Arjan Visser:
Der blaue Vogel kehrt zurück

Eine Empfehlung von Robert Kuba

Beinah 90 Jahre ist Jonah Jacobson alt, als er auf der Suche nach seiner Vergangenheit in seine Geburtsstadt Amsterdam reist. Dort ist er in unsteten familiären Verhältnissen aufgewachsen, war leidenschaftlicher Hobbyboxer und wurde eher zufällig Diamantenschleifer. Auf den letzten Drücker konnte er vor den Nazis nach Brasilien fliehen, Familie und Freunde waren da bereits deportiert.

IDer blaue Vogel kehrt zurückn Brasilien angekommen, stolpert er in glückliche Umstände hinein. Er trifft seine große Liebe, findet als Diamantensucher einen sensationellen Stein und lässt die Jahre verstreichen. An seine Vergangenheit denkt er lieber nicht, sieht er doch außer Verlust nichts Erinnernswertes.

Wäre da nicht Linda gewesen – seine Fluchthelferin aus Amsterdam –, die er unterwegs verletzt zurückgelassen hat. Das schmähliche Gefühl nagt an ihm, zumal Linda wahrscheinlich eine gemeinsame Zukunft vor Augen hatte. Als Wiedergutmachung schickt er ihr anonym den größten Teil seines spektakulären Fundes – aber damit  ist es noch nicht getan. 

Hochbetagt also möchte er mit der Reise nach Amsterdam – die sich als seine letzte entpuppen wird – sein Leben »in Ordnung« bringen. In seinem Unterbewusstsein steuert er auf eine Begegnung mit Linda zu. Ein kapitaler Schwächeanfall mit folgenschwerem Sturz bringt ihn allerdings vorher ins Krankenhaus. Dort führt er die teils reale, teils gedankliche Aufarbeitung seines Lebens zwischen Wachsein und Trance auf einer anderen Ebene fort. Er entschwindet mehr und mehr der körperlichen Welt, bevor er sich vollständig vom Irdischen löst.

›Der blaue Vogel kehrt zurück‹ ist ein wunderbares Buch, das den Leser die Lebensaufarbeitung und den Tod in hohem Alter bemerkenswert undramatisch, schmunzelnd und dafür umso tiefgreifender erfahren lässt.   

 

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