Der Garten der Poesie

Buchempfehlung von Eva-Maria Prokop

Endlich ist es wieder soweit! Die Sonne schickt uns ihre ersten warmen Strahlen, die Straßencafés stellen die Stühle hinaus, und zwischen den Schneeresten sprießen die ersten Winterlinge und Krokusse hervor. Die Zeit, in der man den Frühling kaum noch erwarten kann, ist gekommen. Die Menschen lechzen jetzt nach Sonne und Wärme, längeren Tagen und danach, dass die kahlen Bäume endlich wieder grün werden. Hobbygärtner wie ich warten nun vor allem darauf, dass der Frost vorbeigeht und die erste Balkongarnitur mit Frühlingsblühern gepflanzt werden kann.

Wenn man so von Tulpen, Narzissen, Hornveilchen und Bellis träumt und sich schon mal überlegt, ob man sich diesen Sommer wohl eine weitere Kletterrose oder doch lieber etwas Robusteres zulegen will, dann kommt der ›Garten der Poesie‹ in seinem frühlingsgrünen Gewand gerade recht. Hier kann man sich mit Klassikern wie Heinrich Heine über die letzten Winterwochen hinwegtrösten (Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,/ Und ertrage dein Geschick,/ Neuer Frühling gibt zurück,/ Was der Winter dir genommen) oder vom kommenden Gartenjahr träumen: Johannes Kühn nimmt uns mit in den „Märzgarten“, Horst Bienek entführt uns zum „Gartenfest“ und Ada Christens kreiert in „Nach dem Regen“ ein Szenario, das einen den „Sommerregenduft“ regelrecht riechen lässt.

Das kleine gebundene Büchlein unter dessen grasgrünem Schutzumschlag sich ein fröhlich gelber Buchdeckel mit orange geprägten Blümchen versteckt, führt durch das ganze Gartenjahr: nach dem „Sprießen und Blühen“ und dem „Reifen und Ernten“ kommt schließlich auch das Kapitel „Vom Welken und Vergehen“. Doch dieses lasse ich in diesen ersten Vorfrühlingstagen lieber geschlossen und freue mich darüber, wie schön sich das farbenfrohe Büchlein neben meiner Narzissenschale macht.

 Eva-Maria Prokop. dtv Lektorin

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