Charlotte Inden:
Anna und Anna

Eine Empfehlung von Julia Malik, Lektorat dtv Reihe Hanser

Charlotte Inden: Anna und Anna
Sie heißen Anna und Anna und sind Großmutter und Enkelin. Was sie außer ihren Namen verbindet? Die Sehnsucht, das Briefeschreiben und ein Verhältnis, das so liebevoll und so ehrlich ist, dass sie für immer daran festhalten wollen.

Anna Bloom, die Jüngere, ist zu Beginn des Romans elf Jahre alt, am Ende dieser Briefgeschichte wird sie fünfzehn sein und schon einiges hinter sich haben. Vor allem aber die Oma blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Einst war sie Tänzerin und von Männern umschwärmt, heute ist sie verwitwet. Ihr linkes Bein hat man ihr kürzlich abgenommen, und unvollständig und einbeinig, aber mit viel Humor, geht sie durchs Leben.

Über ihre kleinen und großen Geheimnisse tauschen sich Anna und Anna rege aus, indem sie sich Briefe schreiben. Enkelin Anna erzählt der Oma darin von Jan, dem Schönen, Freundlichen, Wunderbaren. Nur ist Jan weggezogen und lebt seit Neuestem in Amsterdam. Wo soll man da hin mit seinen Gefühlen? Oma Anna hört zu und ist für die junge Anna da. Und auch sie vertraut dem Mädchen ein Geheimnis an. Es heißt Henri, und der lebt ebenfalls in Amsterdam, und Oma Anna verzehrt sich nach ihm, würde ihn am liebsten besuchen.

Dies ist der Beginn eines intensiven Hin und Her von Briefen und Nachrichten. Auch Jan und Henri schalten sich darin ein, und selbstverständlich gibt es eine Reise nach Amsterdam der beiden Annas und ein Wiedersehen mit den zwei Männern ihrer Träume.

Lustvoll, fröhlich, aber auch nachdenklich und mal wütend sind diese Briefe, die nichts aussparen, sinnlich, aufbrausend, liebevoll vom Leben erzählen und den anderen in ihrer zarten Sprache ernstnehmen und zum Freund machen. Enkelin und Großmutter gehen behutsam miteinander um und halten doch nie mit ihrer Meinung hinterm Berg. Einzigartig ist diese Beziehung zwischen der jungen und der alten Anna. Nicht auszumalen das Unglück, müssten sie darauf verzichten.

Ist ein Briefroman wie ›Anna und Anna‹ von Charlotte Inden heute noch zeitgemäß? Wir alle schreiben E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und SMS. Anna und Anna nehmen sich mehr Zeit für ihre Botschaften, weil es so schön und etwas Besonderes ist. Das mag ein bisschen altmodisch sein, aber Oma Anna ist schließlich nicht mehr die Jüngste, und Enkelin Anna ist ein Sehnsuchtskind, sprachverliebt und nach besonderem Zauber suchend. Beider Briefe entführen den Leser in das pralle Leben. Und sie machen noch mehr: Lust darauf, einem lieben Menschen zu schreiben. Ob einen handgeschriebenen Brief oder doch eine E-Mail, spielt da keine Rolle.

Charlotte Inden
Anna und Anna

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