Dörthe Binkert: Brombeersommer

Eine Empfehlung von Ursula Hasler, Germanistin, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Es ist Sommer, der Saft süßer, reifer Brombeeren trocknet auf Violas nacktem Bauch. Dieser Sommer 1953 ist der glücklichste in ihrem dreißigjährigen Leben, aber er bringt auch eine schmerzliche Entscheidung.

Dörthe Binkert erzählt in ihrem wunderbar fein gesponnenen ›Brombeersommer‹ die Geschichte von zwei jungen Frauen und zwei jungen Männern, die sich nach dem Krieg in ihrer zerbombten Stadt wiederfinden und in den Wirren der ersten harten Jahre des Wiederaufbaus ihre persönliche Zukunft aufzubauen versuchen. 

Karl findet bald wieder Arbeit in dem Grafikatelier, in dem er vor dem Krieg seine Lehre absolviert hat. Aber er kann den Krieg nicht aus seinem Kopf verdrängen und trägt schwer an den Erinnerungen und Bildern, die ihn heimsuchen. Sein Jugendfreund Theo will nach vorne schauen. Er lehnt sich endlich gegen seinen Vater auf, studiert Jura und plant pragmatisch seine Zukunft.

Karl hat Edith während des Krieges in Ostpreußen kennengelernt und sich dort mit ihr verlobt. Ihr ist mit Mutter und Schwester die Flucht in den Westen gelungen. Im eisigen Winter 1946 heiraten die beiden. Und dann ist da noch Viola, die Jugendfreundin von Karls jüngerer Schwester Marie. Dass das Mädchen mit den Storchenbeinen schon als Schulmädchen für Karl geschwärmt hat, hat er gar nicht bemerkt. Jetzt ist aus Viola eine attraktive junge Frau geworden, die mit beiden Beinen im Leben und in der Gegenwart steht, modern und voller Lebenshunger. Theo verliebt sich in sie, und im Frühjahr 1947 gibt es eine zweite Hochzeit zu feiern. 

Der Jahreswechsel 1952/53 markiert im Westen Deutschlands das Ende der Nachkriegszeit. Die junge Bundesrepublik Deutschland hat ein Grundgesetz und mit der Währungsreform die D-Mark bekommen, eine neue Ordnung ist entstanden. Die prosperierenden Fünfziger mit herrlichen Errungenschaften wie Kühlschrank, Waschmaschine, Fernseher und eigenem Auto sind schon greifbar. Aber bei den vier jungen Leuten hat die Vergangenheit auch ihre Spuren hinterlassen. Karls Nieren sind seit dem Krieg geschädigt, sein mangelnder Ehrgeiz enttäuscht Edith, die sich hartnäckig weigert, ihren Traum von einer Pianistinnenkarriere aufzugeben. Sie trennt sich von Karl. Den Silvesterabend 1952/53 feiern Theo, Viola und Karl zu dritt. Karl ist unverzichtbarer Teil im Leben Theos und Violas geworden. Und er verliebt sich in die Frau seines besten Freundes …

Wie das Leben schließlich den unlösbaren Konflikt zwischen den Dreien, zwischen Liebe und Freundschaft löst, sei nicht verraten. Lesen Sie selbst. ›Brombeersommer‹ ist nicht nur eine zauberhafte und bittersüße Liebesgeschichte, sondern gibt auch einen lebendigen Einblick in den Alltag der Nachkriegsjahre und die Seele einer Generation, die durch den Krieg ihrer Jugend beraubt wurde. 

Eine Empfehlung  von Ursula Hasler, Germanistin, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

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