Ein verborgenes Leben

Buchempfehlung von: Hella Reese, dtv-Lektorin

Irlands verlorene Frauen – ein Blick zurück ohne Hass: Sebastian Barry erzählt die tragische Geschichte von Roseanne McNulty, die ohne eigenes Verschulden als junge Frau ins Räderwerk der Politik geraten ist.

Schon gleich auf der ersten Seite zieht einen dieser bewegende Roman in seinen Bann. Roseanne, inzwischen eine alte Frau, hält Rückschau auf ihr Leben. Dabei sitzt sie allerdings nicht gemütlich in einem Lehnstuhl, sondern in einem baufälligen Gebäudetrakt einer Irrenanstalt …

Verrückt scheint sie jedoch nicht zu sein, ganz im Gegenteil. Wie also ist sie dorthin geraten? Und welche Rolle hat der katholische Geistliche Father Gaunt gespielt, der wie ein dunkler Schatten über Roseannes Leben liegt? Nach und nach entwirren sich die verschlungenen Fäden ihrer Lebensgeschichte.
Sebastian Barry führt den Leser zurück in die Anfangsjahre des irischen Staates. Einfühlsam erzählt er von den (mindestens) zwei Seiten der Wahrheit auf der Grünen Insel: der katholischen und der protestantischen. Aus einem Haufen von Erinnerungsbruchstücken setzt sich nach und nach Roseannes Geschichte zusammen, die spannend bleibt bis zum verblüffenden Schluss. Bis heute ist der Bürgerkrieg ein sensibles Thema in Irland. Ich war nicht wenig überrascht, als ich erfuhr, dass es in Irland Leserzuschriften gab, in denen vehement gefordert wurde, Father Gaunt zur Rechenschaft zu ziehen …

Wer mehr über Irland erfahren will, kommt an Sebastian Barrys Roman nicht vorbei.

Hella Reese, dtv-Lektorin

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