Erich Kästner: Sachliche Romanzen

Eine Empfehlung von Silke Grob, Praktikantin dtv Lektorat Klassik

»Ich hab ihn lieb und will, daß es so bliebe.
Es bleibt nicht so, und nächstens ist es aus.
Dann weine ich. Und geh nicht aus dem Haus.
Und nehme acht Pfund ab. Das ist die Liebe.«

Nichts vermischt Freud und Leid so untrennbar wie die Liebe. Vom ersten verstohlenen Kuss im Stadtpark bis zur ernüchternden Erkenntnis, dass die Liebe plötzlich abhanden gekommen ist, erzählen Erich Kästners Gedichte in ›Sachliche Romanzen‹ meisterlich von den Irrfahrten des höchsten Gefühls. Sei es das sehnsüchtige Warten auf ein Treffen mit dem Liebsten, die Frage, ob das Herz nicht doch zu »leise geht« oder die Erkenntnis, dass die Frau nicht brav zu Hause geblieben ist: Erich Kästner kennt die allzu menschlichen Verirrungen nur zu gut. Seiner scharfen Beobachtungsgabe entgehen dabei weder Paare in unbequemen Seitenstraßen der Großstadt, noch herrlich schnoddrige Bardamen, die ihren Heimweg nicht alleine antreten wollen. In gewohnt sarkastischer Manier lotet er treffend Missverständnisse zwischen den Geschlechtern aus, diskutiert die Rolle der Frau und zeigt, wie der Warnung vor Geburtenrückgang zu begegnen ist.  

Mit seinen Kinderbuchklassikern hat sich Erich Kästner in die Herzen ganzer Generationen geschrieben. Nirgends steckt jedoch mehr Herzblut als in seinen Gedichten. Die oftmals rauen Töne, die der »amüsanteste und geistreichste Schulmeister Deutschlands« darin anschlägt werden durch seinen unnachahmlichen Sprachwitz aufgelockert. So trifft diese vergnügliche Gedichtanthologie, ›Sachliche Romanzen‹, garantiert jeden Leser mitten ins Herz, so dass er nicken und zu sich sagen mag: »So ist das Leben.«

Eine Empfehlung von Silke Grob, Praktikantin dtv Lektorat Klassik

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