Die Villa am Rande der Zeit

Buchempfehlung von Hella Reese, dtv Lektorin

Lesen ist kein harmloses Vergnügen, manchmal kann es gefährlich werden. Bisweilen sogar lebensgefährlich. Diese Erfahrung macht Adam, ein chronisch klammer Student aus Belgrad. Was als lukrativer Nebenjob gedacht war – ein paar Korrekturen hier und da  in einem längst vergriffenen Roman –, entwickelt sich unversehens zu einem Abenteuer auf Leben und Tod rund um eine traumhaft schöne Villa in einem prachtvollen Garten.

Ausgehend von der charmanten Idee, dass Leser, die zur selben Zeit im gleichen Buch lesen, sich darin nicht nur begegnen können, sondern auch die Möglichkeit haben, die Romanhandlung zu beeinflussen, erzählt Goran Petrović eine bezaubernde Liebesgeschichte, die den Leser in die untergangene Welt des Belgrader Bürgertums der zwanziger und dreißiger Jahre entführt. Ganz nebenbei macht er spürbar, welche Macht Texte haben, denn nicht einmal ein Geheimdienstagent, ein echter Hardliner, kann sich der magischen Anziehungskraft der Villa entziehen – er verrät sogar all seine Prinzipien, um dieses Refugium vor dem Zugriff der Staatsmacht zu retten. Doch vor allem wird deutlich, welchen Einfluss die Leser haben: Erst sie erwecken Bücher zum Leben und setzen die geltenden Gesetze der Zeit außer Kraft. »Lesemomente sind die längsten Augenblicke der Welt. Jeder einzelne ist eine kleine Ewigkeit wert«, schreibt Goran Petrović. Wer also nach einem Buch sucht, in dem man versinken kann, der ist in der Villa bestens aufgehoben!

Hella Reese, dtv Lektorat

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