Ben Fountain: Die irre Heldentour des Billy Lynn

Eine Empfehlung von Veronika Moser, dtv Online-Redaktion

Die Fox News zeigen ein Video von der Irak-Front: Ein junger amerikanischer Soldat im feindlichen Kugelhagel versucht verzweifelt – und vergeblich -, das Leben seines Kameraden zu retten. In Dallas springt ein Zuschauer vor dem Fernseher spontan und voller Begeisterung in Cowboystiefeln auf den Schreibtisch und tanzt. Es war ein »wunderschöner Moment« für ihn, wird er dem jungen Soldaten namens Billy Lynn später erzählen, als sie sich persönlich treffen. Für Billy war es der Bruch seines Lebens, von dem an nichts mehr so sein würde wie davor.

Die irre Heldentour des Billy LynnBilly ist 19 und ein Held. Zusammen mit seinen Kameraden vom »Team Bravo« wurde er durch eben jenes Video landesweit zur Ikone des Krieges gegen den Terrorismus. Gerade noch an der Front im Irak werden sie deshalb für zwei Wochen durch die USA gekarrt – eine surreale Victorytour, deren Höhepunkt, ein Football-Spektakel an Thanksgiving, Ben Fountain in seinem Roman in grellen Details ausleuchtet.

Die überdrehte Verehrung und Dankbarkeit gegenüber den jungen Soldaten kollidiert dabei auf beklemmende Weise mit dem Trauma, das den Soldaten merklich in den Knochen sitzt. Während die Bilder in ihren Köpfen bestimmt sind von Tod, Gewalt und Schmerz, scheint der Krieg für die Landsleute in der Heimat vor allem eins zu sein: das Ende der Angst, die Bestätigung der amerikanischen Unverwundbarkeit – der Grund für eine Riesenparty! Die Idee zu seinem Roman kam Ben Fountain, als im Fernsehen eine Halbzeitshow lief, die auf ihn wirkte wie eine » irre Mischung aus Militarismus, Pop-Kultur und Soft-Porno«. Und so lässt er Billy neben Beyoncé auf der Bühne »performen«, eine instrumentalisierte Popfigur … und eine völlig deplatzierte Seele.

Durch Fountains unvergleichlichen Stil, eine scharfsinnige, durchaus philosophische Betrachtung der Geschehnisse, verpackt in einem lässigen, oft sehr unterhaltsamen Junge-Kerle-Slang, macht er den Irrsinn von Billys »Heldentour« hautnah fühlbar. Ein ergreifender, energischer Roman, der zu Recht schon jetzt als Meilenstein der amerikanischen Literatur gilt.

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