Asta Scheib: Das stille Kind

Buchempfehlung von Christiane Schmidt, freie Lektorin

Viele Eltern eines Kindes mit Asperger-Syndrom suchen Hilfe, finden solche vielleicht in einem der Ratgeber zu diesem Thema. Asta Scheib hat mit ihrer Erzählkraft und ihrem so bewundernswerten Einfühlungsvermögen etwas ganz anderes gemacht: Sie hat einen Roman über eine fünfköpfige Familie geschrieben, in dem das mittlere Kind, David, unter Autismus leidet.

Sie erzählt den Weg der Eltern von der Phase, diese Eigenheit ihres Kindes überhaupt zu sehen, bis dahin, in der Familie mit ihrem David gut leben zu können, ihm und allen anderen dabei gerecht zu werden. In dieser Geschichte können sich eine betroffene Mutter, ein betroffener Vater wiedererkennen und verstanden fühlen: in ihren ersten Ängsten und Zweifeln – was ist mit meinem Kind? -, die sie womöglich zunächst nur schwer sich selbst zugeben und mit dem Partner teilen können; in dem innere Widerstand gegen die Erkenntnis, dass das eigene Kind womöglich nicht »normal« ist; in dem Bedürfnis, das aufwachsende Wesen über alle Maßen zu schützen, und in den Fehlern, die man dabei macht. Die Lektüre dieses ungewöhnlichen Zugangs durch eine moderne Romangeschichte löst innere Spannungen und ermöglicht Dinge zu denken, die man sich sonst nur durch viele Kämpfe hindurch zugestehen möchte.

Das ist natürlich nur eine Seite von ›Das stille Kind‹ , aber eine wichtige. Die andere betrifft den eigenwilligen Ton dieser Schriftstellerin, die sich traut, Alltagssprache poetisch einzusetzen und den Leser auch dadurch unvermittelt erreicht.

Ich wünsche diesem Buch viele Leser, beziehungsweise umgekehrt: Ich wünsche vielen betroffenen Eltern, Großeltern, Freunden, dass sie zu diesem Buch finden und aus seiner Lektüre Mut schöpfen.

 

Christiane Schmidt, freie Lektorin

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