Blut für Wasser

Buchempfehlung von Annika Ernst

Durch einen Zufall stieß ich schon vor einiger Zeit auf den Debütroman einer kanadischen Umweltaktivistin. Und weil gerade Sommer war und obendrein Wochenende, nahm ich das Buch mit an die Isar. Einen Ökothriller versprach der kanadische Verlagstext, und was ich mir darunter vorzustellen hatte wurde ebenso rasch klar, wie dass ich kaum einen besseren Leseort für dieses Buch hätte finden können, als das Ufer der klaren, stetig dahinfließenden Isar. Denn im Mittelpunkt von Varda Burstys Thriller steht der Menschheit größter Schatz: frei zugängliches, sauberes Wasser.

Eine Gruppe Industriemagnaten aus den USA plant mit politischen Tricks und kalkulierten Geldversprechen, der kanadischen Provinz Quebec das Wasser abzugraben, um die verdorrtem, von Düngemitteln verseuchten Böden ihrer riesigen Agrarlandschaften zu bewässern, ohne jede Rücksicht auf das Ökosystem vor Ort. Als einige Umweltaktivisten davon Wind bekommen, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der rasch zu einem Kampf auf Leben und Tod wird.

Eine bösartige Utopie? Eine affektheischende Fiktion? Nein, leider in keinster Weise. Varda Burstyn zeigt mit dem Finger auf eine drohende Katastrophe, die ihre Anfänge bereits genommen hat. Schon heute leben Millionen von Menschen aufgrund wirtschaftlicher Armut und sich verändernder Klimaverhältnisse in lebensbedrohlicher Wasserknappheit. Dass sie ihre kargen Gärten oder gar Felder bewässern, ist unmöglich, das Wenige, was zu finden ist, wird als Trinkwasser benötigt. Jährlich sterben mehr als fünf Millionen Menschen an mangelnder Wasserversorgung. Zugleich ist der Markt für abgepacktes Wasser in der ersten Welt ein gigantischer. Obwohl bei uns das saubere Wasser im vermeintlichen Überfluss aus der Leitung kommt, geben wir Milliarden für den Ankauf von Mineralwasserflaschen (aus Plastik) aus, deren Produktion, Verbreitung und Entsorgung massive Umweltschäden hervorrufen und Ressourcen vernichten. 

Die Autorin von „Blut für Wasser“ erhielt für ihre fundierten Sachbücher zum Thema Umweltschutz zahlreiche Preise. Mit ihrem ersten Roman ist ihr allerdings etwas ganz Besonders gelungen. Varda Burstyn hat nicht nur einen enorm packenden Thriller geschrieben, bei dem man mit feuchten Händen um das Leben der Umweltschützer bangt, der vorsichtigen Liebesgeschichte der beiden Hauptpersonen die Daumen hält und ob der Skrupellosigkeit der Industrie rot vor Zorn wird. Burstyn zeigt auch, spannend und unterhaltsam verpackt, wie vielfältig unsere Umwelt und unser Ökosystem bedroht sind, und welche Verantwortung durchaus auch der Einzelne hat. Und welche Macht. Denn gut vernetzt durch das Internet gelingt es den wenigen Kleinen in Burstyn Roman, die Massen gegen die Großen zu mobilisieren.

In diesem Sommer wurde am 16. August die Weltwasserwoche ausgerufen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser war Thema der Expertengespräche in Stockholm, Fernseh- und Zeitungsbeiträge informierten über die Schutzbedürftigkeit der Quelle unseres Lebens.

Und soeben ist Varda Burstyns Roman auf Deutsch erschienen, und endlich können auch die hiesigen Leser dieser packenden, unterhaltsamen und zugleich spektakulären Geschichte folgen, ob an den Ufern der Spree oder der Donau, am Main, Rhein oder an der Isar.

Annika Ernst

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