am Ende doch vor allem zu sich selbst – sicher ein Umstand, mit dem sie zuerst nicht gerechnet haben. Die Überschneidung chinesischer und deutscher Mentalität mitzuerleben macht Spaß, denn im Grunde kann man hier vor allem eins lernen: Staunen. Sich der Welt zu öffnen, wie sie ist. Das besondere Tüpfelchen des Buches ist natürlich vor allem auch die Verbindung der Autorin Angelika Jodl zu dem Land China: Denn dort ist ihr Adoptivsohn Che aufgewachsen und hat für sie deshalb noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. Dieses Buch ist warmherzig und hat mich als Leserin sehr berührt. Den Wandel der Freundschaft, die Konflikte untereinander, aber auch die tiefen Gefühle unter den Freunden mitzuerleben hat sehr viel Spaß gemacht. Denn eine Freundschaft muss nicht perfekt sein, sondern vor allem echt.

Diesem Buch wohnt ein Zauber inne, denn hier treffen nicht nur kulturelle Unterschiede aufeinander, sondern auch Differenzen in Freundschaften, die jahrelang unausgesprochen bleiben und plötzlich hervorbrechen, wenn sich die Dynamik ändert. Fantastisch, berührend, vor allem aber wegweisend.

Dieses Buch ist für den Leser nicht nur eine Reise in ein entferntes und fremdes Land, sondern auch eine zu sich selbst.

Eine Empfehlung von Samantha, dtv-Online-Redaktion

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