Das Labyrinth der Wörter

Empfohlen von Ingrid Schlegel, Buchhändlerin

Wenn Sie nach Ende einer Lektüre als glücklicher Leser zurückbleiben wollen, dann lesen Sie ›Das Labyrinth der Wörter‹. Dieser Roman ist erfrischend wie ein Sommerregen und geht doch so zu Herzen, dass man die Protagonisten noch lange in Gedanken mit sich trägt.

Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter

Marie-Sabine Roger beschreibt liebevoll und charmant die Entwicklung einer Beziehung zwischen dem ungebildeten und einfachen Germain zu Margueritte, die im Gegensatz zu ihm belesen und kultiviert ist. Unterschiedlicher können zwei Menschen kaum sein, zumal Margueritte mit ihren 86 Jahren auch noch vierzig Jahre älter ist als Germain.

Germain und Margueritte lernen sich im Park beim Taubenzählen kennen und stellen zunächst fest, dass sie bis auf die Faszination des Taubenbeobachtens nicht viel verbindet. Germain ist nicht der Schlaueste, hat weder einen Schulabschluss noch einen festen Beruf und haust in einem Wohnwagen im Garten seiner verrückten Mutter. Wenn er etwas liest, dann sind es die Getränkepreise in seiner Stammkneipe oder die Namen auf dem Gefallenendenkmal im Park.

Margueritte – gebildet, elegant und weitgereist – hat stets ein Buch in ihrer Handtasche und beginnt, Germain für die Literatur zu begeistern.  Mit ihrer gewählten Sprache erklärt sie Germain Handlungsstränge und lehrt ihn somit Wörter, welche er in seinem Leben noch nie benutzte. Bisher hat er seine einfältigen Gedanken – sofern denn einmal welche in seinem Kopf auftauchten – so ausgesprochen, wie er es gelernt hat: in derben Wörtern und unzusammenhängenden Sätzen.

Doch Germain ist durchaus ein liebenswerter Trottel, der mit seiner schrulligen und unbeholfenen Art dem Leser ans Herz wächst. Und gemeinsam mit Margueritte freuen wir uns über jeden Fortschritt, den er macht und wünschen ihm, dass sein Abenteuer mit der Literatur gelingt.

Ingrid Schlegel (Buchhandlung Kape, Velbert)

 



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