Hans Pleschinski: Königsallee

Eine Empfehlung von Maria Schedl-Jokl, dtv Lektorat Klassik

Hans Pleschinski:Königsallee

Die Presse feierte den Bestseller ›Königsallee‹ als Thomas-Mann-Roman, der gleichzeitig grandios die Zeit der frühen 50er-Jahre in Deutschland einfängt. Mehr als 50.000 Leserinnen und Leser haben sich schon an diesem Bravourstück deutschsprachiger Literatur ergötzt. Jetzt kommt endlich die preisgünstige Taschenbuchausgabe.

Zugegeben: Ich bin ein Fan von Thomas Mann, und zugegeben: Ich bin seit Jahren ein Fan von Hans Pleschinkis außergewöhnlicher Prosa. Nach der Lektüre dieses herrlichen Literatur- und Zeitspektakels werden Sie dies gewiss verstehen. So viel sei verraten:

»Und daß ich dich liebte, was ging’s dich an?«

Wenn Sie diese wunderbare Zeile lesen, dann sind Sie auf der letzten Seite des Romans ›Königsallee‹ von Hans Pleschinski angelangt. Aber erst kommt ein literarisches Feuerwerk, das Sie bezaubern wird. Im vornehmen Breidenbacher Hof an der Königsallee in Düsseldorf, etwa 1954, wird alles auf Hochglanz poliert: Der Dichterfürst Thomas Mann wird erwartet; er macht auf seiner letzten Lesereise Station in Düsseldorf. Zufällig logiert dort auch Klaus Heuser, den der hochbetagte Nobelpreisträger einst als jungen Knaben kennen gelernt hatte. Offenbar war er das Vorbild für Manns Hauptfigur in dem vierbändigen Werk ›Joseph und seine Brüder‹. Heuser, gebürtiger Rheinländer, ist auf Heimaturlaub aus Asien gekommen, mit seinem jungen Begleiter Anwar. Die knisternde Frage: Kommt es zu einer Wiederbegegnung, obwohl einige dies unbedingt verhindern wollen. Man munkelt ja schon…

Nur eine schöne Erfindung, die wieder einmal mehr den Erfindungsreichtum Hans Pleschinskis zeigt? Weit gefehlt, denn dieser Roman basiert durchaus auch auf Fakten aus Notizen, Tagebüchern und Schriften: Eine Wiederbegegnung 1954 in Düsseldorf wäre möglich gewesen, wie in der Nachbemerkung nachzulesen ist. Gleich am Beginn des Buches finden sich zudem Fotos der beiden Hauptakteure

Diese realistische Folie ist natürlich reizvoll, erhöht die Authentizitätsfiktion. Aber vor allem ist es – wieder einmal mehr – die stilistische Meisterschaft von Hans Pleschinski, die uns von der ersten Seite an in den Bann schlägt: Seine Feder ist spitz, die Ironie mitunter gnadenlos, aber alles gepaart mit einem großartigen und taktvollen Einfühlungsvermögen für seine Personen, die Orte des Geschehens und die Zeit. Jedes Detail ist bedacht, jede Szene filigran durchkomponiert.

Alexander Cammann hat es in Die Zeit sehr schön auf den Punkt gebracht: »Dem Zauberer hätte solch famose Zauberei gefallen.«

Und jetzt, um mit Thomas Mann zu sprechen, »leuchtet« nicht nur München, wo Hans Pleschinski lebt, sondern auch Düsseldorf: Am 29. August 2015 wird eine dramatisierte Form des Romans ›Königsallee‹ im Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt werden.

Der greise Thomas Mann sagt dies zu Klaus Heuser bei ihrem heimlichen Treffen im Park des Schlosses Benrath in Düsseldorf. Richtiger: Der Autor lässt dies den berühmten Dichter bekennen, als er nach Jahrzehnten dem einst geliebten Knaben, Vorbild seiner Hauptfigur in dem vierbändigen Werk ›Joseph und seine Brüder‹, wiederbegegnet.

›Königsallee‹ ist als Taschenbuch erhältlich:

Hans Pleschinski
Königsallee

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