Alles still auf einmal

Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich so berührt hat und so lange nachwirkt wie ›Alles still auf einmal‹ von Rhiannon Navin. Und als kleine Warnung vorab: Man sollte diesen Roman besser nicht in der U-Bahn oder im Bus lesen, wenn man nicht vor Publikum mit den Tränen kämpfen möchte. Eine hochemotionale Geschichte um Verlust und Trauer, aber auch darüber, wie man wieder ins Leben zurückfindet.

Erzählt wird das Buch von Zach, einem sechsjährigen Jungen, an dessen Schule das Unfassbare geschehen ist: Ein Amokläufer tötete mehrere Menschen, darunter auch seinen älteren Bruder Andy. Zachs Familie schwankt zwischen Schock, Verzweiflung, Ohnmacht, tiefer Trauer und Wut. Seine Mutter setzt alles daran, einen Schuldigen auszumachen, gründet eine Selbsthilfegruppe und hetzt gegen die Eltern des Amokläufers. Zachs Vater zieht sich eher zurück. Darüber verliert sich die Familie beinahe und droht an dem traumatischen Erlebnis zu zerbrechen. Und mittendrin: Der kleine Zach.

Er findet seinen eigenen Weg, mit dem Verlust seines Bruders umzugehen. In seinem Geheimversteck – in Andys Zimmer – fühlt Zach sich seinem Bruder nahe, liest ihm vor, erzählt von seinem Alltag. Und er versucht, seine Gefühle zu verstehen und zu sortieren. Also malt er Blätter in verschiedenen Farben an: Grau steht für traurig, Rot für Schämen, Schwarz für ängstlich, Grün für wütend (er muss dabei immer an den grünen Hulk denken) und Gelb für glücklich.

»Und welche Farbe für Einsam? Einsam muss eine durchsichtige Farbe sein […]. Wenn man einsam ist, dann ist das, als ob man für andere Leute unsichtbar ist, aber nicht gut unsichtbar, wie ein Superheld, sondern traurig unsichtbar.«

Zach denkt viel darüber nach, wie das so ist mit dem Totsein und stellt den Erwachsenen viele Fragen, wie es nur Kinder tun können: Was ist eine Seele? Und ist die Seele des Amokläufers auch im Himmel? Kann sie möglicherweise Andys Seele dort begegnen und ihm immer noch wehtun?

Diese Fragen kommen mit so einer emotionalen Wucht daher, dass sie dieses Buch für mich zu etwas ganz Besonderem machen. Plötzlich ist er da: der Kloß im Hals. Trotzdem ist das Buch nicht düster, sondern voller Hoffnung und guter Gefühle, denn man spürt, wie der kleine Zach versucht, allen zu helfen, die er liebt.
Möge es ihm gelingen.

Stephanie, Online-Redaktion

 

 

Rhiannon Navin
Alles still auf einmal

 

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