Bart Moeyaert:
Mut für drei

Eine Empfehlung von Julia Malik, dtv Lektorat Reihe Hanser

Mut für Drei

Es braucht eine Weile, bis aus einem Kind ein Leser wird. Lesenlernen ist eine Herausforderung  ̶  Buchstaben müssen zu Wörtern zusammengefügt werden, und langsam bildet man Sätze. Erstlesebücher für die Kleinen sind aber auch für andere eine Herausforderung: für die Autoren. Geschichten in einfacher Sprache zu schreiben, die Kinder weder unter- noch überfordern, verlangt viel Können. Gelingt es, wird im besten Falle Literatur daraus.

Der belgische Schriftsteller Bart Moeyaert hat mit ›Mut für drei‹ Geschichten fürs erste Lesen geschrieben. Da ist zum einen Rosie, die einen Brief auf der Türschwelle findet, der »an mein Herz« adressiert ist. Der Brief ist nicht für sie, auch nicht für die Mutter oder die Schwester, und neugierig steckt sie ihn ein, denn »der Brief wollte mit ihr mit«. Rosie ist aufgeregt, schließlich stammt der Brief vom »Mann deines Lebens«, und die Mutter sagt, es sei ein Liebesbrief. Ihn nur mal schnell öffnen und lesen, das will sie, und es ist schwer, standhaft zu bleiben.

Dann ist da noch Tom, der Streit mit seiner Mutter hat. Die Welt kann ihm gestohlen bleiben, und er macht sich auf in den Garten, um eine Grube zu graben für sich ganz allein: mit Tisch und Stühlen, und niemand darf rein, schon gar nicht die Mutter. Bis er einen Jungen trifft, der sich im Baum versteckt, und da ist seine Wut schon fast verflogen.

Die letzte Geschichte handelt von drei Freunden und der bösen Mona. Sie terrorisiert die Kinder auf dem Schulhof, schubst und beißt, und die viel jüngere Marta weiß nicht, was sie tun soll. Aber wie sich wehren gegen das übergroße Biest?

Es sind einfache kurze Sätze, die Bart Moeyaert für seine drei Texte gewählt hat: Je ein Satz steht in einer Zeile. Seine Kunst besteht darin, ihnen einen lyrischen Ton zu geben und sie zu Geschichten zu verbinden, die nachklingen und schon von »großen« Themen handeln. Moeyaerts Kinder stehen mitten im Leben. Was sie erleben, kennen auch seine kleinen Leser: dass man mal traurig ist, dass man ungerecht behandelt wird oder dass man etwas Verbotenes tun will. Die Helden in seinen Geschichten sind mutig, aber vor allem menschlich. Und am Ende können sie ihre Probleme lösen.

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler hat Bart Moeyaerts Geschichten behutsam ins Deutsche übertragen, Rotraut Susanne Berner setzt sie mit ausdrucksstarken lebendigen Zeichnungen ins Bild. So ist ›Mut für drei‹ ein Buch für Erstleser geworden, das anspruchsvoll unterhält. Es zeigt schon den Jüngsten, wie schön und poetisch Sprache sein kann und wie aufregend es ist, die ersten Schritte in der Welt des Lesens zu unternehmen. Literatur für kleine Leser? Sie ist möglich.

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