Finn-Ole Heinrich:
Frerk, du Zwerg!

Eine Empfehlung von Julia Malik, Lektorat dtv Reihe Hanser

Dass es einige Eltern ihren Kindern nicht gerade leicht machen, sich im Alltag zurechtzufinden und selbstbewusst und glücklich ins Leben zu starten, davon kann so mancher Sprössling ein Lied singen.

Auch Frerk geht es so. Als kleine Kopie seines Vaters –  mit gekämmtem Seitenscheitel, Bügelfaltenhose und Hemd – macht er sich jeden Tag auf den Weg in die Schule, weil es der Mutter so gefällt. »Ganz der Papa!«, ruft sie dann, und das soll schon was heißen. Von Andi Kolumpeck bekommt »Frerk, der Zwerg« später auf dem Schulhof gleich mal eins auf die Nase, Buchhaltertypen sind eben nicht gefragt.

Frerk, du Zwerg! Aber wer sagt da Buchhaltertyp? In Frerk schlummert ein kleiner Anarchist! Freiheiten hat er nicht viele, aber er nimmt sie sich, wo er kann. Zum Beispiel, wenn er spricht, denn Frerk ist ein Wortliebhaber. Er benutzt Wörter, die er nicht benutzen soll und die doch so schön sind: »Tatschkralle«, »Riechkolben«, »Gehwarze«, »pesen«. Und er hat verbotene Wünsche, große sogar. Einen Hund will er an seiner Seite, aber nicht irgendeinen, ein riesiger Hund soll es sein mit zotteligem Fell, einer, auf dem man reiten kann, mit Pfoten wie ein Löwe, einer, mit dem man krakeelt und Quatsch macht. Bambule will Frerk, ein ordentliches Feuerwerk in all dem Stillstand!

Nur das sind Träume, und die Realität zu Hause sieht anders aus: »Allergie« heißt das Schreckenswort, mit dem die Mutter alles vom Tisch fegt, was Frerk sich wünscht. Schmutz – igitt! Haustiere – nein danke. Verboten ist, was Spaß macht, so gehört es sich schließlich. Leider ist auch Frerks Vater nicht wirklich eine Hilfe. Stumm nimmt er am Familienleben teil und hat seinem Sohn nicht viel zu sagen.

Doch dann geschieht das Unerwartete: Auf dem Schulhof findet Frerk ein großes Ei – und nimmt es mit nach Hause. Ein Hund wird zwar nicht daraus schlüpfen, aber es muss doch etwas Großes sein, schließlich rappelt und zappelt es in dem Ei wie in einer Polterkiste. Frerk steckt das Ei in seine Hosentasche, und schon am nächsten Tag macht er eine ungewöhnliche Entdeckung. Ab jetzt steht sein Leben kopf! Endlich!

Der 1982 geborene Autor Finn-Ole Heinrich hat mit ›Frerk, du Zwerg!‹ ein witziges, sprachverliebtes, anarchisches Kinderbuch geschrieben. Eine wahrhaft »flumpe« Geschichte, wie Frerk es ausdrücken würde, bei der man viel lacht und die doch reichlich Stoff zum Nachdenken bietet. Entstanden ist ein Plädoyer für Selbstbewusstsein, Mut und Kreativität im Kinderzimmer, für Revolte und Freiheit. Ebenso wichtig wie der Autor ist auch der Beitrag der Illustratorin Rán Flygenring. Sie hat auf unzähligen ganzseitigen Bildern Frerk und sein Leben mit kräftigem schwarzem Strich und in klaren Farben festgehalten. Text und Bild gehen eine Einheit ein und sind hier nur zusammen zu denken. Frerks Albernheit und seine Freude am skurril Verrückten transportieren sich auch über ihre Zeichnungen.

Kurz, ›Frerk, du Zwerg!‹ ist ein Buch, das Kindern und Erwachsenen Spaß macht! 2012 wurde es mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis als bestes Kinderbuch ausgezeichnet.

Eine Empfehlung von Julia Malik, Lektorat dtv Reihe Hanser

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