Den Teufel im Leib

Buchempfehlung von Esther Böminghaus

Den Teufel im Leib – die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe

Der fünfzehnjährige François verliebt sich in die drei Jahre ältere Marthe, die kurz von der Verheiratung mit einem Soldaten steht, der bald in den Ersten Weltkrieg ziehen soll. Mit kindlicher Ernsthaftigkeit berichtet  François von der langsamen Entwicklung seiner Beziehung zu ihr. Bereits ihre erste Begegnung zeigt, dass es eine besondere Liebe sein wird, die hier ihren Anfang nimmt:

Unter ihrer Hutkrempe konnte sie mich kaum sehen. Ich musterte sie genau.
»Sie sind ihrer Mutter nicht besonders ähnlich«, sagte ich.
Das war als Kompliment gemeint.
»Ja, das höre ich öfter. Aber wenn Sie uns mal besuchen kommen, zeige ich Ihnen Bilder von Mama als junge Frau, da bin ich ihr sehr ähnlich.«
Das hörte ich ungern, und betete zu Gott, Marthe keinesfalls begegnen zu müssen, wenn sie so alt war wie ihre Mutter jetzt.

Die naive und zunächst harmlose Verliebtheit treibt François dazu, sich in Marthes Hochzeitsvorbereitungen einzumischen, indem er sich als hilfsbereiter Freund anbietet. Das junge Mädchen, das von der Ehe nur eine vage und unverbindliche Vorstellung hat, braucht diese Hilfe dringend – selbst wenn sie von einem fünfzehnjährigen Schüler kommt. Die Zeit die Marthe und François zusammen verbringen, lässt sie jedoch beide erkennen, dass sie in ihrer Naivität und Unreife füreinander geschaffen sind. Eine unheilvolle Affäre beginnt, deren weitreichende Folgen das junge Paar nicht absehen kann.

Mit psychologischem Scharfblick und einem ironisch-distanzierten, suggestiven Erzählton berichtet Raymond Radiguet in seinem Werk von dem Schmerz der ersten Liebe und deren dramatischen Folgen. Die einfühlsame, faszinierend authentische Studie des erst siebzehnjährigen Autors fesselt bis zur letzten Seite, ist zugleich tragisch, komisch und ergreifend. Ein besonderes Stück Literatur, das in der sehr gelungenen Neuübersetzung unbedingt lesenswert ist.

Esther Böminghaus

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