Davids letzter Film

Jonas Winner

Ein Debüt wie ein Mahlstrom

 

 

 

 

Jonas Winner einen Debütanten zu nennen, ist eine Frechheit. Einerseits. Immerhin ist dieser Mann 44 Jahre alt, Doktor der Philosophie und hat Drehbücher ebenso geschrieben wie Kurzgeschichten. Andererseits ist der Psychothriller ›Davids letzter Film‹ sein erster Roman.

Florian Baumgartner, ein mäßig erfolgreicher Journalist, der sich vor Jahren nach Madrid zurückgezogen hat, bekommt den Auftrag, einem alten Freund nachzurecherchieren. Dem Regisseur David Mosbach, der mitten in der Arbeit an seinem neuesten Film verschwunden ist. Baumgartner macht sich auf ins winterliche Berlin, das eine ständig hässliche, matschige und kalte Nebenrolle spielt. Vor zwanzig Jahren schworen sich Baumgartner und Mosbach, gemeinsam den perfekten Film zu machen. Doch je näher der Journalist seinem Ziel kommt, desto mehr muss er erkennen: Mosbach hat sich seinem Ziel so sehr verschrieben, dass ihn Geschmack und Moral, Menschlichkeit und sogar Leben und Tod von Film zu Film weniger interessieren.

Winner geht es dabei immer weniger nur um die Frage, wer wann was getan hat. Wie weit darf ein Künstler gehen? Was ist der Wert von Freundschaft? Gibt es in Neukölln tatsächlich Kinos, die nach dem regulären Programm verbotene Horrorfilme der schlimmsten Art zeigen? Und Höhlenbewohner in Berlin-Mitte? Das ist es, was ›Davids letzter Film‹ vorantreibt. Unter anderem.

Auf dem Weg, der immer tiefer in die Stadt und in die Seelen der Protagonisten führt, skizziert Winner wie nebenbei die Drehbücher von Mosbachs Filmen, die meistens unvollendet blieben. Am Ende wünscht man sich, dass alle gedreht würden. Und weiß genau, dass sich kein Produzent finden wird, der sich das traut.

Eigentlich ist es ein Verbrechen, in einer Besprechung mit anderen Werken und Künstlern zu vergleichen. Angesichts der vielen Querverweise, die Jonas Winner in seinem Roman gibt, sei dennoch bemerkt: Wer sich vorstellt, dass David Lynch und David Cronenberg zusammen eine zeitgenössische Version eines Film Noir entwickeln sollen, und zum Mitschreiben Paul Auster an den Tisch bitten, der ahnt, was für einen Mahlstrom Jonas Winner in Gang setzt. Ungefähr.

Knud Kohr, Journalist

Leseprobe

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Jonas Winner: Davids letzter Film

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