Émile Zola: Das Paradies der Damen

Eine Empfehlung von Esther Böminghaus, dtv Lektorat Klassik

Was Frauen wollen!

»Denise hatte der Verlockung nachgegeben und war bis an die Tür gegangen … Um diese Abendstunde nahm das ›Paradies der Damen‹ sie mit seiner Feuerofenglut ganz und gar gefangen. In der großen Stadt, die dunkel und stumm unter dem Regen dalag, in diesem Paris, das sie nicht kannte, flammte es wie ein Leuchtturm und schien ihr ganz allein das Licht und Leben der Stadt zu sein.«

Emila Zola: Das Paradies der DamenWelche Frau kann sich einer solchen Verlockung entziehen: ein feines Pariser Warenhaus bis unter die Decke gefüllt mit den exquisitesten Stücken, die die Modewelt zu bieten hat? Schuhe, Strümpfe, Mäntel, Wäsche, Abendgarderobe, Stoffe und vieles mehr ist im ›Paradies der Damen‹ zu finden, einem der ersten großen Pariser Modehäuser des 19. Jahrhunderts. Was für uns heute ganz selbstverständlich ist, war in damaliger Zeit eine Sensation. Man musste plötzlich nicht mehr von Geschäft zu Geschäft hetzen, sondern konnte sich in einer Welt der Mode und des Überflusses vollkommen verlieren.

Auch Denise Baudu träumt davon, Teil dieser verlockenden neuen Welt zu werden und bewirbt sich als Verkäuferin. Doch die schillernde Fassade und der glanzvolle Schein trügen, denn sehr bald lernt die junge Frau deren Schattenseiten kennen und gerät in eine scheinbar ausweglose Lage.

Mitreißend und erstaunlich aktuell erzählt Zola in seinem großen Roman von der Faszination des Konsums, vom Marketing im 19. Jahrhundert, von Glück, Rausch und Ruin. Nicht nur die schillernde Kaufhauswelt mit all ihren Verlockungen wird zum Thema gemacht, sondern auch das langsame Sterben des Einzelhandels, der finanzielle Ruin kaufsüchtiger Kundinnen, die harte Realität des Arbeitsalltags der Verkäuferinnen und der rauschhafte Kampf um die schönsten und kostbarsten Dinge: ein erstaunliches Buch voller Leidenschaft, Wahrheit und Gefühl.

 

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