Gerhard Henkel – ›Rettet das Dorf!‹

Neun Gründe, warum wir das Dorf brauchen – ein Textauszug

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Warum ist es wichtig, dass die Dörfer bestehen bleiben? Warum verdient auch das Land(leben) den Respekt und die Fürsorge des Staates? Über 40 Millionen Deutsche leben auf dem Land
und fühlen sich dort wohl. Und es gibt viele positive Merkmale, Werte oder auch Produkte, die das Land und seine Bewohner für die gesamte Gesellschaft bereitstellen: Gerhard Henkel stellt in ›Rettet das Dorf‹ u.a. neun Gründe vor, warum wir das Dorf nicht verlieren dürfen.

 

1. Wirtschaftlich ist das Land, das etwa 90% der Staatsfläche
ausmacht, keinesfalls das Armenhaus der Nation, gut die
Hälfte der Wertschöpfung des Staates erfolgt hier. Viele
Dorfregionen, z. B. in Baden-Württemberg, NRW oder
Niedersachsen, rangieren ökonomisch über dem jeweiligen
Landesdurchschnitt, was vor allem der auf dem Land dominierenden
mittelständischen Wirtschaft zu verdanken ist.
Zahlreiche Weltmarktführer (»Hidden Champions«) sitzen
auf dem Land.

2. In der Landbevölkerung herrscht ein relativ hoher Wohlstand.
Gründe hierfür sind die hohe Eigenheimquote (über
80%) oder auch das sog. »informelle Wirtschaften«, das
ständige Geben und Nehmen in der Nachbarschafts- und
Verwandtschaftshilfe.

3. Das Land versorgt die gesamte Gesellschaft mit Lebensmitteln
und zunehmend mit erneuerbarer Energie, darüber hinaus mit wichtigen
Rohstoffen und Naturgütern wie Bodenschätzen, Wasser und Holz.

4. Ein hohes Plus des Dorfes ist die immer noch höhere natürliche
Geburtenquote gegenüber der Großstadt. Außerdem
haben Kinder und Jugendliche auf dem Land offenbar bessere
Chancen der persönlichen und sozialen Entwicklung.
Nach einer jüngeren UNICEF-Studie sind Bildung sowie
materielles, soziales, körperliches und psychisches Wohlbefinden
bei Kindern und Jugendlichen auf dem Lande tendenziell
auf einem höheren Niveau als in der Großstadt.
Viele von ihnen übernehmen später Führungsaufgaben in
den Großstädten.

5. Generell ist auch bei den Erwachsenen die Zufriedenheit mit
dem Wohnumfeld auf dem Lande höher als in Großstädten.
Die Dorfbewohner schätzen ihr Dorf mehr als die Großstädter
ihre Stadt. Das Dorf mit seiner vertrauten und überschaubaren
Gemeinschaft bleibt offenbar in unserer immer hektischeren
Zeit eine beliebte Alternative zur Großstadt, quasi
eine Basisstation zum Auftanken: im Garten oder Wald,
durch frische Luft und Ruhe oder schlicht ein dörfliches Fest.

6. Die Zufriedenheit und Kraft des Dorfes sind ein Resultat
der ländlichen Lebensstile. Diese sind natur-, traditions-,
gemeinschafts- und handlungsorientiert. Man lebt intensiv
mit und in der Natur und mit den Jahreszeiten. Durch Feste
und Brauchtumspflege werden Traditionen lebendig gehalten.
Das intensive Gemeinschaftsleben zeigt sich vor allem
in den vielfältigen und oft außergewöhnlichen Aktivitäten
der Vereine: beim regelmäßigen Training der Musik- und
Sportvereine, bei festlichen Anlässen wie Schützen- oder
Karnevalsfesten, bei konkreten Hilfsaktionen wie der Renovierung
eines Spielplatzes oder der Errichtung eines bürgerschaftlichen
Dorfladens. Dorfkultur ist durch aktives Mitmachen
geprägt.

7. Das Sich-Auskennen und Handeln in vielen praktischen
und natürlichen Bereichen ist ein weiterer Kernbereich des
dörflichen Lebens. Genannt sei das Arbeiten im Garten, das
Einmachen und Einlagern von Garten-, Feld- und Waldprodukten,
das Holzmachen im Walde, das Hausbauen und
viele handwerkliche Tätigkeiten, das Gestalten von Festen,
das Pflegen und Betreuen von älteren und gebrechlichen
Menschen, wobei man sich ständig austauscht und hilft und
dies auch an die nächste Generation weitergibt. Insgesamt
ist das vorsorgende Leben und Wirtschaften auf dem Lande
stärker verbreitet als in der Großstadt.

8. Dorfbewohner haben eine – seit dem Mittelalter aufgebaute –
hohe Kompetenz, lokale Fragen und Probleme ehrenamtlich
oder genossenschaftlich anzugehen und Verantwortung für
das Gemeinwesen zu tragen. Selbstverantwortung und Anpackkultur
sind im Dorf tief verwurzelt.

9. Ein großer Schatz des Landes sind seine abwechslungsreichen
und regionalspezifischen Natur- und Kulturlandschaften
samt ihrer Dörfer und Kleinstädte mit ihren sehr
unterschiedlichen Bautraditionen, die auch von der Großstadtbevölkerung
sehr geliebt und häufig für Erholung und
Freizeit besucht und genutzt werden.

 

Gerhard Henkels ›Rettet das Dorf!‹ als Hardcover und eBook:

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