Hans Dieter Stöver

Autor

Vor 200 Jahren, am 31. Mai 1809, starb Joseph Haydn mit siebenundsiebzig Jahren in Wien – in einem für die damalige Zeit biblischen Alter, das kaum ein Zeitgenosse erreichte. Entsprechend groß das Werk des Komponisten, den man später den „Vater“ oder „Erfinder“ der klassischen Sinfonie und des Streichquartetts nannte.

Diesen Musiker, sein Leben und sein gigantisches Œuvre auf 131 Seiten Text und 10 Seiten Anhang darstellen zu wollen, erscheint auf den ersten Blick vermessen, zumal sich auf fast jeder Seite des Buches zusätzlich historische Illustrationen zu Personen und Schauplätzen der Zeitgeschichte finden. Ein solches Vorhaben erfolgreich zu verwirklichen, ohne sich dem Vorwurf eines kurzatmigen Parforce-Ritts auszusetzen, setzt die souveräne Kenntnis der Quellen wie der Sekundärliteratur voraus. (Allein mit den Titeln könnte man ein Buch füllen.)

Doch es gelingt Matthias Henke, den Stoff so aufzubereiten, dass man das Buch in einem Durchgang liest. Die Sprache ist anschaulich und einfach, ohne ins Oberflächliche zu abzugleiten. Wenn sich die Ereignisse in einem Lebensabschnitt häufen, werden die Sätze kürzer und steigern sich zu einem staccato, das vorwärts drängt.

Alle wichtigen Zeitgenossen, Förderer, Freunde und auch Neider Haydns sind skizzenhaft gezeichnet. Die Freundschaft mit dem 24 Jahre jüngeren Mozart, dessen Todesnachricht ihn 1791 in London erreichte, kommt immer wieder zur Sprache. Die Charakteristika der symphonischen und kammermusikalischen Hauptwerke werden aufgezeigt, ohne sich in musikalischen oder stilistischen Details zu verlieren. Dafür erfährt der Leser Interessantes über die heute kaum noch bekannten Opern und Marionettenmusiken. Beim knappen zur Verfügung stehenden Raum ist es natürlich nicht möglich, etwa zu jeder der 104 Sinfonien einen umfassenden Kommentar abzugeben. Aber auch die Psychologie der Entwicklung Haydns kommt nicht zu kurz: Bescheidenheit, Fleiß, Ehrgeiz, Anpassungsfähigkeit und Selbständigkeit, Witz, Freude an musikalischen und zwischenmenschlichen Späßen.

Das Buch ist mit Wärme und Zuneigung geschrieben. Es wendet sich vor allem an jene Musikfreunde, die nähere Bekanntschaft mit Haydn machen wollen, ohne gleich von einem mehrbändigen Kompendium erschlagen zu werden. Doch auch für den Kenner ist die Lektüre reizvoll, da Bekanntes mit weniger Bekanntem in Beziehung gesetzt wird.

Wer mehr wissen will, sei auf das Quellen- und Literaturverzeichnis (2 Seiten im Anhang) verwiesen. Es enthält wichtige Titel aus den letzten beiden Jahrhunderten. Zeittafel, Werkverzeichnis (Auswahl) und Personenregister runden das Ganze ab.

Hans Dieter Stöver

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