Das Leben – unbedingt lebenswert

›Als ich aufwachte, war so sehr Montag, dass es wehtat‹ von Mikko Rimminen

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Das Leben = schwierig. Die Welt = undurchsichtig. Dennoch unbedingt einen Aufenthalt wert. Mikko Rimminen hat mit ›Als ich aufwachte, war so sehr Montag, dass es wehtat‹ eine aberwitzige Road Novel geschrieben. Mit feiner Feder poträtiert er die Randgestalten der Gesellschaft – mit all ihren liebenswerten und weniger liebenswerten Schrulligkeiten.

Ein dubioser Umzug

Inmitten der klirrenden Kälte der finnischen Pampa bekommt das ungleiche Brüderpaar Petteri und Lefa einen dubiosen Auftrag. Und das an einem Sonntag. Einem Tag, der für die Brüder normalerweise einzig und allein dafür da ist, allerlei nicht ganz legale Substanzen aus dem Körper auszudünsten. Petteri und Lefa sollen mit ein paar ›Breitkreuzen‹ (sagen wir mal: »Menschen, denen wir nachts nicht alleine begegnen wollen«) eine Wohnung ausräumen. Die Auftraggeberin: ihre zigarillorauchende Mutter, die im Hinterzimmer ihres Antiquariats ein als Umzugsfirma getarntes halbseidenes Vielzweck-Unternehmen leitet.

Irrwitzige Road Novel

Als beim ›Umzug‹ nicht nur der heiß geliebte Ford Transit der Brüder ein paar Dellen abbekommt, beschließen Petteri und Lefa, sich einige Tage aus der Schusslinie zu bringen. In dieser Situation kommt der Anruf von Lefas Freundin Suvi wie gerufen. Sie arbeitet in einem Heim für geistig Behinderte und bittet die beiden um einen Fahrdienst: Fünf Heimbewohner und zwei Betreuerinnen sollen zu einem Behindertenfestival gebracht werden. Der Auftakt zu einer irrwitzigen Road Novel ist gemacht.

Es sind Sätze wie diese, die den Roman so wunderbar machen:

»Die limettengrüne Zwei-Euro-Eieruhr, die in verwirrendem Widerspruch zur übrigen protzigen und ehrwürdigen Ausrüstung auf der Spüle ihr Dasein fristet, knirschte sonderbar. Irgendwo im Haus ertönte bedrückend hartnäckig ein erstgeklimpertes Für Elise

Rimminen porträtiert Randgestalten und chronische Verlierer. Durch die grotesken Dialoge, die zwischen derbem Sarkasmus und liebevollen Sympathiebekundungen hin und her pendeln, schafft es der Autor allerlei absurde Situationen mit literarischer Brillanz zu füllen. Beim aufschlagen des Romans wurde ich schlichtweg übermannt. Von so viel Sprachwitz, von so viel Tiefe und herber Schönheit. Und Rimminen ließ mich mit der Gewissheit zurück: das Leben – unbedingt lebenswert!

Linus Schubert/ dtv

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