Der Fall Jane Eyre

Empfohlen von Evi Kahl, Journalistin

In ein Buch eintauchen, sich darin verlieren – und mit Miss Havisham aus Charles Dickens ›Große Erwartungen‹ ein Autorennen fahren. Für Thursday Next gehört das zum Alltag. Denn sie besitzt ein besonderes Talent. Sie kann sich in Bücher hinein lesen, dort mit den Figuren interagieren und, wenn nötig, sogar Löcher in der Handlung stopfen.

Natürlich nur im Hintergrund, wo es dem Leser nicht auffällt. Damit beantwortet der Waliser Jasper Fforde auch die Frage, was in Büchern passiert, wenn sie gerade niemand liest. Ganz einfach: Die Figuren entwickeln ein Eigenleben und finden sich selten mit den Charaktereigenschaften ab, die ihnen vom Autor zugedacht wurden. Agenten innerhalb der Buchwelt sorgen dafür, dass es nicht zu oft zu Abweichungen kommt. Eine davon ist Thursday Next.

Doch dies ist nur ein Nebenjob. Denn eigentlich arbeitet sie als Literatur-Agentin in Swindon und ist damit beschäftigt, wichtige literarische Werke vor Fälschern zu schützen, die schon mal versuchen, eine mit Kugelschreiber verfasste Fortsetzung eines Shakespeare-Klassikers unters Volk zu bringen. Schließlich ist Literatur das höchste Gut. Zumindest in der wunderbaren Welt, die Jasper Fforde entwirft. Frisch geklonte Dodos und Neandertaler gehören hier ebenso zum Alltag wie Zeppeline. Und der Krimkrieg dauert nun schon über 100 Jahre.

Fforde schafft es in ›Der Fall Jane Eyre‹ und den folgenden Bänden der ›Thursday Next‹ Reihe souverän, eine klassische Krimi-Handlung mit den fantastischen Aspekten seiner Realität zu verknüpfen. So akzeptiert man auch die absurdesten Situationen als völlig selbstverständlich. Wie sonst würde es Sinn machen, dass sich der Minotaurus nach einem Mord in obskuren Western versteckt. Schließlich fallen seine Hörner hier nicht auf.

Evi Kahl, Journalistin

Hier geht’s zur Leseprobe von ›Der Fall der Jane Eyre‹

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