C. S. Forester:
Gnadenlose Gier

Eine Empfehlung von Eva-Maria Prokop, dtv Lektorat Klassik

Gnadenlose Gier

»Das Blut pulsierte heiß unter Morris‘ Haut, als er an seinem Tisch saß, den Rücken Harrison zugewandt, und über die Möglichkeit nachdachte, die ihm das Schicksal da bescherte. Es war ein erhabener, kreativer Augenblick – Morris befand sich, als er diesen Mord ersann, in demselben gesteigerten, übermenschlichen Geisteszustand wie ein Dichter im Schaffensrausch. Die Gedanken flossen ihm in klaren, dahineilenden Strömen durch den Kopf …«

Endlich ist er da, der zweite Krimi von C. S. Forester! Und wieder, wie in ›Tödliche Ohnmacht‹, dem Fundstück aus den 1930er-Jahren, liefert der Autor keinen Whodunit, sondern ein psychologisches Meisterwerk, das uns teilhaben lässt an den kranken Gedankengängen eines kaltblütigen Mörders.

Charlie Morris arbeitet in einer Londoner Werbeagentur. Er war es, der die Idee hatte, gemeinsam mit seinen Kollegen Oldroyd und Reddy das Angebot eines Grafikateliers verschwinden zu lassen – und dafür Bestechungsgeld vom Konkurrenten einzukassieren. Nun gibt es ein Problem: Harrison, der direkte Vorgesetzte der drei, weiß von der Sache und will die Männer beim Chef verpfeifen. Eine Katastrophe, da dies für den moralisch integren Chef Mr Campbell ein Kündigungsgrund für sie alle sein würde. Für den gewissenlosen Morris steht sofort fest: Harrison muss verschwinden, und zwar ehe dieser die Gelegenheit hat, mit dem Chef zu sprechen. Er schmiedet einen Plan, der aufgeht – und er macht sich Oldroyd und Reddy zu Komplizen. Damit scheint das Problem zunächst gelöst, doch nicht jeder hat so gute Nerven wie der abgebrühte junge Mann. Da muss wohl schon wieder jemand aus dem Weg geschafft werden. Ein guter Grund für Morris, mit dem Morden fortzufahren – das, wie er gesehen hat, eigentlich schrecklich einfach ist …

Ein unglaublich spannender psychologischer Kriminalroman im schaurig-schönen London der 1920er-Jahre.

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