Die Bücher von Katinka Buddenkotte

›Ich hatte sie alle‹, ›Mit leerer Bluse spricht man nicht‹, ›Nicht lecker, aber Weltrekord‹

Ich muss zugeben: Selten suche ich mir Bücher wegen des Autorennamens aus. In diesem Falle aber tatsächlich schon. Ich finde, wenn man Katinka Buddenkotte heißt, setzt das die Messlatte für den Unterhaltungswert schon ziemlich hoch. Wer dann aber noch mit so provokant-vermessenen Titeln wie ›Ich hatte sie alle‹ (wow, wer kann das schon von sich behaupten?!), ›Mit leerer Bluse spricht man nicht‹ oder ›Nicht lecker, aber Weltrekord‹ aufwartet, der muss schon was zu bieten haben.

Und ich kann nur sagen: Die Messlatte hat nicht das kleinste bisschen gewackelt! Katinka Buddenkottes Geschichten sind respektlos, witzig und schräg. Getreu dem Kabarettisten-Motto »Dezenz ist Schwäche« macht sich das »Fräuleinwunder der deutschen Underground-Literatur« in ihren drei Bänden unbarmherzig über die menschlichen Schwachstellen her und verschont dabei niemanden – am wenigsten sich selbst.

Die Bücher von Katinka Buddenkotte

Katinka Buddenkottes Episoden aus ihrem chaotischen und abenteuerlichen Alltag haben mich zum Lachen gebracht oder mir die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Manchmal auch beides.

So wurde ich peinlich berührt Zeuge, wie sich die Autorin im zarten Alter von 12 Jahren auf der Party eines Freundes, auf der sich »picklige Pärchenknubbel zur Musik von La Boom durch den Hobbykeller schoben«, von der Bürde der Ungeknutschtheit befreien wollte.

Und angesichts der aufkeimenden Verzweiflung liebender Eltern, als die Teenager-Tochter ihren ersten Freund – »Lenny war ein strähniger Pickel« – zu Hause vorstellt, wäre ich wegen des gnadenlosen Verhaltens sämtlicher Familienmitglieder am liebsten gleich mit im Boden versunken.

Und wie glauben Sie, habe ich reagiert, als ich Folgendes las:
»Wenn ein erwachsener Mensch beschließt, vier Tage hintereinander in einem Scheichs-, Clowns- oder Cowboykostüm zu verbringen, den Pegel dabei konstant auf 2,4 Promille zu halten, um dann, am fünften Tag ungewaschen stundenlang andere erwachsene Menschen anzubrüllen, auf dass sie ihm Süßkram hinwerfen mögen, ist die Frage, ob er diese Bitte mit dem Wort ›Alaaf‹ oder ›Helau‹ hervorgrölt, das geringste Problem, um das er sich scheren sollte«?
Nein, das verrate ich hier nicht, machen Sie besser den Selbstversuch. Besagte Stelle finden Sie in ›Ein Düsseldorfer in Köln‹.

Überhaupt ist es besser, Katinka Buddenkottes Kommentare zum täglichen Wahnsinn, der uns alle umgibt, selbst zu lesen. Denn nichts ist sträflicher, als großartige Pointen vorwegzunehmen. Nur eines sei Ihnen noch mit auf den Weg – in die nächste Buchhandlung – gegeben: Katinka Buddenkottes Erzählungen lassen dem Leser keine Chance – denn charmant und fies, urkomisch und lakonisch sagt sie nichts als die Wahrheit. Bis man heult. Oder sich totlacht. Oder beides.

Eine Empfehlung von Dora Höppner, dtv Lektorat Unterhaltung

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