Die Geschichte der Israelis und Palästinenser

Buchempfehlung von Susanne Krones

Dass wir beinahe jeden Tag in den Nachrichten vom Nahost-Konflikt hören, daran haben wir uns leider längst gewöhnt. Dennoch passieren immer wieder Dinge, die uns besonders erschüttern und uns die ungemeine Brutalität und die verstörende Sinnlosigkeit dieses Konflikts neu vor Augen führen – jüngst etwa das Entern eines Schiffes mit Hilfsgütern für den Gazastreifen durch die israelische Armee.  

Den Nahost-Konflikt kann nur verstehen, wer die Geschichte der Israelis und Palästinenser kennt. Es ist die Geschichte langer und immer neuer, erbitterter Kämpfe, aus denen bis heute kein Sieger hervorgegangen ist. Unser Autor Martin Schäuble, ein junger Politikwissenschaftler und Journalist, hat sich in seinem Buch ›Die Geschichte der Israelis und Palästinenser‹ an die große Frage nach den Ursachen der Gewalt im Nahen Osten gewagt. Sein Buch erklärt, wie der Nahost-Konflikt entstand, wie er sich entwickelt hat und warum der Frieden so fern ist. Das gelingt Martin Schäuble nicht, indem er analysiert, doziert und beschreibt, sondern indem er vor Ort mit der Bevölkerung ins Gespräch kommt und Menschen aus der Region zu Wort kommen lässt.

In Martin Schäubles Buch erzählen die Menschen, die all diese Kämpfe erleben und erleiden mussten: die Menschen in Israel und in den Palästinensergebieten selbst. Was sie erzählen, macht überdeutlich, dass es im Verhältnis zwischen den streitenden Parteien nicht die eine gültige Wahrheit gibt – und schon gar nicht eine der beiden Seiten die Wahrheit für sich beanspruchen kann. Einen Weg, gar Königsweg zum Frieden weiß auch Martin Schäuble nicht. Ihm liegt daran zu zeigen, dass am Beginn des Weges nur die Achtung des jeweils anderen stehen kann und die Einsicht, dass Krieg für beide Seiten keine Lösung ist. Einer seiner jungen, palästinensischen Gesprächspartner bringt das so auf den Punkt: »Wir kämpfen seit über sechzig Jahren gegeneinander. Nichts wurde erreicht. Beide Seiten haben so viel Zeit verschwendet, um einen eigenen Staat zu haben. Wieso nicht Zeit für Frieden verschwenden?«

 Martin Schäuble , geboren 1978 in Deutschland, ist Journalist und lebt in Berlin. Er recherchierte eineinhalb Jahre auf israelischer und palästinensischer Seite. Dabei sprach er mit Menschen, für die der Konflikt zum Alltag geworden ist. Als Grenzgänger und Beobachter stellte er bald fest, wie wenig Israelis und Palästinenser voneinander wissen.  Die Offenheit, mit der sowohl Israelis als auch Palästinenser Martin Schäuble ihre persönlichen Kriegsgeschichten erzählen, zeigt, wie gut es ihm gelingt, Menschen auf beiden Seiten als vertrauenswürdiger Gesprächspartner zu begegnen.
Amelie Dschaqaman, eine junge Palästinenserin, etwa schildert ihm ihre ausweglose Situation: »Meine Mutter kam während der osmanischen Besatzung auf die Welt. Ich wurde während der englischen Besatzung geboren, meine Kinder während der jordanischen, deren Kinder während der israelischen. Es gibt immer jemanden, der dieses Land will, aber nie jemanden, der uns will. Ist das keine Tragödie?«�
Abraham Bar-Am, ein Israeli, beschreibt von der anderen Seite aus die erschreckende Spirale von Gewalt, die sich von Generation zu Generation weiterdreht: »Von Kind auf sah ich Kriege. Ich selbst kämpfte im Unabhängigkeitskrieg, im Suez-Krieg, im Sechstage-Krieg, im Jom-Kippur-Krieg und in vielen weiteren Einsätzen. Mein Sohn kämpfte. Mein Enkel kämpfte. Er liegt verwundet im Krankenhaus. Und ich glaube, der Enkel meines Enkels wird auch kämpfen.« 

Susanne Krones, Lektorin

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